Ein Beichtstuhl bietet Gläubigen die Möglichkeit, ihre Beichte einigermaßen anonym abzulegen. In Zeiten von Corona ist das nicht möglich. © picture alliance / dpa
Katholische Kirche

Beichtstuhl ist wegen Corona tabu – aber es gibt andere Wege, die Sünden zu bekennen

Für gläubige Katholiken ist die Beichte ein wichtiges Sakrament. Auch in Zeiten der Pandemie. In den Beichtstuhl dürfen sie derzeit nicht. Das macht es für Sünder schwierig, anonym zu beichten.

Im Beichtstuhl hat Pfarrer Thorsten Neudenberger aus der katholischen Gemeinde Heilig Geist schon recht lange nicht mehr gesessen. In Zeiten der Corona-Pandemie verbietet sich dieser Ort, an denen sich Beichtvater und Beichtender ziemlich nahe kommen. Aber das bedeutet nicht etwa, dass die Bergkamener Katholiken ihre Sünden nicht mehr vor einem Priester bekennen können.

„Gerade vor Weihnachten habe ich einige Beichten gehört“, berichtet Neudenberger.

Er hat sich dazu mit dem Beichtenden in die Alltagskapelle der Elisabeth-Kirche begeben. Dort ist Platz genug, damit Priester und Sünder Abstand von einander halten können. Außerdem tragen beide eine Mund-Nasen-Maske.

Im Beichtstuhl weiß der Pfarrer nicht, wer beichtet

Eines allerdings ist bei dieser Form der Beichte nicht gewährleistet: Die Anonymität. Im Beichtstuhl hingegen weiß der Pfarrer nicht so genau, wer ihm seine Sünden bekennt. Beichtvater und -kind trennen ein Gitter. „Wenn er dann noch leise spricht, erkennt man ihn nicht“, sagt Neudenberger. Diese Möglichkeit besteht allerdings schon nicht mehr, seitdem die Kirchen nach dem ersten Lockdown im Frühjahr wieder Gottesdienste feiern dürfen, aber die Abstandsregeln in ihren Kirchen einhalten müssen.

Pfarrer Thorsten Neudenberger begibt sich mit dem Beichtenden in die Alltagskapelle der Elisabeth-Kirche. © Borys Sarad © Borys Sarad

Die meisten Gläubigen stört es nicht, bei der Beichte von Angesicht zu Angesicht mit dem Pfarrer zu sitzen, sagt Neudenberger. Sie können sich darauf verlassen, dass er ihre Sünden für sich behält.

Beichtgeheimnis darf in keinem Fall gebrochen werden

„Das Beichtgeheimnis gilt absolut“, erläutert Neudenberger. Ein Priester darf unter gar keinen Umständen offenbaren, was ihm bei der Beichte anvertraut wird. Das gilt auch für schwere Straftaten. Allerdings kann ein Beichtvater einem Sünder schon auffordern, sich zu stellen oder den angerichteten Schaden wieder gutzumachen, sagt Neudenberger, ohne dabei auf konkrete Einzelfälle einzugehen.

Wer etwas wirklich Gravierendes zu beichten hat, möchte das möglicherweise nicht unbedingt bei einem Pfarrer tun, dem er regelmäßig begegnet. „Jeder hat das Recht, sich seinen Beichtvater auszusuchen“, sagt Neudenberger. Und dabei ist man auch nicht auf die eigenen Gemeinde beschränkt. Ein gewisses Maß an Beichtanonymität gewähren so genannte „Beichtzentren.“ Davon gibt es auch eines in der Bergkamener Nachbarschaft: Das Kapuziner-Kloster in Werne, in dem mehrere Mönche bereitstehen, um die Beichte abzunehmen.

Über den Autor
Redaktion Bergkamen
1967 in Ostwestfalen geboren und dort aufgewachsen. Nach Abstechern nach Schwaben, in den Harz und nach Sachsen im Ruhrgebiet gelandet. Erst Redakteur in Kamen, jetzt in Bergkamen. Fühlt sich in beiden Städten wohl.
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Johannes Brüne
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