Bergkamener Gastro-Großhändler muss mit Haftstrafe rechnen

dzPlädoyers im Betrugsprozess

Nach langem Hin und Her legt ein betrügerischer Gastro-Großhändler aus Bergkamen ein Geständnis ab. Ins Gefängnis soll der Angeklagte nach dem Willen der Staatsanwaltschaft trotzdem.

Bergkamen

, 22.09.2020, 16:04 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Verhandlung gegen den 41-jährigen Mann war von Anfang an von einer lockeren Stimmung geprägt. Und auch die Plädoyers dürften den Angeklagten am Dienstag keineswegs überrascht haben. Fünf Jahre Haft forderte der Staatsanwalt in seinem Schlussvortrag.

Die Vorwürfe der Anklageschrift reichen zurück bis ins Jahr 2015. Damals soll der heute 41-Jährige in seinem Bergkamener Gastro-Großhandel einen neuen Geschäftsführer installiert haben, der aber offensichtlich nur die Aufgabe eines Strohmannes wahrnahm.

Strohmann als Geschäftsführer

Im Hintergrund soll der Angeklagte weiterhin die Fäden gezogen haben. Und diese Tätigkeit bestand im Wesentlichen darin, Großbestellungen aufzugeben. Immer wieder soll er Fleisch geordert haben, das dann auch prompt nach Bergkamen gefahren wurde. Das Problem der Lieferanten war nur: Der Angeklagte hatte offenbar nicht vor, auch nur einen Cent dafür zu bezahlen.

So kam es wohl, wie es kommen musste: Die Rechnungen blieben so lange offen, bis die Lieferanten mal leise anfragten, wann denn das Bergkamener Gastro-Unternehmen zu zahlen gedenke. Dabei liefen sie aber natürlich nicht beim Angeklagten, sondern lediglich bei dessen Strohmann auf. Und der wusste von nichts.

Schaden über eine halbe Million

Der Schaden, der auf diese Weise entstanden ist, beläuft sich nach Berechnungen der Staatsanwaltschaft auf deutlich mehr als eine halbe Million Euro. Als der Prozess begann, hatte der 41-Jährige noch keinerlei Anstalten gemacht, dies auch wirklich zuzugeben. Erst nach einigen Wochen besann er sich dann doch und legte ein Geständnis ab.

Dieses bewerte der Staatsanwalt in seinem Plädoyer ausdrücklich als besonders hilfreich und gut. „Andernfalls hätte die Beweisaufnahme sicherlich noch bis ins nächste Jahr hinein gedauert“, hieß es am Dienstag. Das bedeutet dann eben auch: Ohne das Geständnis hätte die Forderung des Staatsanwalts auch deutlich über den beantragten fünf Jahren Haft gelegen.

Urteil im Oktober

Wie die Richter entscheiden, wird sich am 2. Oktober zeigen. Dann wird das Urteil erwartet. Großartig von den Anträgen der Staatsanwaltschaft (fünf Jahre Haft) und der Verteidigung (maximal vier Jahre Haft) unterscheiden wird sich die verhängte Strafe dann sicherlich nicht. Genau diesen Rahmen hatte die 43. Strafkammer des Landgerichts dem Angeklagten schon nach einer ersten Durchsicht der Akten in Aussicht gestellt.

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