Bergkamener gibt Polizeiinformationen an Kriminellen weiter

dzGericht

Ein Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma steht vor Gericht, weil er Polizeiinformationen über eine Frau weitergegeben hat - an einen Kriminellen. Damit bringt er die Frau in große Gefahr.

von Jana Peuckert

Bergkamen

, 04.12.2019, 17:42 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mithilfe eines Mitarbeiters einer Überwachungsfirma in Bergkamen war ein Krimineller an Adresse und Handynummer einer Frau gelangt, die in einem großen Prozess gegen ihn als Hauptbelastungszeugin auftrat. Glücklicherweise handelte es sich um veraltete Daten. Sonst, so der Richter im Amtsgericht Kamen, wäre das Leben der Frau möglicherweise in großer Gefahr gewesen. Womöglich wäre sie einem Mord zum Opfer gefallen.

Ein Polizist lieferte die Informationen

Auf der Anklagebank saß der Mitarbeiter der Firma. Er hatte die Informationen von einem Polizisten erhalten, mit dem er schon viele Jahre zusammengearbeitet und dem er bei der Lösung von Fällen geholfen hatte. Die Anfrage nach den Daten der Frau hatte der Angeklagte gestellt, weil ihn ein Bekannter aus Bergkamen darum gebeten hatte. „Ich habe mir sich nichts dabei gedacht. Es war so nebenbei“, erklärte der 46-Jährige. Er gab an, nicht gewusst zu haben, dass es sich bei dem Mann um einen Kriminellen handelt, der in Zusammenhang mit Menschenhandel und Drogengeschäften gebracht wird.

Anstiftung zur Verlosung von Dienstgeheimnissen

Nun musste sich der 46-Jährige gemäß § 353b Strafgesetzbuch dem Vorwurf der Anstiftung zur Verletzung des Dienstgeheimnisses und einer besonderen Geheimhaltungspflicht stellen. Der Polizist ist bereits wegen Verletzung des Dienstgeheimnisses zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Im Zeugenstand schilderte er, dass der Angeklagte ihm erzählt habe, er bräuchte die Daten der Frau, weil diese im Verdacht stehe, eine Unfallflucht begangen zu haben. Dass es sich um eine Belastungszeugin in einem großen Strafverfahren handelte, habe er nicht gewusst.

Verteidiger kann Richter nicht milde stimmen

Der Verteidiger des Angeklagten legte sich mächtig für seinen Mandanten ins Zeug, brachte vor, dass dieser immer auf der richtigen Seite des Gesetztes gestanden habe und keine Vorstrafen mitbrachte. Es sei nicht fair, ihm wegen eines Fehltrittes die Karriere zu verbauen. Er forderte daher eine Einstellung des Verfahrens.

Das war für Staatsanwalt und Richter keine Option. Vielmehr gab es eine Geldstrafe von 2000 Euro. Wenn er sich wirklich nichts Böses bei der Anfrage gedacht habe, dann hätte er doch deren wahren Hintergrund Preis geben können, so der Richter. Stattdessen hatte der Bergkamener das langjährig aufgebaute Vertrauensverhältnis zum Polizisten missbraucht.

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