In Bergkamen soll eines Tages die gesamte benötigte Energie aus regenerativen Quellen auf dem Stadtgebiet erzeugt werden. Damit der Plan Wirklichkeit wird, müssen sich auch die Bürger engagieren.

Bergkamen

, 14.10.2019, 17:10 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Stadt Bergkamen hat sich zum Ziel gesetzt, in ferner Zukunft den gesamten Energiebedarf in der Stadt aus sogenannten regenerativen Energien zu decken. Das ist Energie, bei der die Energiequelle immer wieder nachwächst, anders als Erdöl oder Kohle. Energieerzeugung aus Sonne, Wind und Erdwärme hat zudem den Vorteil, dass dabei kein klimaschädliches Kohlendioxid (CO2) entsteht – das Gas, das vor allem für den Klimawandel verantwortlich gemacht wird.

Bis die Stadt diese ehrgeizigen Pläne umgesetzt hat, wird noch viel Zeit vergehen. Das weiß auch der erst kürzlich neu bestellte Umweltbeauftragte Norman Raupach. Wenn die Stadt ihre Pläne umsetzen will, müssen auch die Bürger mitziehen. Dazu muss die Stadt sie erst einmal davon überzeugen, dass es richtig ist, in klimaneutrale Energieerzeugung zu investieren.

Bergkamen soll Energie umweltfreundlich komplett selbst erzeugen

Das Windrad in der Nähe der Hansastraße ist eine von nur zwei Windenergieanlagen auf Bergkamener Stadtgebiet. Viel mehr Platz für Windräder gibt es nicht. © Stefan Milk

Windenergie aus Bergkamen wird keine große Rolle spielen

Eines ist dabei klar: Windräder, die in der Öffentlichkeit eine Art Symbol für die Energiewende sind, werden dabei keine große Rolle spielen. In Bergkamen gibt es kaum Stellen, an denen die genehmigt werden können. Dazu ist die Stadt zu dicht besiedelt. Stattdessen setzt die Stadt auf Fotovoltaik, auf das Dämmen von Gebäuden und die sogenannte Geothermie, das Nutzen von Erdwärme um Gebäude zu beheizen.

Stadt will mit gutem Beispiel vorangehen

Um die Bürger zu überzeugen, dass Investitionen in regenerative Energien sinnvoll sind, will sie selbst mit gutem Beispiel vorangehen, wie Raupach sagt. Sie prüft unter anderem, wo sie auf ihren eigenen Gebäuden Fotovoltaikanlagen installieren kann und wo sich weitere Maßnahmen zur Wärmedämmung anbieten.

Dabei erweist sich das Bergkamener Rathaus einmal mehr als energetisch besonders ungünstiges Gebäude. Die Energieverluste sind aufgrund der schlechten Dämmung auch trotz neuer Heizungsanlage hoch. Und Platz für Fotovoltaikanlagen bietet das Flachdach des Gebäudes auch nicht. „Dafür ist es schon mit zu vielen anderen Nutzungen belegt“, erklärt Raupach. Das soll sich ändern, wenn das Gebäude wie geplant komplett saniert und umgebaut oder abgerissen und neu gebaut wird.

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Beratung für Hauseigentümer

Gleichzeitig soll es eine intensivere Beratung für Hauseigentümer geben, die sich für Dämmung und die Installation von Photovoltaikanlagen oder die Nutzung von Erdwärme interessieren. Es gibt schon seit einer ganzen Zeit ein Solarkataster online, in dem Hauseigentümer nachschauen können, wie gut sich ihr Haus für eine Fotovoltaikanlage eignet. Darüber hinaus soll die Verbraucherzentrale eine regelmäßige Beratung anbieten und dabei zeigen, welche Förderprogramme bereitstehen.

Raupach ist davon überzeugt, dass sich die Investition in Fotovoltaik auch für Private lohnt. Sie können die Stromerzeugung und die Warmwasserbereitung über die Anlage kaufen lassen und Strom-Überschüsse gegen Geld ins Stromnetz einspeisen.

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Solaranlagen an der Autobahn

Die Stadt will auch prüfen, ob sich großflächig Solaranlagen entlang der beiden Autobahnen installieren lassen, die sich im oder am Stadtgebiet befinden. In einem bestimmten Abstand von den Autobahnen könnte das in bestimmten Bereichen möglich sein. Dort störten solche Anlagen die Landschaft nicht so sehr, meint Raupach. Sie sei dort ohnehin von der Autobahn geprägt. Fast überall in Bergkamen ist es auch möglich, Erdwärme für das Heizen von Gebäuden zu nutzen. Vor allem bei Sonden, die 100 Meter tief herab reichen, ist die Ergiebigkeit außer in Rünthe und Teilen von Overberge gut.

Bergkamen soll Energie umweltfreundlich komplett selbst erzeugen

Über solche Wärmetauscher soll die Wasserstadt mit Heizenergie aus dem Grubenwasser versorgt werden. © picture alliance / Uwe Anspach/d

Heizenergie aus dem Grubenwasser

Raupach weist darauf hin, dass geplant ist, die gesamte Wasserstadt mit Energie aus dem Erdinnern zu versorgen. Dazu will die Stadt das Grubenwasser nutzen, das auf der ehemaligen Zeche Haus Aden zutage gefördert wird. Die Wärme des Wassers soll über Wärmetauscher für die Gebäudeheizung genutzt werden.

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