Die Volksbank hat Geldautomaten in mehreren Stadteilen in Bergkamen und Kamen. Sie lässt die Standorte in unregelmäßigen Abständen von einem Sicherheitsdienst überprüfen. © Stefan Milk
Automaten-Sprengung

Banken überlegen: Wo sind Standorte für Geldautomaten ungefährlich?

Wenn es darum geht, wie sie ihre Geldautomaten sichern, lassen sich Geldinstitute nicht in die Karten schauen. Mittlerweile überlegen sie, wo sie Automaten aufstellen können, ohne Menschen zu gefährden.

So richtig gerne lassen sich die Sparkassen und Banken in Bergkamen und Kamen nicht in die Karten schauen, wenn es darum geht, wie sie ihre Geldautomaten gegen Automaten-Sprenger schützen. Die Kriminellen, die meist aus den Niederlanden stammen, gehen hoch professionell vor. Trotzdem gelang es ihnen in diesem Jahr bei mehr als der Hälfte der Automatensprengungen in NRW nicht, tatsächlich an das Geld zu kommen.

Die Sparkasse in Bergkamen-Rünthe ist ein solcher Fall. Obwohl Ohrenzeugen hörten, wie zwei Sprengladungen in weniger als einer Minute hochgingen, erbeuteten Kriminellen nichts. Sie verwüsteten jedoch die komplette Filiale, die seitdem mit dicken Spanplatten verrammelt ist. Die Bewohner der Wohnungen über der Sparkassen-Zweigstelle mussten ihr Zuhause vorübergehend verlassen. Sie konnten erst zurück, als ein Statiker sicher war, dass das Gebäude noch standsicher ist.

Die Sparkasse Bergkamen-Bönen hat ihren Automaten in Weddinghofen stillgelegt. Sie fürchtet, dass eine Sprengung dort Menschen in Gefahr bringt. © Stefan Milk © Stefan Milk

Wer sich im Internet umschaut, findet Hinweise auf diverse Sicherungsmaßnahmen gegen die Sprengungen. Es gibt Bilder von Geldautomaten, die im Inneren mit Sprengmatten versehen sind, die den Druck abhalten. Es gibt Vernebelungsmechanismen, die den Raum vernebeln, wenn Gas in die Automaten eingeleitet wird, und es gibt Farbpatronen, die das Geld einfärben, wenn der Automat gesprengt wird und es so scheinbar unbrauchbar machen.

Das alles hilft nicht wirklich gegen die „Plofkrakers“, wie sie im Niederländischen heißen. Sowohl die Sparkassen Bergkamen-Bönen und Unna-Kamen als auch die Volksbank Kamen-Werne, die mittlerweile zur Volksbank Dortmund gehört, und die Commerzbank mit ihrer Filiale in Kamen wollen lieber nicht sagen, wie sie ihre Automaten schützen. „Das ist ein ernstes Thema, bei dem wir uns am Stand der Technik orientieren“, sagt beispielweise Dirk Jäkel von der Commerzbank. Zu den Maßnahmen will er nichts sagen.

Philipp Gärtner von der Volksbank immerhin gibt an, dass die Bank auch einen Sicherheitsdienst einsetzt, der die Geldautomaten-Standorte in unregelmäßigen Abständen kontrolliert. Die Volksbank hat ihren Geldautomaten in Rünthe für Sparkassen-Kunden freigeschaltet. Sie müssen keine Gebühren zahlen, wenn sie dort Bargeld ziehen.

Die Sparkassen-Zweigstelle in Rünthe, in der Kriminelle versucht haben, einen Automaten zu sprengen, ist mit Spanplatten verrammelt. Bei der Detonation waren alle Scheiben zu Bruch gegangen. © Stefan Milk © Stefan Milk

Michael Krause von der Sparkasse Bergkamen-Bönen berichtet, dass das Geldinstitut regelmäßig Risikoanalysen bei den Geldautomaten-Standorten vornehmen lässt. Dabei geht es nicht nur um die Gefahr, dass der Geldautomat gesprengt wird, sondern auch um das Risiko für die Umgebung.

Konsequenz aus der Sprengung in Rünthe war, dass die Sparkasse ihren Geldautomaten an der Schulstraße in Weddinghofen sofort außer Betrieb genommen hat. Er befindet sich ebenfalls in einem Haus, in dem es Wohnungen gibt. Die Gefahr, dass bei einer Sprengung dort auch Unbeteiligte in Gefahr sein könnten, war der Sparkasse zu groß. Sie ist jetzt auf der Suche nach einem ungefährlicheren Standort.

Alle Geldinstitute denken aber nicht darüber nach, Standorte wegen der Sprengungen ganz aufzugeben. Dazu ist der Hunger nach Bargeld bei den Kunden zu groß.

Krause sieht im Grunde genommen, nur eine Chancen den „Plofkrakers“ ihr Geschäftsmodell zu vermiesen: Wenn auch die Deutschen sich wie in den Nachbarländern an den bargeldlosen Zahlungsverkehr gewöhnen. Die Kriminellen aus den Niederlanden sind auf Deutschland ausgewichen, weil es viel mehr Gelautomaten als in ihrem Heimatland gibt. Dort zahlen viel weniger Menschen mit Bargeld.

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Redaktion Bergkamen
Geboren 1960 im Münsterland. Nach dem Raumplanungsstudium gleich in den Journalismus. Mag Laufen, Lesen, Fußball und den BVB ganz besonders. An den Bergkamenern liebt er ihre Offenheit. Die Stadt ist spannend, weil sie sich im Strukturwandel ganz neu erfinden muss und sich viel mehr ändert als in anderen Städten.
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Michael Dörlemann

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