Bergkamener Schulen loben ihre Schüler – und klagen über ein unzuverlässiges Ministerium

dzNach Corona-Pause

In Corona-Zeiten haben die Schulleiterinnen der Bergkamener Grundschulen eine seltsame Erfahrung gemacht: Die Schüler sind diszipliniert – sogar die kleinen. Disziplinlosigkeit gab es von anderer Seite.

Bergkamen

, 12.06.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wenn Susanne Fahrner, die Leiterin der Jahnschule in Oberaden, von ihren Erfahrungen mit dem ersten Unterricht während der Corona-Pandemie berichtet, klingt sie immer noch ein wenig überrascht.

Ihre Schüler haben ihr erstaunlich wenig Probleme gemacht – oder, um es genau zu sagen: gar keine. „Die Kinder sind schon im ersten Schuljahr sehr regelbewusst“, hat sie festgestellt.

Vereinzelte Probleme gab es an den Bergkamener Grundschulen schon eher mit übereifrigen Eltern, berichtet Fahrner stellvertretend für die anderen Schulleiterinnen. Gelegentlich musste sie eingreifen, weil Eltern sich nicht an das Betretungsverbot für den Schulhof hielten und die Kinder bis zu dem Punkt bringen wollten, an dem sie sich vor dem Betreten der Klassenräume sammeln sollten.

Fast alle Schüler halten sich sehr genau an die Hygiene- und Abstandsregeln – nicht nur wie hier in der Freiherr-vom-Stein-Realschule, sondern auch in den Grundschulen.

Fast alle Schüler halten sich sehr genau an die Hygiene- und Abstandsregeln – nicht nur wie hier in der Freiherr-vom-Stein-Realschule, sondern auch in den Grundschulen. © Stefan Milk (Archiv)

Kurzfristige Anweisungen, die alle Pläne über den Haufen werfen

Auch das sei aber kein großes und ständig auftretendes Problem gewesen, sagen die Schulleiterinnen: Probleme machte vielmehr eine Stelle, bei der sie eigentlich mit Verlässlichkeit gerechnet hätten. Das Schulministerium und die vorgesetzten Behörden hätten oft kurzfristig ihre Erlasse geändert und die Mitteilung auch noch zu einem für die Schulen ungünstigen Zeitpunkt verschickt.

„Bisher wissen wir genau nichts, wie es nach den Ferien weitergehen soll.“
Susanne Fahrner. Jahnschule

„Es ist uns mehrfach passiert, dass wir für die nächste Woche alles geplant und geregelt hatten – und dann hat uns am Freitagnachmittag die Nachricht erreicht, dass doch alles ganz anders ist“, schildert Fahrner. Die Grundschulen hätten dann kaum noch Zeit gehabt, die neuen Richtlinien bis zum Unterrichtsbeginn am Montagmorgen umzusetzen.

Auch bei den jüngeren Schülern in den Grundschulen gibt es keine Probleme.

Auch bei den jüngeren Schülern in den Grundschulen gibt es keine Probleme. © dpa

Betroffen sind auch die weiterführenden Schulen

Das ist eine Erfahrung, die nicht nur die Bergkamener Grundschulen gemacht haben. Auch Bärbel Heidenreich, die Direktorin des Städtischen Gymnasiums berichtet, dass sie oft alle Planungen kurzfristig wieder über den Haufen werfen musste, weil es eine Mail mit neuen Anweisungen gab. Manchmal habe sie die Mail sogar noch am Samstag erreicht, sagte sie in der jüngsten Sitzung des Schulausschusses.

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Manchmal habe sie Informationen auch aus der Presse erfahren, die ihr erst am nächsten Tag dann auch offiziell mitgeteilt worden seien.

Keine Ahnung, wie es nach den Ferien weitergeht

Alle Schulleitungen beklagen, dass ihnen bisher alle Informationen fehlen, wie es nach den Sommerferien weitergehen soll. Darüber gebe es bisher überhaupt keine Informationen vom NRW-Schulministerium. „Bisher wissen wir genau nichts, wie es nach den Ferien weitergehen soll“, stellte Fahrner fest.

Die Lehrer haben allerdings festgestellt, dass den Schülern Bewegung fehlt. Viele sind schnell erschöpft.

Die Lehrer haben allerdings festgestellt, dass den Schülern Bewegung fehlt. Viele sind schnell erschöpft. © dpa

Schüler sind schnell erschöpft

Die Schulen haben durch die lange Corona-bedingte Pause übrigens mit einem bisher nicht bekannten Phänomen bei ihren Schülern zu kämpfen. Viele sind nicht besonders fit für den Unterricht aus der wochenlangen Pause an die Schule zurückgekehrt.

Sie habe den Eindruck, dass sich viele ihrer Schüler nicht besonders viel bewegt hätten, sagt Susanne Fahrner. Das ist für sie ungewohnt: Meist wird die Jahnschule als die sportlichste Bergkamener Grundschule ausgezeichnet. „Jetzt sind viele sofort aus der Puste.“

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Ein Phänomen, dass es nicht nur bei den Grundschülern gibt. Auch Heidenreich hat registriert, dass ihre Schüler oft nicht besonders fit sind. Die Lehrer hätten festgestellt, dass die Schüler nach fünf oder sechs Stunden Unterricht überhaupt nicht mehr aufnahmefähig und erschöpft seien. „Manche sind so weiß im Gesicht, als wenn sie wochenlang nicht draußen waren“, sagt die Rektorin.

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