Die Eigentümer in den geräumten Häusern müsse damit rechnen, dass die Behörden ihren Antrag auf Wiedereinzug ablehnen. Die Stadt signalisiert Gesprächsbereitschaft.

Bergkamen

, 14.08.2019 / Lesedauer: 3 min

Die Eigentümer der Wohnungen in den geräumten Häusern können nicht damit rechnen, dass sie schon in den nächsten Tagen in ihre Wohnungen zurück können. Die Frist, die sie der Stadt Bergkamen über ihren Hausverwalter gesetzt haben, wird wohl auf jeden Fall verstreichen. „Tendenziell“ würden die Brandschutzexperten der Stadt und des Kreises Unna den Antrag wohl ablehnen, teilte der Bergkamener Baudezernent Dr. Hans-Joachim Peters auf Anfrage mit.

Behörden lassen Frist verstreichen

In dem Antrag, den die Hausverwaltung in der vergangenen Woche eingereicht hatte, ist den Behörden eine Frist gesetzt: Wenn dem Antrag auf Aufhebung der Ordnungsverfügung nicht bis zu diesem Mittwoch stattgegeben wird, wollen die Wohnungseigentümer vor dem Verwaltungsgericht gegen die Stadt klagen, weil sie die Ordnungsverfügung erlassen hat.

Peters machte deutlich, dass die zuständigen Behörden – die Bergkamener Bauordnung, die Brandschutzstelle beim Kreis Unna und die Feuerwehr – seit dem Eingang des Antrags dabei sind, ihn zu prüfen. Die Prüfung nehme mehr Zeit in Anspruch als die gesetzte Frist. „Die Behörden lassen sich nicht unter Druck setzen“, sagte er.

Möglichkeit, den Antrag nachzubessern

Er geht davon aus, dass der Hausverwaltung und der Verwaltung die Möglichkeit eingeräumt wird, den Antrag so nachzubessern, dass die Behörden die Brandsicherheit der Häuser attestieren können.

Behörden lehnen Antrag der Geräumten wahrscheinlich ab

Die Eigentümer und ihr Brandsachverständiger sind überzeugt, dass sie alles getan haben, um Brandschutzmängel zu beseitigen. © Marcel Drawe

Eigentümer und Verwalter beraten über Klage

Ob sie das Verstreichen der Frist und die voraussichtliche Ablehnung des Antrags automatisch zur Klage der Eigentümer vor dem Verwaltungsgericht führen, konnte eine Vertreterin der Hausverwaltung „immowert 24“ aus Lünen noch nicht sagen. Die Hausverwaltung werde mit dem Eigentümerbeirat darüber beraten, sagte sie.

Die Fronten sind verhärtet

Weitere Gespräche zwischen den Behörden und den Wohnungseigentümern dürften zumindest schwierig sein, denn die Fronten sind verhärtet. Jede Seite wirft der anderen mangelnde Gesprächsbereitschaft vor. Außerdem beklagen die Eigentümer, dass die Behörden noch nicht einmal bereit seien, die mittlerweile getroffenen Maßnahmen vor Ort in Augenschein zu nehmen und zu bewerten.

Der Baudezernent signalisierte jetzt Gesprächsbereitschaft. „Wir wollen gar keine langwierige verwaltungsgerichtliche Auseinandersetzung“, sagte er.

Peters schlägt vor, den bisher eingereichten „Sanierungsentwurf“, wie ihn die Behörden nennen, zu einem Sanierungsplan zu erweitern.

Dezernent schlägt Versuch mit Belüftung vor

Auch zu den Belüftungszügen für die innenliegenden Küchen und Bäder machte Peters einen Vorschlag. Der Brandgutachter der Eigentümer ist davon überzeigt, dass von ihnen keine Gefahr ausgeht. Die Behörden mögen das nicht ohne weiteres glauben. Peters schlägt vor, einen Versuch mit Rauch zu starten. Es gebe Fachfirmen, die das tun könnten. Eine komplette oder teilweise Kostenübernahme durch die Stadt hält er für möglich. Sein Argument: Dann zeige sich, ob die Belüftungsschächte tatsächlich keine Probleme machten.

Für die Bewohner der Häuser ist der kommenden Freitag ein trauriges Jubiläum: Dann dürfen sie schon seit drei Monaten nicht mehr in ihren Wohnungen leben. Für Eigentümer Jörg Suttrop bedeutet das, dass er für seine Mutter weiter woanders eine Bleibe suchen muss. „Sie ist jetzt schon mit den Nerven am Ende“. sagt er.

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