Bergkamener legte Traumhaus in Schutt und Asche: Mit dem Urteil zeigt er sich zufrieden

dzLandgericht Dortmund

Der Brandstifter von Rünthe ist am Freitag im Landgericht Dortmund zu drei Jahren Haft verurteilt worden. Am Ende des Prozesses konnte der Angeklagte dennoch erleichtert sein.

Rünthe

, 13.03.2020, 17:11 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Vorsitzende Richter Dirk Kienitz war ganz am Ende der Urteilsbegründung angelangt, als er noch einen „wichtigen Beschluss“ zu verkünden hatte. Genau wie schon Staatsanwalt Henner Kruse in seinem Plädoyer sah auch die Kammer keine Fluchtgefahr mehr. Deshalb wurde der Haftbefehl gegen den Angeklagten außer Vollzug gesetzt.

Angeklagter verzichtet auf Revision

Das Urteil, das der 57-jährige Stuckateur aus Bergkamen dann auch sofort akzeptierte, ist der traurige Höhepunkt einer ebenso traurigen Geschichte. Über Jahre hinweg hatte der Mann in Rünthe ein ehemals baufälliges Haus renoviert. So lange, bis sein „Castle“, wie er es nannte, fertig war.

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Zu dieser Zeit aber kam es zur Trennung von seiner Frau. Und als diese schließlich die Zwangsversteigerung der Immobilie beantragte, schichtete der heute 57-Jährige einen Scheiterhaufen aus Möbeln auf und fackelte das Haus einfach wieder ab.

„Der Angeklagte hatte erkannt, dass sein Lebenstraum in die Brüche gegangen war“, sagte Richter Kienitz am Freitag. Deshalb habe er den Dachdeckerbrenner genommen und das Feuer entzündet.

Außerdem Lebensgefährtin erpresst

In das Urteil ist aber noch eine zweite Tat eingeflossen. Und auch diese macht deutlich, dass der 57-Jährige alles andere als ein einfacher Zeitgenosse ist. Nach der Trennung von seiner Frau hatte er eine neue Partnerin kennengelernt, doch auch diese Beziehung hatte sich schnell als problematisch erwiesen.

Bei einem Streit um Geld sperrte der Bergkamener die Frau schließlich eines Tages auf den Balkon und erpresste anschließend von ihr 640 Euro. „Und am Schluss musste sie sich noch mit einem Kuss auf die Wange von ihm verabschieden“, sagte der Richter in der Urteilsbegründung.

Verfahren hat zu lange gedauert

Wann der Brandstifter wieder ins Gefängnis muss, um den Rest seiner Haftstrafe zu verbüßen, steht noch nicht fest. Die Staatsanwaltschaft wird entscheiden müssen, wann der Mann die Ladung zum Haftantritt erhält. Klar ist jedoch schon jetzt, dass die Zeit hinter Gittern dann noch einmal zwei Monate kürzer ausfallen wird.

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Die Richter erkannten nämlich darauf, dass der Angeklagte viel zu lange auf seinen Prozess warten musste. Die Brandstiftung wurde bereits 2016 verübt, da hätte der Mann viel eher das Recht auf eine juristische Aufarbeitung des Falles gehabt. Aus diesem Grund gelten zwei Monate der verhängten Haftstrafe nun als bereits verbüßt.

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