Rüdiger Klos-Neumann glaubt an die heilende Wirkung von Cannabis bei vielen Krankheiten. Bei ihm selbst ist es das einzige Mittel, das seine Schmerzen lindert. Der gelernte Koch setzt sich deshalb dafür ein, Cannabis legal an Erwachsene abzugeben. © Stefan Milk
Modellprojekt

Bergkamener fordert: Stadt soll Cannabis an Erwachsene abgeben

Der Bergkamener Rüdiger Klos-Neumann will ein Modellprojekt, bei dem Cannabis legal abgegeben wird. Er will mit dem neuen Bürgermeister reden – oder seine Forderung notfalls anders durchsetzen.

An diesem Donnerstag will der Bundestag über mehrere Anträge zu Cannabis beraten. In den Anträgen, die von unterschiedlichen Fraktionen gestellt wurden, geht es um die weitgehende Freigabe von Cannabis und um die Erforschung der medizinischen Wirkung von Bestandteilen der Hanfpflanze.

Der Bergkamener Rüdiger Klos-Neumann hat Erfahrung mit Cannabis – jedoch nicht als Rauschmittel, sondern als Medizin. Er leidet seit Jahren unter nahezu unerträglichen Schmerzanfällen, die er nur mit Cannabis in den Griff bekommen hat. Klos-Neumann, der von der positiven Wirkung der Hanfpflanze überzeugt ist, setzt sich seit Jahren dafür ein, dass Cannabis auch von den Krankenkassen als legales Medikament behandelt wird.

Der Bergkamener Rüdiger Klos-Neumann fordert eine städtische Abgabestelle für Cannabis. Bei Bürgermeister Bernd Schäfer trifft er nicht unbedingt auf offene Ohren. (Symbolbild) © dpa © dpa

Kommunale Abgabestelle für Cannabis – nur an Erwachsene

Jetzt geht er noch einen Schritt weiter: Er fordert, dass die Stadt Bergkamen als Modellprojekt ein Cannabis-Geschäft eröffnet. Dort soll die immer noch als Droge eingestufte Pflanze legal an Erwachsene abgegeben werden. Klos-Neumann bezieht sich mit seinem Vorschlag auf ein Positionspapier der SPD-Bundestagsfraktion vom Februar 2020. Darin geht es darum, dass Städte und Gemeinden als Modellprojekt regulierte Abgabestellen für Cannabis schaffen könnten.

Solche Abgabestellen, in denen ausschließlich Erwachsene Cannabis beziehen könnten, sieht Klos-Neumann als deutlichen Fortschritt gegenüber der bisherigen Drogenpolitik in Bezug auf Cannabis. Er sieht einen Vorteil, weil die Behörden kontrollieren können, an wen Cannabis abgegeben wird – und dass es nicht in den falschen Händen landet. „Dealer fragen nicht nach dem Alter und verkaufen auch an Jugendliche“, sagt er.

Es gibt bereits eine ganze Reihe von Hanfpräparaten. Viele davon haben keine berauschende Wirkung, sagt Klos-Neumann. © Stefan Milk © Stefan Milk

Bergkamener hält Cannabis für ungefährlicher als Alkohol

Der Bergkamener geht davon aus, dass selbst der Cannabis-Konsum, der nicht medizinischen Zecken dient, nicht so gefährlich ist wie bei legalen Rauschmitteln. Bei Cannabis sei eine Überdosis nicht möglich, sagt er. Außerdem gebe es in Deutschland jährlich zehntausende Tote durch Alkohol und Nikotin – im Gegensatz zu Cannabis.

Eine kommunale Abgabestelle sorge außerdem dafür, dass das Cannabis und vor allem Haschisch nicht von Dealern gestreckt und verunreinigt werde. „Dafür wird zum Beispiel Vogelsand verwendet“, sagt er.

Klos-Neumann glaubt an medizinischen Nutzen von Hanf

Klos-Neumann verweist aber vor allem auf den medizinischen Nutzen von Cannabis. Er selbst nutzt es seit Jahren zur Schmerztherapie und hatte lange damit zu kämpfen, dass die Krankenkasse die Kosten nicht übernehmen wollte – trotz eines Rezepts vom Arzt. Es gebe außerdem Wirkstoffe im Cannabis, die überhaupt keine berauschende Wirkung hätten – zum Beispiel Cannabidiol (CBD). Der Stoff soll entkrampfend, entzündungshemmend, angstlösend und gut gegen Übelkeit sein.

Gespräch mit neuem Bürgermeister und Landrat

Der Bergkamener plant, mit dem neu gewählten Bürgermeister Bernd Schäfer und dem neuen Landrat Mario Löhr zu reden, wie sie zu einem Modellprojekt zur legalen Cannabis-Abgabe stehen. Da beide der SPD angehören, hofft er, bei ihnen offene Ohren zu finden. Löhr hat er bereits ein Dossier zukommen lassen.

Klos-Neumann hat aber noch einen Plan B, wenn er auch Ablehnung stößt: Er will ein Volksbegehren starten. „Ich werde dann Unterschriften sammeln. Wegen der Corona-Pandemie auch digital“, sagt er.

Die Chance, dass der Bundestag am Donnerstag etwas ändert, ist übrigens gering. Der Gesundheitsausschuss hat mit Mehrheit die Ablehnung aller Anträge empfohlen.

Über den Autor
Redaktion Bergkamen
Geboren 1960 im Münsterland. Nach dem Raumplanungsstudium gleich in den Journalismus. Mag Laufen, Lesen, Fußball und den BVB ganz besonders. An den Bergkamenern liebt er ihre Offenheit. Die Stadt ist spannend, weil sie sich im Strukturwandel ganz neu erfinden muss und sich viel mehr ändert als in anderen Städten.
Zur Autorenseite
Avatar
Lesen Sie jetzt