Die Ost-Ampelmännchen aus der ehemaligen DDR kennt inzwischen fast jeder. Auch in Bergkamen soll es demnächst spezielle Ampelmännchen geben – und zwar solche, die zur Stadtgeschichte passen.

Bergkamen

, 12.11.2018, 15:51 Uhr / Lesedauer: 3 min

Wenn Bergkamener die Straße überqueren wollen, geben ihnen bald Bergleute oder Römer das Signal, ob sie warten müssen oder gehen dürfen. Die SPD-Fraktion hat für die nächste Ratssitzung den Antrag gestellt, die bisherigen Ampelmänner nach dem gängigen Eurosymbol durch einen Bergmann oder einen Römer zu ersetzen. „Beide Figuren haben einen Bezug zur Stadtgeschichte“, sagt der SPD-Fraktionsvorsitzende Bernd Schäfer. Der SPD-Antrag zielt allerdings nicht darauf ab, die Männchen an allen Ampeln der Stadt auszutauschen. Die Idee soll nur an einigen ausgewählten Stellen in der Stadt umgesetzt werden, wo viele Menschen die Straße überqueren und wo es auch einen Bezug zum Thema gibt. „An der Fluhme-Kreuzung, wo selten jemand über die Straße geht, hat das wenig Sinn“, sagt Schäfer. Die Römer könnten den Fußgängerverkehr beispielsweise an der Fußgängerampel an der Jahnstraße vor dem Stadtmuseum regeln – und so Besuchern schon einmal ein wenig Appetit auf die Römerausstellung machen.

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Soll es in Bergkamen Ampelmännchen in Form von Bergleuten und Römern geben?

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Bergleute schon in Duisburg

Zumindest was die Bergleute als Ampelmännchen betrifft, haben die Bergkamener Sozialdemokraten kein Urheberrecht auf die Idee. Ampelmännchen mit Grubenhelm und einer Bergmannsleuchte gibt es schon seit einigen Wochen in Duisburg. Dort sollen mehrere Ampeln mit dem Symbol ausgestattet werden. Die Römer, die auf das Römerlager in Oberaden, den Römerpark und die Römer-Ausstellung im Stadtmuseum hinweisen sollen, wären allerdings neu. „Wir haben noch keine Stadt gefunden, die Römer als Ampelmännchen hat“, erläutert Schäfer. Falls der Rat den Antrag erwartungsgemäß mit der SPD-Mehrheit annimmt, soll die Stadt einen Grafiker damit beauftragen, einen römischen Ampelmann zu entwickeln – wahrscheinlich in Form eines Legionärs.

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Ampelmännchen

Die Bergkamener SPD beantragt, Bergmänner und Römer als Ampelmännchen an einigen Bergkamener Ampeln zu installieren. In anderen Städten gibt es schon Ampelfiguren mit lokalem Bezug.
12.11.2018
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Bergkamen. Der Bergmann als Ampelmann hat schon ein Vorbild. In Duisburg ist er an einigen Ampeln zu sehen.© picture alliance/dpa
In der thüringischen Landeshauptstadt Erfurt gibt es beispielweise dieses Ampelmädchen mit Herz zu sehen.© picture alliance / Candy Welz /
Auch der Ampelmann mit Schirm stammt von dort.© picture alliance / Candy Welz /
An der Kreuzung Münsterstraße/Friedhofstraße/Ring in Kamen kommt schon seit einigen Jahren ein Ampelmännchen aus der ehemaligen DDR zum Einsatz.© Borys Sarad
Dieses Ampelmädchen versieht in Hamm ihren Dienst im Straßenverkehr - und für die Emanzipation an der Ampel.© picture alliance / dpa
In Wien und mittlerweile auch in deutschen Städten werben schwule und lesbische Liebespaare für Toeranz. Es gibt übrigens auch ein heterosexuelles Paar. Die Ampeln sorgen auch für mehr Disziplin bei Fußgängern. Es bleiben mehr Menschen bei Rot stehen als an anderen Fußgängerampeln.© picture alliance / Julian Strate
In Bremen regeln die Stadtmusikanten zum Freimarkt den Verkehr. Zum Weihnachtsmarkt gibt es einen Weihnachtsmann, der regelmäig für Fußgängerstaus an der Ampel sorgt.© picture alliance/dpa
In Augsburg zeigt ein Kasperl in der Nähe der Puppenkiste, wann Fußgänger gehen dürfen. Das Rotlicht zeigt übrigens ein normaler Ampelmann.© picture alliance / Stefan Puchne
In Mainz regeln Mainzelmännchen an einer Stelle den Fußgängerverkehr.© picture alliance / Andreas Arnol
In Stuttgart fand der Vorschlag eine Äffle-und-Pferde-Ampelzu installieren keine Gnade bei der Stadt - obwohl ein Fanclub der beiden Figuren 12.000 Unterschriften sammelte.© picture alliance / Bernd Weissbr
Dafür gibt es in Worms passenderweise am Lutherring einen Martin Luther. der zeigt, wann man stehen muss und wann man gehen kann - nach dem Motto "Ich stehe hier ich kann auch gehen".© picture alliance / Jasper Rothfe
In Plauen in Sachsen erinnen Vater und Sohn als Ampelmännchen an den Zeichner Kurt Erich Ohser, der sich als Künstler E. O. Plauen nannte und die Vater- und Sohn-Cartoons schuf. Er brachte sich im Gefängnis um, als ihm die Todestrafe durch den sogenannten "`Volksgerichtshof" der Nazis drohte.© picture alliance / Katrin Mädler

Ost-Ampelmännchen im Westen

Die Idee, die Ampelmännchen individuell zu gestalten, gibt es ebenfalls schon länger. Einige Städte haben beispielsweise das Ost-Ampelmännchen zumindest an einigen Übergängen übernommen. In der Nachbarstadt Kamen weist es Fußgängern schon seit einigen Jahren an der Kreuzung Münsterstraße/Friedhofstraße den Weg. In der Nachbarstadt Hamm kommt schon seit einiger Zeit in einer „Lichtzeichenanlage“ wie Ampeln offiziell heißen, ein Ampelmädchen zum Einsatz. In der thüringischen Landeshauptstadt Erfurt gibt es sogar eine bunte Vielfalt von Ampelmännern und Ampeldamen. An einigen der Ampeln in der Stadt gibt es einen Wandersmann, einen Fußgänger mit Regenschirm oder einen Erstklässler mit Zuckertüte, der anzeigt, wann Fußgänger gehen dürfen und wann sie stehen bleiben müssen.

Hinzu kommt eine ganze Reihe von Städten, die Ampelmännchen mit Bezug zur Stadt haben, wie es auch in Bergkamen geplant ist. In Mainz gibt es eine Mainzelmännchen-Ampel und in Augsburg zeigt ein Kasperl in der Nähe der Nähe der Augsburger Puppenkiste an, dass man gehen darf. Bei Rotlicht kommt ein herkömmliches Ampelmännchen. Und in der Stadt Plauen in Sachsen gibt es Ampeln mit Vater- und Sohn-Motiven. Sie erinnern an den Zeichner Kurt Erich Ohser, der sich den Künstlernamen E. O. Plauen gab. In Worms gab es im Luther-Jahr eine Luther-Ampel (Motto: „Hier stehe ich – Ich kann auch anders“) und in Trier Karl-Marx-Ampeln.

Beim Römer stehen, beim Bergmann gehen

Römer, die sich auf den Weg zum Stadtmuseum machen, könnten an der Jahnstraße bald von ihresgleichen über die Straße geleitet werden. Germanen als Ampelmännchen sind nicht vorgesehen. © Marcel Drawe

Toleranz an der Ampel

In Wien werben seit dem Eurovision Song Contest (ESC) hetero- und homosexuelle Ampelpärchen um Toleranz - ein Motiv, das auch Frankfurt und Hamburg an einzelnen Ampeln übernommen haben.

In Bremen gibt es temporäre Ampel-Installationen: An dem Ampeln zum Freimarkt – einem großen Jahrmarkt – ersetzen die Bremer Stadtmusikanten das Ampelmännchen. Auf dem Weg zum Weihnachtsmarkt gab es eine Ampel mit dem Weihnachtsmann. Zeitweise konnte man kaum über die Ampel gehen, weil viele Passanten stehen blieben, um den roten und grünen Weihnachtsmann zu fotografieren. Das wäre der SPD in Bergkamen sogar ganz recht, wie Schäfer sagt. „Die Ampelmännchen sollen so etwas wie ein Eye-Catcher sein – das würde bedeuten, dass sie ihre Funktion erfüllen.“

Beim Römer stehen, beim Bergmann gehen

Emanzipation an der Ampel: In Hamm gibt es eine Lichtzeichenanlage mit Ampelmädchen. © picture alliance / dpa

Behörden stellen sich quer

Nicht in allen Fällen durften Ampelmännchen so einfach durch ein anderes Motiv ersetzt werden. Hameln zum Beispiel musste um seine Rattenfänger-Ampel kämpfen. Das niedersächsische Verkehrsministerium bezeichnete den Ratsbeschluss, den Rattenfänger als Ampelmann einzuführen, im Frühsommer als „nicht rechtens“. Im Laufe des Sommers fanden aber offenbar auch die Ministerialbeamten in Hannover ihre Toleranz wieder und erklärten sich bereit, den Rattenfänger zu dulden.

Weniger Erfolg hatte ein Verein in Stuttgart, der beantragte, eine Ampel mit den regionalen Symbolfiguren „Äffle und Pferdle“ (Affe und Pferd) zu bestücken. Die Stadt Stuttgart lehnte ab, obwohl der Fanclub sogar 12.000 Unterschriften gesammelt hatte.

Unterschiedliche Ampelmännchen

  • Für Fußgängerampeln gab es unterschiedliche Gestaltungsversuche.
  • Anfangs gab es auch Anlagen, an denen die Worte „Warten“ und „Gehen“ aufleuchteten.
  • Mit der Zeit setzten sich die Figuren als Symbol durch. Die EU ist schon seit einiger Zeit bemüht, die Figuren durch das „Euromännchen“ europaweit zu vereinheitlichen.
  • Die anders gestalteten Figuren haben übrigens nicht nur einen touristischen Effekt. In Wien stellten Verkehrsforscher fest, dass an den Ampeln mit den Liebespaaren rund 20 Prozent weniger Menschen bei „rot“ über die Straße gehen.
  • Sie führten das auf den Überraschungseffekt und die größere Leuchtkraft zurück.
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