Für Stadtrat und Öffentlichkeit soll es künftiger einfacher sein, die Bautätigkeit der Stadt und deren Kosten nachzuvollziehen: Kämmerer und Baudezernent planen ein Baukosten-Controlling.

Bergkamen

, 28.08.2018 / Lesedauer: 4 min

Wenn die Stadt Baukosten kalkuliert, kann Kämmerer Marc Alexander Ulrich schon nach wenigen Monaten davon ausgehen, dass die Kalkulationen nur noch Makulatur sind. Als die Stadt Anfang des Jahres kalkulierte, wie viel sie für die geplanten Bauprojekte in diesem Jahr ausgeben würde, hatte er schon einen kräftigen Aufschlag mit einkalkuliert.

30 Prozent mehr


Ulrich hatte mit einer Kostensteigerung von 15 Prozent im Laufe des Jahres gerechnet. Mittlerweile weiß er, dass das zu optimistisch war. Mittlerweile geht er davon aus, dass die Baukosten um bis zu 30 Prozent steigen.

Die Stadt hat zwar im Moment Geld für Investitionen und deshalb auch eine ganze Reihe von Bauprojekten geplant. Dieses Geld lässt sich aber nicht beliebig vermehren. Deshalb ist jetzt schon absehbar, dass die Stadt nicht alle Projekte wie geplant durchführen kann. „Wir müssen sehen, was dringender ist und was wir noch einige Zeit zurückstellen können“, erklärt Ulrich. Schuld daran ist die mehr als gute Baukonjunktur. Die Bauhandwerker sind völlig ausgelastet. Auf Ausschreibungen meldet sich zu Teil nur eine Firma, die Interesse hat. Nach dem Prinzip von Angebot und Nachfrage steigen die Preise.

Die Entscheidung, welche Projekte zurückgestellt werden müssen, steht aber noch nicht 2018 an, sondern erst im kommenden Jahr. Noch in diesem Jahr aber wollen der Kämmerer und Baudezernent Dr. Hans-Joachim Peters ein Controlling-Modell vorstellen, dass solche Entscheidungen künftig transparenter macht. Es soll darstellen, wie viele Maßnahmen beschlossen sind, ob sie im Zeitrahmen liegen, ob sie den Förderrichtlinien entsprechen, falls die Stadt von Land oder Bund Zuschüsse bekommt und vor allem, ob sie im vorher kalkulierten Kostenrahmen liegen. Das würde zwar nicht verhindern, dass Maßnahmen zurückgestellt werden müssen, weil die Kosten aus dem Ruder laufen – es würde aber zumindest solche Entscheidungen nachvollziehbarer machen.

Baukosten der Stadt sollen für Bürger transparenter werden

Die Baukosten – wie hier beim Umbau der ehemaligen Kleinschwimmhalle in der Gesamtschule drohen den Kommunen wegzulaufen. Baudezernat und Kämmerei wollen deshalb Kosten und Zeitplan transparenter machen. © Stefan Milk

Schneller Überblick


Die beiden Beigeordneten wollen ein System einführen, das einen einfachen Überblick darüber gibt, welche Maßnahmen wo bei der Umsetzung stehen. Ulrich stellt sich grüne, gelbe und rote Smileys vor. Ist das Gesicht grün, ist alles weitgehend im Plan. Bei einem gelben Gesicht gibt es Probleme und bei einem roten Gesicht ist klar, dass die Maßnahme zumindest nicht in dem geplanten Zeitrahmen umgesetzt werden kann. „Wir wollen, dass eine Verschiebung für die Ratsmitglieder, aber auch für die Bürger greifbar und nachvollziehbar ist“, erläuterte der Kämmerer.

Bergkamen wäre übrigens nicht die erste Kommune, die ein solches System einführt. Es gebe bereits eine ganze Reihe von Vorbildern bei anderen Städten und Gemeinden, sagte Ulrich.

Baukosten der Stadt sollen für Bürger transparenter werden

Die Stadt will beim neuen Bad kein Kostenrisiko eingehen – ganz gleich, ob es ein Cabriodach bekommt oder nicht. © picture alliance / dpa

Fester Betrag für das Bad

Beim größten Investitionsvorhaben der Stadt – dem neuen Schwimmbad – ist die Kostensteigerung wahrscheinlich nicht so dramatisch. Der Schwimmbad-Bau sei ein Sonderfall, der vom Rest der Branche abgekoppelt sei, sagte der Kämmerer. Er geht nur von etwa fünf Prozent Kostensteigerung pro Jahr für die gleiche Leistung aus – ein für ihn noch einigermaßen kalkulierbares Risiko.

Die Stadt will ohnehin darauf drängen, dass das finanzielle Risiko, das sie beim Bau eines neuen Bades eingeht, gedeckelt wird. Falls ein privater Investor das Bad baut und betreibt, will die Stadt lediglich dafür bezahlen, dass die Schulen und Vereine es nutzen. Über den Preis dafür müsse man verhandeln, sagte Ulrich. Das Geld wäre eine Art fester Zuschuss, mit dem der Betreiber jährlich rechnen könnte. Darüber hinaus müsse er das unternehmerische Risiko selbst tragen, machte der Kämmerer deutlich. Dafür sollen Schulen und Vereine außerdem die Schwimmzeiten im neuen Bad bekommen, die sie benötigen.

Wie bereits berichtet, gibt es einen Investor, der grundsätzlich das Interesse hat, das Bergkamener Bad zu bauen. Er ist allerdings noch dabei, die Finanzierung auf die Beine zu stellen und hat sich noch nicht endgültig bei der Stadt um den Bau des Bades beworben.

Die Alternative wäre der Bau durch die Gemeinschaftsstadtwerke (GSW), die bisher die Bäder betreiben. Ulrich geht allerdings davon aus, dass der Bau des Bades dann etwas länger dauert. Der private Investor würde wahrscheinlich schon über den Winter die Planungen vorantreiben und im nächsten Jahr die ersten Maßnahmen folgen lassen.

Beim Konsortialvertrag mit den anderen GSW-Partnern Kamen und Bönen zeichnet sich übrigens eine Lösung ab. Die Bergkamener Kommunalpolitik fordert eine andere Verteilung der Verluste.

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