Bergkamener hält Teenager auf dem Dach für Einbrecher - und landet vor Gericht

dzAmtsgericht Kamen

Ein Bergkamener Hausbesitzer geht ziemlich ruppig gegen einen vermeintlichen Einbrecher vor - einen Teenager. Das bringt den Mann vor Gericht. Das kann die Geschehnisse aber nicht wirklich klären.

von Jana Peuckert

Bergkamen

, 20.09.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Als er am 18. März zwei Personen auf seinem Dach bemerkt, schlagen bei einem 37-jährigen Mann aus Bergkamen sofort die Alarmglocken. Wollten da etwa welche in sein Haus einbrechen? Kurzerhand schnappt er sich einen der beiden - und landet wegen Körperverletzung im Amtsgericht Kamen. Jetzt muss er 300 Euro an den vermeintlichen Einbrecher zahlen.

Bei dem Gefassten handelt es sich um einen 14-Jährigen. Der war gemeinsam mit einem Freund auf das Dach des Angeklagten geklettert. Laut Anklage hatte der 37-Jährige den Jungen vom Dach geholt, auf den Boden geworfen, sich auf ihn gekniet und ihm Faustschläge ins Gesicht verpasst.

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Der Angeklagte gibt zu, etwas ruppig gewesen zu sein

Im Gericht gab der Bergkamener an, den Jungen nicht geschlagen zu haben. Nachdem einer der beiden Jungen weggelaufen war, habe er versucht, wenigstens einen festzuhalten.

Der Angeklagte gab zu, etwas ruppig mit dem Jungen umgegangen zu sein. Ja, er habe ihn zu Boden geworfen und ja, er habe sich auch auf ihn gekniet. Als der Junge dann aber geschrien hätte, dass er zwölf sei, habe er ihn sofort losgelassen, gab der Bergkamener an. Dann hätten sie sich beide hingesetzt, um auf die Polizei zu warten.

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Der Junge berichtet von Schlägen

Doch der 14-Jährige habe die Chance zur Flucht genutzt. Der Junge erklärte im Zeugenstand, der Angeklagte habe sich auf ihn gesetzt und ihm mehrmals mit Faust und flacher Hand ins Gesicht geschlagen. Er habe absichtlich ein falsches Alter genannt, damit der 37-Jährige aufhöre, ihn zu schlagen. Der Freund des Jungen gab im Gericht an, Schlagbewegungen gesehen zu haben. Die Ehefrau des Angeklagten bestätigte die Aussage ihres Mannes. Auf Fotos waren leichte Rötungen im Gesicht des Jungen erkennbar.

„Es sind Verletzungen da. Die können aber nicht von Faustschlägen kommen“, fasste der Richter zusammen. Irgendetwas musste aber passiert sein. Vorstrafen hat der Angeklagte keine. Und so entschied der Richter, das Verfahren vorläufig gegen eine Zahlung von 300 Euro an den 14-Jährigen einzustellen.

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