Bergkamener Schulkinder können schlechter sehen

Ergebnisse nach Eingangsuntersuchungen

Bergkamens Erstklässler können schlechter sehen als ihre Schulkollegen. Zumindest im kreisweiten Vergleich, der im Rahmen der Schuleingangsuntersuchungen erstellt wird, schneiden sie nicht so gut ab.

Bergkamen

, 01.10.2018, 17:36 Uhr / Lesedauer: 2 min
Bergkamener Schulkinder können schlechter sehen

Im kreisweiten Vergleich schneiden nach den Schuleingangsuntersuchungen die Bergkamener Schulkinder beim Sehtest am schlechtesten ab. Einen besonderen Grund dafür gibt es laut Amtsärztin Dr. Petra Winzer-Milo nicht – und ein Besuch beim Augenarzt hilft ohnehin. © dpa-tmn

Schauen sie im Vergleich zu ihren Altersgenossen zuviel Fernsehen oder sitzen sie zu lange vor dem Computer? Dr. Petra Winzer-Milo, Leiterin des Kinder- und Jugendgesundheitsdienstes beim Kreis Unna, mag sich da nicht festlegen. Diese Schlussfolgerung könne man aus dem Ergebnis nicht ableiten. „Es ist tatsächlich so, dass die Kinder im Nordkreis nach unseren neuesten Statistiken schlechter sehen können als ihre Altersgenossen im Südkreis“, sagt Winzer-Milo.

Bergkamener Schulkinder können schlechter sehen

Nach den Schuleingangsuntersuchungen mussten 15 Prozent der Bergkamener Kinder zum Augenarzt. Archiv © Roman Grzelak

Nord-Südgefälle

Und in Bergkamen gibt es zur Zeit offenbar die meisten Kinder, die zum Einschulungsbeginn Sehschwächen haben. Erklären kann sich Dr. Winzer-Milo das Nord-Südgefälle nicht. Warum das so ist, das gelte es noch zu erforschen.
Aber: Die Bergkamener Mädchen und Jungen sind keineswegs schlecht versorgt. So erschienen zur jüngsten Schuleingangsuntersuchung bereits 15 Prozent mit einer Brille, weitere 15 Prozent erhielten die Empfehlung, einen Augenarzt aufzusuchen. Ein Grund zur Sorge bestehe nicht. „Ein Einschulungskind hat längst noch nicht die volle Sehkraft, die entwickelt sich noch bis zum achten bzw. neunten Lebensjahr“, sagt Winzer-Milo. Wie gut oder schlecht jemand sehen könne, sei darüber hinaus auch abhängig von den Genen.

Im jüngsten Jugendhilfeausschuss der Stadt Bergkamen berichtete Amtsleiter Udo Harder über die Ergebnisse der Schuleingangsuntersuchungen. 448 Kinder erschienen zu den Untersuchungen. Und erneut hat sich in diesem Jahr der Trend der Vorjahre bestätigt: Die Kinder im Kreis werden in der Familie und der Kita grundsätzlich gut gefördert. So gibt es deutlich weniger gravierende Störungen und Auffälligkeiten in den Bereichen der Motorik, Sprache, Wahrnehmung und Verhalten. Und besonders erfreulich sei die Tatsache, dass ein Rückgang von übergewichtigen Kindern zu verzeichnen sei.

Weniger Übergewicht

Rund 3.350 Kinder untersuchten die Kreismediziner im Zeitraum September 2017 bis Juli 2018. Von ihnen hatten im vergangenen Jahr noch 7,5 Prozent starkes Übergewicht. 2018 sind es kreisweit „nur“ noch rund 5 Prozent. In Bergkamen 5,8 Prozent.

Im Rahmen aller weiteren Untersuchungen, die vor ihrer Einschulung vorgenommen wurden, bewegen sich die Werte der Bergkamener Kinder im kreisweiten Vergleich im Mittelfeld. Rund 90 Prozent erschienen mit einem Vorsorgeheft zur Untersuchung – ein Nachweis, dass sie regelmäßig den Kinderarzt aufgesucht haben. Fast die Hälfte der Bergkamener Erstklässler, rund 40 Prozent, ist Mitglied in einem Sportverein, ähnlich wie alle anderen Altergenossen in den Nachbarkommunen ebenfalls.

Für 37 Prozent der Bergkamener Kinder ist die Erstsprache nicht Deutsch, schlechte Deutschkenntnisse stellten die Amtsärzte darüber hinaus bei rund sieben Prozent der Mädchen und Jungen fest, Sprachauffälligkeiten bei knapp elf Prozent. Eine Empfehlung zu einer logopädischen Therapie erhielten rund 20 Prozent der Kinder, da bei ihnen Sprachstörungen festgestellt wurden.

Liegen Anhaltspunkte auf Überforderung eines Kindes im Regelschulbereich vor, wird durch die Schulleitung zumeist ein Verfahren zur „Abklärung des sonderpädagogischen Förderbedarfs“ eingeleitet. In diesem Verfahren nimmt die Schulärztin Stellung, ob es medizinische Ursachen für die zu erwartende Schulschwierigkeiten gibt. Eine Empfehlung zu sonderpädagogischen Förderungen erhielten knapp zwei Prozent der Kinder, das ist kreisweit der geringste Wert.

„Bergkamen ist auf einem guten Weg,“ befand Jugendamtsleiter Udo Harder, der die Ergebnisse der Schuleingangsuntersuchungen im Jugendhilfeausschuss vorstellte. Allerdings äußerte er anschließend noch einen Wunsch: Er möchte eine weitere Differenzierung der Statistik. Ihm fehle eine Auswertung der Daten und Zahlen nach den jeweiligen Sozialräumen. „Mit besseren Zahlen zu den unterschiedlichen Sozialräumen könnten wir die Mädchen und Jungen noch besser fördern“, erklärte der Amtsleiter vor dem Ausschuss. Sozialraumorientierung und Sozialraumanalysen genießen seit vielen Jahren in der Jugendarbeit einen hohen Stellenwert. Denn die Entwicklung von Kindern und Jugendliche ist stark durch ihre Auseinandersetzung mit ihrer Umwelt geprägt. In jeder Kindertagesstätte würden Schulkinder schon jetzt besonders gefördert, so Harder, mit genaueren Zahlen könne die Stadt noch genauer schauen, an welchen Stelle es hakt und so die jüngsten Bergkamener Bürger noch intensiver fördern.

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