In Bergkamen ist es unwahrscheinlich, Opfer einer Straftat zu werden. Die Stadt ist einer der friedlichsten Orte im Kreis. Das ist auch ein Erfolg von Polizei und Ordnungsdienst.

Bergkamen

, 13.06.2019 / Lesedauer: 4 min

Wer sich mit den Bergkamener Bezirksbeamten der Polizei unterhält, der erfährt erstaunliches: Die Stadt, die in der Nachbarschaft in dieser Beziehung immer noch einen schlechten Ruf hat, sei sehr friedlich, sagen die Beamten. Wer sich, egal zu welcher Tageszeit, durch Bergkamen bewegt, kann sich sicher fühlen. Selbst bei Großereignissen wie dem Hafenfest kommt es so gut wie zu keinen Zwischenfällen.

Nur ein Vorfall während des gesamten Hafenfestes

„Wir hatten während des Hafenfestes nur einen Vorfall“, bestätigt Sonja Wundrock, die Leiterin des Bezirks- und Schwerpunktdienstes (BSD), der seinen Sitz in der Wache am Wiehagen hat. Während des gesamten Hafenfestes habe es nur eine Rangelei gegeben, sagt Wundrock. Eine kleine Auseinandersetzung zwischen Menschen, die etwas zu viel getrunken hatten – erstaunlich bei einem Ereignis, bei dem über drei Tage immerhin zwischen 60.000 und 80.000 Menschen kamen. Auch bei anderen Anlässen wie der Frühjahrs- oder der Herbstkirmes komme es kaum noch zu Vorfällen, bestätigt die Polizeihauptkommissarin.

Bergkamen ist viel friedlicher als sein Ruf

Sonja Wundrock und der Bezirksbeamte Volker Meyer, der für den Osten von Bergkamen zuständig ist, bei einer Kontrolle. Die Polizei kontrolliert auch zusammen mit dem Ordnungsdienst gezielt Bereiche, in denen es zu Problemen kommt – in Bergkamen offenbar mit Erfolg. © Stefan Milk

Bergkamen hat immer noch einen ungerechtfertigt schlechten Ruf

Dabei hatte Bergkamen als ehemalige Bergbau- und Industriestadt jahrzehntelang einen ganz anderen Ruf und wurde in den Nachbarstädten mit einem gewissen Argwohn betrachtet. Bergkamen galt als Stadt mit einer großen Dichte an Rabauken. Straftaten, insbesondere Körperverletzungen kamen wohl auch tatsächlich häufiger vor als in den Nachbarstädten.

Bergkamen ist viel friedlicher als sein Ruf

Auch die Turmarkaden, die bald abgerissen werden sollen, waren einmal Schwerpunkt-Einsatzgebiet von Polizei und Ordnungsdienst. © Marcel Drawe

Auch die Statistik bestätigt, dass die Stadt friedlich ist

Daran könne sie sich auch noch erinnern, sagt Wundrock. Jetzt jedoch passen Ruf und Realität nicht mehr zusammen. Auch nach der polizeilichen Kriminalstatistik ist die Stadt ein ausgesprochen friedliches Pflaster, auch im Vergleich zum ebenfalls recht friedlichen Kreis Unna. Zwar weist die Statistik der Polizei keine „Kriminalitätshäufigkeitsziffer“ für einzelne Kommunen aus. Aber die nach der Formel „Straftaten mal 100.000 geteilt durch die Einwohnerzahl“ dürfte in Bergkamen bei 2602 angezeigten Straftaten bei etwa 5200 liegen. Damit ist sie deutlich niedriger als im gesamten Bereich der Kreispolizeibehörde Unna (Kreis Unna ohne Lünen), die eine Kriminalitätskennziffer von 5911 aufweist und als im gesamten Land NRW mit 5911. Auch der direkte Vergleich von Bergkamen (rund 50.000 Einwohner) beispielsweise mit der etwas kleineren Nachbarstadt Kamen (rund 44.000 Einwohner) bestätigt die Zahlen. In Kamen weist die Statistik für 2018 insgesamt 2791 Straftaten aus, allerdings bei ebenfalls deutlich rückläufiger Tendenz. Selbst die Wohnungseinbrüche sind deutlich zurückgegangen.

Bergkamen ist viel friedlicher als sein Ruf

Die Polizeiwache am Wiehagen ist der Stützpunkt des Bezirks- und Schwerpunktdienstes der Polizei, nicht nur für Bergkamen. Der Empfang ist von 8 bis 16 Uhr ständig besetzt. © Stefan Milk

Erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Polizei und Stadt

Die Kriminalhauptkommissarin führt die Ruhe in Bergkamen auch auf die erfolgreiche Zusammenarbeit der Bezirksbeamten mit dem Ordnungsdienst der Stadt und dem Streetwork zurück. Die Beamten haben immer wieder zusammen mit den Ordnungshütern und den Jugendbetreuern sogenannte „Angsträume“ aufgesucht. Das sind Stellen im Stadtgebiet, an denen sich eine Szene zusammenrottete, die Passanten oft Angst machte.In der Vergangenheit gehörte beispielsweise der Wasserpark oder das Umfeld der Turmarkaden zu solchen Angsträumen. Seit etwa 2009 sei es mit vereinten Kräften gelungen, diese Stellen im Stadtgebiet zu befrieden, sagt die Kriminalhauptkommissarin.

Bergkamen ist viel friedlicher als sein Ruf

Der Wasserpark, hier noch mit dem inzwischen abgerissenen City-Wohnturm im Hintergrund, war früher ein Angstraum. Mittlerweile ist der Bereich befriedet. © Stefan Milk

Struktur der Stadt hat sich geändert

Hinzu kommt allerdings auch, dass sich die Struktur von Bergkamen in den vergangenen Jahren deutlich geändert hat. Aus der einst größten Bergbaustadt Europas ist mittlerweile zu einem großen Teil eine ruhige Wohnstadt geworden, aus der die meisten Arbeitnehmer zur Arbeit auspendeln. Eine Kneipenszene gibt es nicht und auch die letzte Diskothek ist bereits vor einigen Jahren in eine Nachbarstadt umgezogen. Dadurch fallen Vorfälle weg, die typisch sind, wenn sich junge Leute alkoholisiert auf den Heimweg machen wie Rangeleien oder kleinere Sachbeschädigungen. Auch Brennpunkte wie den City-Wohnturm gibt es nicht mehr. Die Stadt hatte das Gebäude, das immer wieder für Probleme sorgte, im Jahr 2000 für unbewohnbar erklärt. Mittlerweile ist es abgerissen.

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Polizei hat ein Auge auf neue Problempunkte

Wundrock will zwar auch bei Bergkamen nicht unbedingt von einer Insel der Seligen sprechen. Es gebe immer mal wieder eine Stelle, an der sich eine bestimmte Szene breit macht, die bei Bürgern Ängste verursacht. Polizei und Ordnungsdienst bemühen sich dann, die Situation schnell wieder zu entschärfen.

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