Bergkamen stehen noch viele Bombenentschärfungen bevor

dzWeltkriegs-Altlasten

Die Evakuierung wegen des Blindgängers an der Pfalzschule verlief problemlos. Für das Bergkamener Ordnungsamt war es nicht die erste und wohl auch nicht die letzte Bombenentschärfung.

Bergkamen

, 22.10.2019, 14:43 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Evakuierung wegen der Bombenentschärfung an der Pfalzschule ist ungewöhnlich reibungslos verlaufen, obwohl in dem geräumten Bereich rund 830 Menschen gemeldet sind. Ordnungsamtsleiter Heiko Brüggenthies führt das auf mehrere Umstände zurück, unter anderem auf die Herbstferien. „Viele waren vermutlich im Urlaub“, vermutet er.

Der zweite Umstand, der zur schnellen Räumung des Bereichs um die Pfalzschule führte: Das Ordnungsamt wusste schon Tage zuvor von der Bombenentschärfung und informierte die Anwohner mit Handzetteln.

Bergkamen stehen noch viele Bombenentschärfungen bevor

Nur wenige Anwohner kamen zur Sammelstelle auf dem Fakt Campus. Andere hatten schon vorher eine Shopping-Tour geplant, hatten Freunde besucht oder waren Essen gegangen. © Stefan Milk

Polizei musste in keinem Fall eingreifen

Wohl auch deshalb gab es diesmal keinen Fall, in dem die Polizei um Amtshilfe gebeten werden musste, weil Menschen ihre Wohnung nicht verlassen wollten. „Zwei oder drei gibt es immer, die meinen sie hätten schon den Krieg überstanden und hätten keine Angst“, sagt Brüggenthies. Diesmal hätten alle schon im Vorfeld davon überzeugt werden können, lieber die Wohnung zu räumen.

Der einzige unvorhergesehen Zwischenfall bei der Evakuierung: erst als sie an einer Tür klingelten erfuhren die Ordnungsamts-Mitarbeiter, dass eine Person bettlägerig war. Es musste erst ein Krankentransporter gerufen werden, der nicht eingeplant war. Eigentlich hatte die Behörde auf den Handzetteln gebeten, solche Fälle vorab zu melden.

Noch viele Verdachtspunkte in der Stadt

Die jüngste Bombenräumung an der Pfalzschule wird mit Sicherheit nicht die letzte gewesen sein. Das Ordnungsamt hat noch viele Verdachtspunkte, an denen ein Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg vermutet wird. Nach der Statistik des Ordnungsamtes bestätigt sich der Verdacht etwa in jedem dritten Fall tatsächlich. Die Fliegerbomben, die alliierte Flugzeuge im Zweiten Weltkrieg abwarfen, erwiesen sich oft als Blindgänger. Brüggenthies hat von Experten gehört, dass etwa 30 Prozent der britischen und sogar bis zu 40 Prozent der US-amerikanischen Bomben nicht explodierten.

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Etwa 400 Entschärfungen seit den 70er Jahren

Seit den 70er Jahren hat es allein in Bergkamen etwa 400 Bombenentschärfungen gegeben. Auf Luftbildern, die von den alliierten Aufklärungsflugzeugen nach den Angriffen geschossen wurden, sind noch viel Verdachtspunkte zu sehen. Es kommen immer mehr hinzu: zum Teil, weil die Luftbildauswertung besser geworden ist, zum Teil, weil immer noch neue Bilder auftauchen.

Der Trost für die Bergkamener: In NRW hat es beim Entschärfen noch nie einen Unfall gegeben.

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