Bergkamener Eventhelden feiern eine virussichere Party

dzSpaß in Corona-Zeiten

Ein Samstagabend zu Hause - für Partyfans gleicht das Folter. Ebenso leiden Partyveranstalter und DJs wie die Bergkamener Eventhelden. Die boten nun Party zum Streamen an - und so lief es.

Bergkamen

, 15.11.2020, 12:34 Uhr / Lesedauer: 2 min

Samstagabend, kurz nach 19 Uhr. Die Eventhelden, eine Bergkamener Veranstaltungsfirma, sind voll in ihrem Element. Das Mischpult ist aufgebaut, die Lichter sind an, die Nebenmaschine ist bereit - und auch die Kamera läuft. Denn in Corona-Zeiten können natürlich auch die Eventhelden keine klassische Party mit etlichen Gästen auf der Tanzfläche anbieten.

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Aber sie sind kreativ: Über den Streaming-Dienst Twitch werden die Eventhelden ab 20 Uhr alles, was in ihrer hergerichteten Lagerhalle an der Stadtgrenze zu Werne passiert, ins World Wide Web schicken. Egal, wo auf der Welt, können sich Partyfreunde kostenlos einwählen und die Party ins heimische Wohnzimmer holen.

Schöne Alternative zum Abend mit der Lieblings-CD

An diesem Samstag sind die 80er und 90er Jahre das Partymotto - und es gibt Musik von Pur, Nena und Bon Jovi, aber auch Tanzsongs wie Macarena, Cotton Eye Joe und Titel von Rednex oder Ace of Base. In der Spitze sind es über 50 Teilnehmer, die den kostenlosen Streaming-Dienst nutzen - und es sind überwiegend Bergkamener, darunter auch Sandra Schipper.

Aus purer Neugier loggte sich Sandra Schipper in den Party-Live-Stream ein.

Aus purer Neugier loggte sich Sandra Schipper in den Party-Live-Stream ein. © Stephanie Tatenhorst

Per Zufall wurde sie auf das Angebot aufmerksam und loggte sich am Samstagabend ein. „Ich kann mir da gar nichts drunter vorstellen“, gesteht die 41-Jährige zu Beginn, „aber warum soll man das nicht mal ausprobieren? In Corona-Zeiten passiert ja so wenig, man kommt nicht mehr wirklich unter Menschen. Das könnte doch eine schöne Alternative sein, um ein bisschen zu feiern und Spaß zu haben.“

Gästeschar ist nur über den Chat identifizierbar

Wer noch alles zur Gästeschar gehört, lässt sich nur über einen Umweg erkennen. Die Eventhelden bieten einen Chat ein, um nicht nur eine Art Fernseh-Radio zu präsentieren, sondern mit ihren Gästen in Interaktion zu treten. Smilies werden geschickt, Lob verteilt, Liedwünsche geäußert. Und wer postet, kann anhand seines Nicknames durchaus identifiziert werden. So mancher, wie das Haus des Schreckens in Rünthe - wird auch namentlich von den DJs erwähnt.

Über einen Chat konnten Party-Gäste und das DJ-Team miteinander kommunizieren.

Über einen Chat konnten Party-Gäste und das DJ-Team miteinander kommunizieren. © Stephanie Tatenhorst

Denn um die Eventhelden finanziell in ihrem Tun zu unterstützen, kann jeder über Pay Pal eine Spende leisten und den DJs einen Drink spendieren, sie tanzen lassen, für Nebel im Studio sorgen oder sie auch mit einer Schaum-Torte bewerfen lassen. Die Kleinspenden summieren sich dabei auf - für erreichte 130 Euro gibt es die Torte, bei 50 Euro müssen sich die DJs verkleiden. Schon um 20.30 Uhr gibt es den ersten Drinks für die DJs, da wird DJ Frederick Papies doch schon ein wenig mulmig.

Schwerstarbeit für die DJs

Alle DJs des Abends lassen nichts unversucht und geben alles, um den Partyspaß nach Hause zu transportieren - doch da sie nur vor der Kamera agieren, fehlt der unmittelbare Kontakt zum Publikum. Die DJs können nicht erkennen, wie die Stimmung vor den Geräten zuhause ist - und wer wirklich richtig feiert, der chattet auch nicht mit ihnen. Doch als sich Gast-DJ Mike Siggemann nach seinem einstündigen Set verabschieden will, geht es im Chat hoch her. Sogar Zugaben werden gefordert - und es hagelt noch einmal Spenden.

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Da ist es nach 22 Uhr - und die Zahl der Party-Teilnehmer beginnt erstmals zu schwanken. Als Mike Siggemann endgültig vom Pult zurücktritt, halbiert sich die Zahl der Zuschauer sofort. Doch dann steigt sie wieder. Als um 1.15 Uhr der letzte Take-That-Song des Abends gespielt wird, bekommen das noch 24 Nutzer mit.

„Es war der absolute Wahnsinn mit Euch“, dankt Frederick Papies den fernen Gästen. Auch wenn die finanziellen Einnahmen am Ende überschaubar gewesen sein dürften, wirkt er zufrieden. Und wirbt für die nächste Streaming-Party am 28. November, dann gibt es Harder Styles.

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