Im Rahmen des Fußverkehrs-Check bot die Stadt eine Ortsbegehung in Oberaden an. Die Fußgänger äußerten Wünsche und machten ihrem Ärger Luft. Und deckten einige Unstimmigkeiten auf.

09.10.2019, 12:23 Uhr / Lesedauer: 2 min

Was soll denn ein Zebrastreifen vor der Feuerwehr? Diese und weitere Fragen stellten sich die Teilnehmer des zweiten Fußverkehrs-Check in Oberaden. Am ersten Haltepunkt an der Oberadener Feuerwehr standen die Fußgänger recht lange, um zu diskutieren. Sie waren sich einig, dass der Fußgängerüberweg nicht nur an der falschen Stelle angelegt wurde, sondern auch schon recht abgenutzt und für Autofahrer schlecht zu erkennen ist.

Mittlerweile sei vorgeschrieben, dass neu gebaute Überwege beleuchtet sein müssen, erklärt Bezirksbeamtin Petra Maschewski, die ebenfalls mitläuft. „Noch besser wären Blinklichter, damit auch der letzte den Zebrastreifen sieht.“ Sinnvoller wäre ein Zebrastreifen weiter nördlich an der Jahnschule.

Die Gruppe läuft die Jahnstraße am Dienstagabend entlang und macht dabei mehrere Stopps. Mit dabei sind, wie schon vergangene Woche in Rünthe Lara Wohland von der Planersocietät und Wiebke Weltring vom Zukunftsnetzwerk Mobilität. Sie begleiten das geförderte Projekt und werden im Anschluss ein Maßnahmenpaket für die Stadt erarbeiten.

Mitten in der Kurve über die Straße? An der Jahnstraße ist es so gedacht

Ein Fußgängerüberweg direkt vor der Feuerwehr statt vor dem Kindergarten. Er würde an anderer Stelle mehr Sinn machen. © Claudia Pott

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Für einen Moment blind sein

Alles was die Fußgänger loswerden, wird genau notiert. Ob ihre Wünsche umgesetzt werden, entscheidet letztendlich die Politik. Doch die Bürger nutzen ihre Chance und äußern Wünsche. Und nicht nur ihre, sondern auch Wünsche von körperlich benachteiligten Personen werden berücksichtigt. „Es ist beeindruckend, wie einem schon eine leichte Schräge ins Ungleichgewicht bringt. Schon an Hauseingängen“, sagt Ralf Möllmann, der testweise einen Rollator schiebt und sich in die Lage eines älteren Menschen versetzt.

Es ist beeindruckend, wie einen schon eine leichte Schrägung ins Ungleichgewicht bringt.
Ralf Möllmann

„Im Rollstuhl ist es noch schlimmer. Vor allem, wenn die Person nicht still sitzt, sondern sich zu einer Seite neigt“, sagt Michaela Strunk. Sie ist Mitglied im Behindertenbeirat und weiß, dass schon kurze Wege zur Herausforderungen für Rollstuhlfahrer bzw. Schiebende werden können. „Für uns ist das kein Neuland.“

Auch in die Lage von Sehschwachen und Blinden versetzen die Teilnehmer des Checks sich an einer Verkehrsinsel.

„Das war sehr unangenehm“, sagt Barbara Reese, die sich mit einem Blindenstock über eine Verkehrsinsel getastet hat. Auch Brillen, mit denen man schlechter sehen kann, verteilen die Organisatoren.

„Verkehrsinseln sollten sowohl eine Rillenplatten als Orientierung für Blinde als auch eine Absenkung für Kinderwagen und Rollatoren haben“, erklärt Lara Wohland. An der Jahnstraße hat sie einige Verkehrsinseln entdeckt, die keine durchgehende Rillen haben. Blinde könnten die Flächen verfehlen und die Insel verpassen.

Mitten in der Kurve über die Straße? An der Jahnstraße ist es so gedacht

Gefährliche Stelle: Mitten in der Kurve lädt eine Öffnung (links) zum Überqueren ein. © Claudia Pott

Mitten in der Kurve über die Straße? An der Jahnstraße ist es so gedacht

Ralf Möllmann und Michaela Strunk testen das Spazieren gehen mit Rollator. © Claudia Pott


Es ist angedacht, in der Kurve über die Straße zu gehen

Wo indes auch Menschen ohne Sehschwäche Probleme haben, ist die Kurve an der Volksbank. Gegenüber der Bank lädt eine Öffnung auf der anderen Straßenseite Fußgänger ein, die Straße zu überqueren. „Das muss zugemacht werden. Da sollte kein Durchgang sein“, sagt Maschewski.

Zwar ist an der Stelle kein markierter Überweg, aber durch die Öffnung ist das Überqueren offensichtlich angedacht. „Sie sollte hinter oder vor der Kurve sein.“ Auch ein Gebüsch an der Kurve erschwert die Sicht. Büsche dürften nicht höher als 60 Zentimeter sein, damit etwa Kinder noch gesehen werden, erklärt Wiebke Weltring. An dieser Stelle ist der Busch deutlich höher als 60cm.

Abschlussworkshop


Ende des Fußgänger-Checks

Nach einer Einführung und zwei Ortsbegehungen, wird es am Donnerstag, 14. November, im Treffpunkt an der Lessingstraße einen Abschlussworkshop geben. Interessierte sind ab 17 Uhr dort willkommen.

Die Jahnstraße bietet viel Potenzial, fußgängerfreundlicher zu werden. Sobald sie keine Landesstraße mehr ist – was eintrifft, wenn die Umgehungsstraße L 821n gebaut ist – kann die Stadt dort theoretisch tätig werden. Auch eine kleine Flaniermeile mit Sitzmöglichkeiten und kleinen Spielzeugen schlagen die Planer für den Bereich am Penny und Aldi vor. Eine lange, durchgehende Insel könnte den Fußgängern dort das Überqueren erleichtern.

Aus den eigenen Vorschlägen und den Ideen der Bürger werden die Organisatoren nun ein Maßnahmenpaket mit Empfehlungen ausarbeiten. „Wir stoßen einen Prozess an“, sagt Wiebke Weltring. Was letztendlich wann umgesetzt wird, entscheidet die Politik. Und die war am Dienstag auch vor Ort.

Mitten in der Kurve über die Straße? An der Jahnstraße ist es so gedacht

Die Fußgänger gingen als Blinde über die Straße. Das war nicht einfach. Die Verkehrsinsel sollte durchgängig Rillen aufweisen. © Claudia Pott

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