„Bergkamen ist nicht Chicago“

Neue Kriminalitätsstatistik

Entgegen aller möglichen Befürchtungen: „Bergkamen ist nicht Chicago.“ Und die Gesamtkriminalität ist sowohl im Bereich der Kreispolizeibehörde als auch in Bergkamen weiter rückläufig.

Bergkamen

, 11.10.2018, 14:31 Uhr / Lesedauer: 2 min
„Bergkamen ist nicht Chicago“

Das Risiko, in Bergkamen Opfer einer Straftat zu werden, ist rein statistisch gesehen deutlich geringer als im gesamten Bundesland. © Stefan Milk

Sagt Frank Kujau, Direktionsleiter Kriminalität bei der Kreispolizeibehörde. Er stellte die Kriminalitätsstatistik 2017 für Bergkamen während der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Familie, Soziales, Gesundheit und Soziales vor. Der Rückgang der Gesamtkriminalität sei keine besondere Situation: „Das beobachten wir landesweit.“

Sogar die Zahl der Wohnungseinbrüche in Bergkamen konnte auf insgesamt 103 Fälle reduziert werden, der hohe Versuchsanteil bei den Wohnungseinbrüchen spreche für eine wirksame Präventionsarbeit, sagt Kujau. Dennoch bleibe der „Wohnungseinbruchdiebstahlbereich“ Schwerpunkt der polizeilichen Maßnahmen.

Das Risiko, in Bergkamen Opfer einer Straftat zu werden, sei rein statistisch gesehen deutlich geringer als im gesamten Bundesland, erklärte der Direktionsleiter darüber hinaus. Selbst wenn es um den Bereich der Straßenkriminalität geht, kommen Raubüberfälle, Körperletzung und Sachbeschädigungen noch seltener vor als beispielsweise vor fünf Jahren. Zwar zählt die Kriminalitätsstatistik für 2017 insgesamt 613 Fälle, 25 Fälle mehr als noch im Jahr zuvor, doch auch diese Zahlen sind laut Kujau insgesamt rückläufig. Selbst wenn das Empfinden der Bürger oft ein anderes sei, wie der Experte bestätigte, die Fallzahlen sind auch im Bereich der Gewaltkriminalität – sexuelle Nötigung und gefährliche Körperverletzung – in Bergkamen relativ niedrig. Insgesamt kam es 2018 zu 87 Übergriffen, ein Jahr zuvor zählte die Polizei noch 102.

Wohnungseinbrüche zählen zu den Schwerpunkten der Polizeiarbeit. 103 Fälle zählt die Statistik für 2017 in Bergkamen, 2016 waren es 150, 2014 165. Selbst wenn die Zahl der Einbrüche leicht zurückgeht: „Prävention ist wichtig“, sagt Kujau, die Bürger sollten nach wie vor achtsam sein. Ungefähr die Hälfte aller Einbrüche erfolgten tagsüber, nach wie vor sei es unerlässlich, ungewöhnliche Beobachtungen der Polizei mitzuteilen. „Kein Anruf ist zuviel,“ so Kujau. Ebenso wenig wie die Mühe, sein eigenes Hab und Gut zu sichern: „Profis fangen gar nicht erst an, wenn sie entdecken, dass sie nicht innerhalb von fünf Minuten in ein Haus oder eine Wohnung gelangen.“

Eine Steigerung von fast 100 Prozent stellten die Beamten allerdings im Bereich der Betrugskriminalität fest, in deren Rahmen vor allem ältere Menschen zu Schaden kamen. Fielen unter anderem dem Enkeltrick 2016 noch 14 Bürger zum opfer, waren es 2017 schon 22. Niemand könne sagen, das passiert mir nicht, erklärte Frank Kujau dazu: „Das, was überwiegend Senioren am Telefon erzählt wird, hat Hörspielqualität, vor der kaum jemand sicher ist.“

Eine weitere traurige Tatsache wollte er ebenfalls nicht verheimlichen: Bei Überfällen und Auseinandersetzungen sei es immer öfter an der Tagesordnung, dass die Täter ein Messer mindestens in der Tasche hätten. Mit Blick auf die von der CDU angesprochene Bergkamener Polizeiwache, die nicht rund um die Uhr besetzt sei: „Es ist ganz klar, wir haben ein Personalprobleme,“ gab Kujau zu. Aber: Wer nicht in der Wache sitzen muss, sitzt dafür im Streifenwagen. „Und wenn in Weddinghofen eine Straftat geschieht, nutzt die Wache in Mitte erst mal nichts.“

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