Baumfällaktion im Katastrophenjahr

dzSperren am Beversee

Den Bäumen im Wald geht es schlecht. Revierförster Oliver Stenzel-Franken spricht sogar von einem „Katastrophenjahr“. Mit einer Fällaktion am Beversee will er dafür sorgen, dass sie mehr Raum zum wachsen finden.

Bergkamen

, 11.10.2018, 15:40 Uhr / Lesedauer: 2 min

Roteiche, Stileiche, Pappeln, Eschen und vor allem Schwarz-Pappel-Hybriden werden in diesen Tagen im Wald am Beversee gefällt. Die Durchforstung ist dringend nötig, um den Bäumen, die noch eine Chance haben, zu wachsen und sich zu entfalten, mehr Licht und Raum zu verschaffen.

Lärmbelästigungen

Rund 250 Festmeter werden während der kommenden zwei Wochen abgeholzt. So werde es in dieser Zeit möglicherweise zu Beeinträchtigungen durch verdreckte oder gesperrte Wege kommen. Stenzel-Franken warnt davor, in dieser Zeit die Absperrungen zu missachten oder gar auf den gefällten Stämmen herum zu klettern: „Wenn der Weg zu ist, ist er zu, wer trotzdem die abgesperrten Bereiche betritt, begibt sich unter Umständen in Lebensgefahr.“ Außerdem müssten die Besucher des Waldgebietes hin und wieder mit Lärmbelästigungen rechnen. Doch das sei ja nur vorübergehend.

Und für die Bäume sei diese Durchfrostung des Waldes dringend notwendig. Schon das Wetter im Vorjahr habe den Bäumen nicht gut getan. Doch 2017 sei ein Katastrophenjahr für die den Wald, orakelt der Revierförster. Besonders hart habe es die Eichen getroffen: „Es sind unfassbar viele Eichen, denen es schlecht geht“, sagt Stenzel-Franken. Überall im Wald könne man beobachten, dass in diesem Jahr besonders viele Eicheln auf dem Boden lägen. „Im Grund ist es ein Teufelskreis“, erklärt der Förster. Den Bäumen gehe es schlecht, sie produzieren besonders viele Nachkommen, um ihren Nachwuchs zu sichern, und das koste wiederum viele Energie und schwäche sie weiter. Neben den Eichen habe es in diesem Jahr auch die Fichten ganz besonders schlimm getroffen.

Leidende Laubbäume

Aber in erster Linie litten die Laubbäume unter den extremen Wetterbedingungen und die seit Monaten anhaltenden Trockenheit. Nicht nur Stenzel-Franken rechnet spätestens in zwei bis drei Jahren mit einem massenhaften Absterben des Laubholzes.

Die Wahrscheinlichkeit für Bäume mit bereits jetzt schon kahlen Baumkronen, ganz abzusterben, ist groß. Aber auch viele Jungbäume sterben ab und können die Wälder nicht neu aufforsten. Die Forstwirtschaft befinde sich in diesem Jahr in einer extrem schwierigen Situation, sagt der Förster. Erst der Sturm im Januar, dann die extreme Trockenheit: Der Wald hat Stress und kann sich nicht mehr regenerieren. Nur eine längere Regenperiode über mehrere Wochen könnte helfen, die Wasserreserven wieder aufzufüllen. Es gebe Wissenschaftler, die mittlerweile schon von einem Baumartenwechsel in der Region sprechen, weiß Stenzel-Franken. Buchen, Fichten und Birken, die besonders unter den Auswirkungen der Wetterextreme leiden, könnten von Eichen und Kiefern abgelöst werden. Wenn das hiesige Klima, das dem mediterranen mittlerweile sehr gleicht, bleibe, könne man auch über völlig neue Anpflanzungen nachdenken.

Dier Durchforstung des Waldes am Beversee sollen den Bäumen zumindest, was fehlenden Raum und Licht anbelangt, Erleichterung verschaffen.

Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Weltkindertag im Wasserpark

„Die komplette Palette Bergkamener Jugendarbeit kommt heute hier beisammen“

Meistgelesen