Hausärzte können nicht mehr Corona-Tests leisten – weil sie zu wenige sind

dzOhne Symptome

Die Bergkamener Hausärzte sehen sich außerstande Corona-Tests auch an Personen vorzunehmen, die keinerlei Symptome haben. Das hat mit dem Ärztemangel in der Stadt zu tun. Eine Lösung ist nicht in Sicht.

Bergkamen

, 21.08.2020, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Als sich am Dienstag zehn Bergkamener Hausärzte zusammensetzten und über Abstriche auf das Coronavirus (SARS-CoV-2) auch bei Menschen ohne Symptome berieten, waren sie sich schnell einig: Das ist für die Hausärzte in Bergkamen nicht zu schaffen. Der Vertrag zwischen der kassenärztlichen Vereinigung (KV) und dem Land NRW, der diese Tests regeln soll, stelle für die Hausärzte in Bergkamen eine „unbotmäßige zeitliche und personelle Belastung“ dar, wie sie in einer gemeinsamen Erklärung betonten.

in Bergkamen fehlen schon sieben Hausärzte

Hintergrund ist vor allem die angespannte hausärztliche Versorgung der Stadt. Die KV selbst hat Bergkamen zu einer Art ärztlichem Notstandsgebiet erklärt. Zurzeit fehlen in der Stadt sieben praktizierende Hausärzte, rechnen die Mediziner vor. Zu der normalen hausärztlichen Arbeit kämen schon jetzt zusätzliche Aufgaben durch die Corona-Pandemie.

Er habe schon jetzt eine volle Praxis, hinzu kämen Hausbesuche bei Patienten, die nicht in die Praxis kommen könnten. „Für die zusätzlichen Corona-Tests an Menschen ohne Symptome fehlt mir einfach die Zeit“, sagte einer der Ärzte. Sie weisen darauf hin, dass der Vertrag zwischen KV und Land nicht nur Abstriche in den Praxen, sondern auch Reihentests und Hausbesuche vorsieht.

In Bergkamen fehlen schon sieben praktizierende Hausärzte. Ein Rezept, etwas an dieser Situation zu ändern, gibt es bisher nicht.

In Bergkamen fehlen schon sieben praktizierende Hausärzte. Ein Rezept, etwas an dieser Situation zu ändern, gibt es bisher nicht. © dpa

Kaum Chancen, die Situation schnell zu ändern

Die „ureigene Aufgabe“ von Hausärzten stehe für sie im Vordergrund – die Versorgung von Erkrankten. Dazu gehörten für sie auch Abstriche an Menschen mit Corona-Symptomen und die Behandlung von an Covid-19 Erkrankten.

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Die für die ärztliche Versorgung zuständige Bergkamener Sozialdezernentin Christine Busch sieht wenig Chancen, schnell etwas an der hausärztlichen Situation in Bergkamen zu ändern „Das wird ein Problem, das wir im gesamten Kreis Unna bekommen werden“, sagte einer der Ärzte. Busch hat gehört, dass es auch in der bisher gut versorgten Nachbarstadt Werne schon Probleme gibt, den Ärztebestand zu halten.

Lösung sind wohl große Gemeinschaftspraxen

Das ist offensichtlich kein Problem von passenden Räumen. Die UKBS versuchte, für das „Stadtfenster“ am Rathaus Ärzte zu finden – vergeblich, obwohl die Praxisräume sogar nach ihren Wünschen gestaltet worden wären. Busch glaubt, dass viele junge Ärzte lieber angestellt sein und geregelte Arbeitszeiten wollen.

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Größere Praxen, die Ärzte anstellen, wie das „Gesundheitszentrum am Nordberg“ und die Praxis Stamm, hätten auch schon Erfolg gehabt. Sie sieht die Zukunft bei „medizinischen Versorgungszentren“ – großen Gemeinschaftspraxen mit mehreren angestellten Ärzten.

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