Die Wasserstadt tritt 2019 von der Planungs- in die Bauphase. Zur Verzögerungen wegen des Baus einer neuen Grubenwasserleitung soll es doch nicht kommen.

Bergkamen

, 20.12.2018 / Lesedauer: 4 min

Spaziergänger, die am Datteln-Hamm-Kanal unterwegs sind, bekommen ab dem kommenden Januar erstmals etwas zu sehen, wenn sie sich auf die Aussichtsplattform am Kanal begeben. Die Stadt hat mittlerweile den Auftrag für die Bodenarbeiten auf dem Gelände der künftigen Wasserstadt an ein Unternehmen vergeben. Die Arbeiten, die wegen der Größe des Auftrags EU-weit ausgeschrieben werden mussten, sollen noch im kommenden Januar beginnen. Die Arbeit, die das Unternehmen auf der ehemaligen Zechenfläche leisten muss, ist gewaltig: das Gelände muss an der Kanalseite angegraben und in Richtung Hamm-Osterfelder-Bahn angeschüttet werden – zum Teil bis zu acht Metern hoch. Der künstliche See, der das zentrale Element der Wasserstadt bilden soll, wird nicht in das ehemalige Zechengelände gegraben, sondern mehr oder weniger rundherum geschüttet. Das ist notwendig, damit der Wasserspiegel die gleiche Höhe hat wie im Datteln-Hamm-Kanal. Hauseigentümer, die ein Boot auf dem See haben, sollen ohne Schleuse auf den Kanal fahren können.

Bau der Wasserstadt soll im Januar beginnen

Etwa eine Viertelmillion Kubikmeter Boden lagert schon auf dem Gelände. Insgesamt wird knapp eine Million Kubikmeter benötigt. © Stefan Milk

Boden in Reserve

Insgesamt wird für die Bodenmodellierung knapp eine Million Kubikmeter unbelasteter Boden gebraucht, den die RAG Montan-Immobilien (RAG MI) nach und nach heranschaffen sollen. Die Bergbau-Tochter hat die Aufgabe übernommen, den Boden zu beschaffen. Auf dem ehemaligen Zechengelände befindet sich bereits etwa eine Viertelmillion Kubikmeter Boden, der für die Modellierung des Wasserstadt-Geländes verwendet werden soll. Der Bodenvorrat soll auch als Puffer dienen, damit die Arbeiten nicht unterbrochen werden müssen, weil kein Boden zur Verfügung steht. Die RAG MI hat das Problem, den passenden Boden in einem relativ kleinen Umkreis zu finden, weil sonst die Transportkosten zu hoch würden.

Bau der Wasserstadt soll im Januar beginnen

Der Förderturm über dem Schacht 1 der ehemaligen Zeche Haus Aden wird überflüssig, wenn die Grubenwasserhaltung umgestellt ist. © Stefan Milk

Drei Jahre Bodenarbeiten

Bürgermeister Roland Schäfer geht davon aus, dass die Bodenarbeiten etwa drei Jahre in Anspruch nehmen. Einen genauen Zeitplan konnte er noch nicht nennen, weil das Unternehmen, das den Zuschlag für die Arbeiten bekommen hat, noch keinen genauen Bauzeitenplan vorgelegt hat.

Wasserhaltung

Neue Pumpen für das Grubenwasser

  • Der Bau der neuen Grubenwasserleitung steht auch in Zusammenhang mit der Genehmigung, dass die RAG das Grubenwasser ansteigen lassen darf. Bisher hält sie es auf einer Tiefe von über 1000 Metern.
  • Die jetzt im Schacht 1 installierten Pumpen, die das Grubenwasser in die Lippe pumpen, sollen in diesem Zuge durch Tauchpumpen ersetzt werden.
  • Sie sollen für Reparatur- und Wartungsarbeiten nach oben gezogen werden,
  • Das Schachtgerüst wird dann für die RAG überflüssig und soll abgerissen werden..

Der Bau einer neuen Grubenwasserleitung vom Schacht Haus Aden 1 zur Lippe verzögert die Arbeiten aber offenbar doch nicht so stark, wie ursprünglich angenommen. Die Planer hatten befürchtet, dass sie ein halbes Jahr zusätzlich rechnen müssen, weil die neue Leitung in dem Bereich verlegt wird. Nach Angaben des Bürgermeisters sind die Arbeiten jedoch so miteinander abgestimmt, dass sie ohne große Zeitverzögerung miteinander koordiniert werden können. „Wir verdichten den Boden, den wir neu aufbringen nicht in allen Bereichen gleichzeitig“, erläuterte Schäfer. Der Boden kann in dem Bereich, in dem die Leitung verlegt wird, schon aufgebracht werden. Die Verdichtung soll erst erfolgen, wenn die neue Leitung verlegt ist. Nach Auskunft des Baudezernats war die Abstimmung mit der RAG sehr aufwendig und hat etwa ein Jahr lang gedauert.

Die Stadt geht davon aus, dass die ersten Grundstücke in der Wasserstadt spätestens 2022 vermarktet werden können. Zur Internationalen Gartenausstellung (IGA) 2027 im Ruhrgebiet soll sie fertig sein.

Bau der Wasserstadt soll im Januar beginnen

Der See in einer Animation. Boote sollen ohne Schleuse auf den Kanal fahren können.

Ausschreibung auch für den See

Im kommenden Sommer soll auch der Bau des künstliche Sees EU-weit ausgeschrieben werden. Bei den Bodenarbeiten wird er zwar schon grob vormodelliert. Den eigentlichen Ausbau, sodass er auch wasserdicht ist, soll ein Unternehmen übernehmen, das darauf spezialisiert ist. Zurzeit liegen die Planunterlagen bei der Bundesanstalt für Wasserbau in Karlsruhe, die von der Höheren Wasserbehörde als Gutachter bestellt wurde.

Die Genehmigungsbehörden schauen bei dem künstlichen See besonders genau hin, weil er direkt mit dem Datteln-Hamm-Kanal verbunden ist. Deshalb muss unbedingt vermieden werden, dass er ein Leck bekommt, über das auch das Kanalwasser auslaufen könnte. Der Boden des Sees muss deshalb mit einer speziellen Tonerde ausgekleidet werden, die absolut wasserundurchlässig ist. Sie kommt auch beim Bau von künstlichen Wasserstraßen wie Kanälen zum Einsatz, erläuterte der Bürgermeister. Der See füllt sich auch nicht über Regenwasser selbst, sondern wird über den benachbarten Kanal gespeist.

Wegen der Verbindung zum Datteln-Hamm-Kanal gelten für den See auch in anderer Hinsicht Sonderregeln. Es darf zum Beispiel kein Regenwasser von Dachflächen oder ähnlichem eingeleitet werden. Das Wasser- und Schifffahrtsamt will keinen Präzedenzfall schaffen, weil Einleitungen in den Kanal eigentlich grundsätzlich verboten sind.

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