Bergkamener Fünftklässler erleben Unterricht am Teich und mit ausgestopften Tieren

dzNaturprojekt

So lange es die Willy-Brandt-Gesamtschule gibt, so lange empfängt Reinhard Middendorf die Fünftklässler auch schon zu Umwelttagen auf seinem Hof. Dort erleben sie Unterricht der anderen Art.

Unna

, 06.06.2019 / Lesedauer: 3 min

Vorsichtig streichelt das Mädchen über das Fell eines ausgestopften Mauswiesels. „Wieso ist es denn so dünn“, fragt die Fünftklässlerin den Mann, der mit der Rollenden Waldschule der Kreisjägerschaft Unna auf dem Hof Middendorf steht. Dieter Spallek an solche Fragen aus dem Eff-Eff beantworten. „Damit sie in die Mauselöcher hineinkommen, denn Mäuse jagen sie ja“, ist die kurze Antwort.

Dieter Spallek gibt sein Wissen weiter

Kinder, die fragen, sind für Spallek ein Gewinn. Mit seinen 82 Jahren verfügt er nicht nur über viel Lebenserfahrung – er weiß auch viel über die Tierwelt. Der Wagen der Rollenden Waldschule ist bestückt mit ausgestopften Tieren. „Das sind alles Tiere, die es auch im Kreis Unna gibt“, erklärt er. Früher habe es auch einen Auerhahn gegeben, der aber im Kreisgebiet gar nicht heimisch war. Das Präparat wurde entfernt, inzwischen gibt es stattdessen auch ausgestopfte Kanada- und Nilgänse. Die gelten zwar als invasive Arten, die ursprünglich nicht hier heimisch waren, sind inzwischen aber häufig zu sehen und pflanzen sich hier auch fort.

Mehrere Stationen auf dem Hof

Die Waldschule ist eine von mehreren Stationen, die es bei den Umwelttagen auf dem Hof von Reinhard Middendorf gibt. So lange es die Willy-Brandt-Gesamtschule in Bergkamen schon gibt, so lange gibt es auch die Umwelttage. Die jeweiligen Fünftklässler kommen dann für einen Unterricht der etwas anderen Art nach Overberge. Sie erleben die Natur und sie lernen die Natur kennen – sei es am Teich oder bei der Station des Landesbetriebs Wald und Holz.

Bergkamener Fünftklässler erleben Unterricht am Teich und mit ausgestopften Tieren

Der Forsttechniker Patrick Mühlenkord erklärte denKndern die Funktionsweise der Kettensäge. © Stefan Milk

„Es ist wichtig, dass die Kinder viel über die Natur lernen“, sagt Middendorf nicht nur mit Blick auf die jüngsten Wahlergebnisse. Klimaschutz sei das Thema, das gerade die Jugend als wichtig erachte. Wer das Klima schützen will, muss seine Umwelt aber auch kennen. Und da klaffen offenbar Lücken. „Die meisten Schülerinnen und Schüler kennen gerade noch Wildschweine. Die Unterschiede zwischen Hasen und Kaninchen kennen sie schon nicht mehr. Aber auch Lehrer kennen viele Tiere gar nicht“, berichtet Dieter Spallek.

Bergkamener Fünftklässler erleben Unterricht am Teich und mit ausgestopften Tieren

Aug in Aug mit dem Fuchs – das Foto zeigt auch die Größenverhältnisse zwischen Mensch und Tier. © Stefan Milk

Jeder Umwelttag beginnt musikalisch. Jagdhornbläser stellen unterschiedliche Jagdsignale vor. Anschließend zeigt der Hund „Troll“, wie er erjagtes Wild findet und schleppt. „Am Mittwoch hatten wir einen besonderen Höhepunkt“, berichtet Middendorf davon, dass die Kinder sich einen Rehjungbock anschauen konnten, der bei einem Wildunfall in der Nacht zuvor getötet worden war. „Sie waren alle ganz interessiert und haben sich den Bock genau angeschaut“, berichtet der Landwirt. Middendorf: „Diese Kinder wissen jetzt, dass das Fleisch nicht bei Aldi wächst.“

Ältere Schüler als Lehrer aktiv

Eine besondere Station ist die am Teich. Dort sind es nämlich Oberstufenschüler der Willy-Brandt-Gesamtschule, die „ihren“ Fünftklässlern Wissen über das Ökosystem Teich und die Lebewesen darin vermitteln. „Das ist toll für alle. Die Oberstufenschüler lernen, wie sie ihr Wissen an Jüngere weitergeben können. Und die Fünftklässler haben mal nicht ihre normalen Lehrer“, sagt Middendorf.

Bergkamener Fünftklässler erleben Unterricht am Teich und mit ausgestopften Tieren

Die Handyfotos sind wohl mehr als Erinnerungen an einen besonderen Schultag. Die Kinder können zuhause erzählen, was sie etwa über das Mauswiesel gelernt haben. © Stefan Milk

Der Erfolg der Aktion gibt dem gastgebenden Landwirt und der Gesamtschule Recht. Fast alle Kinder waren mit viel Eifer bei der Sache. Und anders als sonst durften sie auch ihre Handys benutzen, denn viele Jungen und Mädchen wollten Erinnerungsfotos machen - auch von den ausgestopften Tieren. Zuhause werden sie so vielleicht sogar selbst noch zu Lehrern. In jedem Fall wächst der Respekt vor der Natur.

Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Töddinghauser Straße

„Massiver Eingriff in die Grundrechte“: Jetzt ziehen die Geräumten vor Gericht

Hellweger Anzeiger Musikalische Ferien

In Bergkamen entsteht ein hippes Musikvideo: Jugendliche spucken große Töne

Hellweger Anzeiger Verlust der Vereinsgaststätte

Die Oberadener Vereine behelfen sich und hoffen auf den neuen Raum im Museum

Hellweger Anzeiger Kinderkulturtage

Schmuse-Schafe und stampfende Elefanten: Tierisches Ferienprojekt im Wasserpark

Hellweger Anzeiger GSW erfuhr zuletzt davon

Skurrile Entdeckung: Die Laternen im Zechenpark leuchteten am hellichten Tag