„Balu und Du“ ist ein Mentorenprogramm, bei dem Oberstufenschüler Zeit mit Grundschülern verbringen. Davon könnten schon bald auch Bergkamener Schüler profitieren.

12.04.2019, 15:22 Uhr / Lesedauer: 3 min

Statt Unterricht Eisessen mit einem Grundschüler und statt Facharbeit Online-Tagebuch – das könnte bald für Bergkamener Schüler regelmäßig im Kalender stehen. Die Idee für eine Zusammenarbeit zwischen Schülern der Oberstufe und Grundschulkindern kommt von dem Verein „Balu und Du“. Er hat ein Mentorenprogramm entwickelt, bei dem Oberstufenschüler – die Balus – und Grundschüler – die Moglis – gemeinsam Zeit miteinander verbringen. Was sie bei ihren Treffen tun, gibt der Verein nicht vor. „Sie dürfen tun, was beiden gut tut. Sie sollen eine gute Stimmung erleben“, sagt Geschäftsführer Dominik Esch. Er war diese Woche Gast beim Runden Tisch Bergkamen, der sich zusammengeschlossen hat, um sich für Kinder in der Stadt einzusetzen. Viele Mogli-Balu-Gespanne verfolgen einen roten Faden und machen zum Beispiel gemeinsam das Seepferdchen oder bauen ein Vogelhäuschen, erzählt Esch. Ganz nebenbei sollen die Grundschüler informell lernen – so sollen ihre Balus auf natürliche kindliche Fragen antworten und ihre Moglis auch dazu motivieren, nachzufragen. Oft gehe die natürliche Neugierde von Kindern verloren, „Eltern sind mehr am Handy als Antworten zu geben – das fangen die Ehrenamtlichen auf“, so Esch.

„Balu und Du“ in Bergkamen: Win-Win-Situation für Grundschüler und Paten

Grundschüler finden in ihren Paten Menschen, die sich Zeit für sie nehmen, zuhören, Fragen beantworten und manchmal auch zu Freunden werden. Doch auch für die Oberstufenschüler bringt das Mentorenprogramm

Vorteile mit sich. Die Balus können zwar auch aus der Kirche oder Vereinen kommen, der Königsweg sei laut Esch jedoch, dass Gesamtschüler oder Gymnasiasten an dem Mentorenprogramm teilnehmen. Die Teilnahme an dem Programm kann eine schulische Leistung ersetzen und die Schüler so zur Teilnahme motivieren. Das Projekt könne in den Lehrplan aufgenommen werden und als Kurs mitlaufen – die Treffen mit Grundschülern, Reflexionsstunden und das Führen eines Online-Tagebuchs ersetzen das Schreiben einer Facharbeit, so Esch. Für Schüler, die später im sozialen Bereich arbeiten möchten, kann die Qualifikation zudem auf ihrem beruflichen Weg hilfreich sein.

Dass Programm noch in diesem Schuljahr in Bergkamen ans Laufen zu bekommen, sei laut Esch sehr ambitioniert. Er schlägt vor, stattdessen – zum Beispiel an der Gesamtschule – eine Projektklasse einführen, die das Programm mit einer Grundschule durchführt. Das Einbinden in den Lehrplan sei eher erst im Schuljahr 2020/22 zu schaffen, so Esch. Die Pilotgruppe könne zum Beispiel eine Arbeitsgemeinschaft sein.

„Balu und Du“ – Mentorenprogramm ist auf dem Weg nach Bergkamen

Der Runde Tisch, der sich für Kinder in Bergkamen einsetzt, denkt darüber nach, das Mentorenprogramm „Balu und Du“ in die Stadt zu bringen. © picture alliance/dpa

Gesamtschule und Gerhart Hauptmann Schule könnten erstes Pärchen bilden

Am Runden Tisch war man sich einig, dass ein solches Programm für die Schüler in Bergkamen von Vorteil wäre – und es wurde auch schon eine Idee für eine Partnerschaft laut. Die Ehrenamtlerin Irene Jung hat an der Gesamtschule ein sozialpädagogisches Projekt, bei dem Flüchtlinge von Schülern betreut wurden, geleitet. Das Projekt hat sie am selben Tag, an dem Esch „Balu und Du“ dem Runden Tisch vorstellt, beendet. Sie sei von der zuständigen Lehrerin beauftragt worden, ein neues zu finden. Mit der Gerhart Hauptmann Schule direkt nebenan, könnte auch schon ein passender Partner für eine Kooperation gefunden sein. „Mir fallen da einige Schüler ein“, sagt Schulsozialarbeitern Dagmar Dienerchon. Bereits jetzt kommen Gesamtschüler für Nachhilfe in die Grundschule, was sehr gut funktioniere. Die Schüler würden sich schon immer auf den Besuch freuen. „Das ist ja erfreulich unglaubwürdig“, so Esch.

Eltern lernen den Paten kennen, bevor Mogli und Balu sich alleine treffen

Grundschulen haben bei „Balu und Du“ die Aufgabe, Schüler auszuwählen, um die sie sich Sorgen machen – und das müssten keinesfalls jene sein, die schlechte Noten schreiben, betont Esch. Zudem müssen die Eltern ihr Einverständnis geben, bevor es ans erste Treffen mit dem Paten geht, bei dem neben dem Kennenlernen auch rechtliche Fragen geklärt werden. Die Schule, auf die die Paten gehen, müssen indes einen Koordinator stellen der das Projekt leitet und die Paten eng begleitet – das können Schulsozialarbeiter oder Lehrer sein.

Mentorenprogramm

„Balu und Du“

Das Mentorenprogramm „Balu und Du“ bringt Jugendliche im Alter zwischen 17 und 30 Jahren mit Kindern im Grundschulalter zusammen. Die Mentoren – also die Balus – treffen sich ein Jahr lang mehrmals die Woche mit ihrem Mogli. Balus können Schüler, Studenten oder Vereinsmitglieder sein. Voraussetzung ist, dass sie eng mit den Koordinatoren des Projektes in Verbindung stehen und die Treffen dokumentieren. Sie benötigen außerdem ein polizeiliches Führungszeugnis. Mehr zu „Balu und Du“ gibt es unter www.balu-und-du.de

Der Runde Tisch entscheidet am 11. Juli, ob, „Balu und Du“ nach Bergkamen kommt

Der Runde Tisch will sich nun noch einmal genau über die Finanzierung des Projektes informieren, das im ersten Jahr keine hohen Kosten verursacht, wie Esch erklärt. Auch sind sich die beteiligten Vertreter aus Schule, Kirche, Vereinen, Jugendamt und der Polizei einig, dass die Schüler zusätzlich eine Art Taschengeld brauchen, damit gemeinsamen Unternehmungen wie Ausflüge in den Zoo oder ins Kino nichts im Wege steht. Beim nächsten Treffen am 11. Juli um 18 Uhr – voraussichtlich in der Friedenskirche – wollen sie ihre Pläne ausfeilen. Bis dahin wird in den Schulen intern beraten.

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