Bergkamener 9/11: So erlebten Zeugen den ersten Groß-Bombenangriff im Zweiten Weltkrieg

dzVortrag im Stadtmuseum

Bergkamen wurde viele Jahre von den Bomben des Zweiten Weltkrieges verschont. Doch am 11. September 1944 kam es zum ersten Groß-Bombenangriff. Zeitzeugen erinnern sich noch genau an das Grauen.

von Klaus-Dieter Hoffmann

Bergkamen

, 19.10.2019, 15:47 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mit einem spannenden Diavortrag erinnerten am Freitagabend der Leiter des Bergkamener Stadtmuseums, Mark Schrader, und Stadtarchivar Martin Litzinger an den ersten großen Bombenangriff auf Bergkamen, der vor 75 Jahren am 11. September 1944 das Höllenfeuer des Krieges auch nach Bergkamen brachte. Denn obwohl der Zweite Weltkrieg schon seit 1939 tobte, blieb Bergkamen noch viele Jahre verschont.

Zwar lägen im Keller des Stadtmuseums so einige Fundstücke aus dem Zweiten Weltkrieg – wie Bombensplitter, Granaten oder Ähnliches. Doch müssten sich die beiden Historiker bei ihren Recherchen zu den Bergkamener Kriegsereignissen meist auf Fotos und Dokumentationen der umliegenden Museen oder gar der Alliierten stützen, die sich nicht immer decken würden, so Mark Schrader.

Bergkamener 9/11: So erlebten Zeugen den ersten Groß-Bombenangriff im Zweiten Weltkrieg

Mark Schrader hofft, dass sich noch Zeitzeugen melden, die Material, Erinnerungen oder sogar Fotos haben. © Borys Sarad

Bergkamener Zeitzeugen berichten von Kriegsereignissen

Besonders glücklich schätzt sich daher Martin Litzinger, dass er auf eine nicht geringe Zahl an Bergkamener Zeitzeugen zurückgreifen kann, die authentisch von ihren persönlichen Erlebnissen aus diesen Zeiten berichten können. Noch am Freitagmorgen hatte Litzinger zu den Ereignissen am 11. September 1944, dem Bergkamener „9/11“, mit einer Zeitzeugin telefoniert.

„Es war ein schöner Spätsommertag“, berichtete diese. „Alle waren ganz entspannt.“ Die Kinder spielten vergnügt auf der Augusta-Straße, der Vater und die Nachbarn waren in ihren Gärten beschäftigt, als sich von Westen her das Dröhnen näherte. Gebannt starrten alle auf die herannahenden Flugzeuge.

„Das sind Bomben!“ schrie der Vater entsetzt, als er plötzlich die kleinen schwarzen Punkte unter den Flugzeugen entdeckte, die sich rasend schnell in die Kokerei und ins Kraftwerk bohrten und in einer Kettenreaktion sogar eine Schlagwetterexplosion auf Grimberg 3/4 auslösten.

Nach dem nur 17 Minuten dauernden Angriff waren 162 Zivilisten und 107 Zwangsarbeiter tot. Es war das erste von insgesamt fünf Bombardements, mit denen in den folgenden Monaten die kriegswichtigen Chemischen Werke Bergkamen zerstört werden sollten

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Wenige Fotos vom Bombenangriff

Alwine Tewes, geborene Havers, saß indes auf einer Bank im Garten ihres Elternhauses, der Gaststätte Havers in Werne, als sich an diesem sonnigen Nachmittag über 130 britische Bomber von Südkirchen aus näherten. Bisher waren immer die Bahnanlagen in Hamm das Ziel dieser Bombergeschwader, doch an diesem Nachmittag machten die Flugzeuge plötzlich einen Schwenk in Richtung Bergkamen und überrumpelten so die Bergkamener Flak.

Bergkamener 9/11: So erlebten Zeugen den ersten Groß-Bombenangriff im Zweiten Weltkrieg

Ziel der Allierten waren im Zweiten Weltkrieg die Chemischen Werke in Bergkamen. © Borys Sarad

Geistesgegenwärtig rannte die zwanzigjährige Alwine ins Haus, schnappte sich ihren Fotoapparat, rannte bis ins Dachgeschoss und machte die bisher einzigen Fotos von den schwarzen Rauchsäulen, die nach den wenigen Minuten des Bombardements über Bergkamen aufstiegen.

Da das Thema „Zweiter Weltkrieg in Bergkamen“ auch noch in zukünftigen Ausstellungen des Stadtmuseums beleuchtet werden soll, hoffen Mark Schrader und Martin Litzinger, dass sich noch weitere Zeitzeugen aus dieser Zeit bei ihnen melden - und die vielleicht sogar noch das ein oder andere Foto aus dieser Zeit in den heimischen Fotosammlungen entdecken und dem Stadtmuseum zur Verfügung stellen.

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