Das 50. Gründungsjubiläum hat Bergkamen 2016 ausgiebig gefeiert. Im nächsten Jahr gibt es ein weiteres Jubiläum: Bergkamen ist seit 50 Jahren Musikstadt.

Bergkamen

, 28.12.2018 / Lesedauer: 4 min

Im Jahr 1969 gründeten sich zwei Institutionen, die das Musikleben Bergkamens bis heute bestimmen: Der Bachkreis und die städtische Musikschule. Und beide wollen ihre Jubiläen ausgiebig feiern. Der Bachkreis plant sein Festwochenende am 15. und 16. Juni, wie der Vorsitzende des Fördervereins, Peter Schäfer, berichtet. Geplant ist eine Festveranstaltung in der Schützenheide. „Und natürlich wird es ein Jubiläumskonzert im PZ des Städtischen Gymnasiums geben“, kündigt Schäfer. Bekanntlich handelt es sich bei dem Bachkreis um das Schulorchester des Städtischen Gymnasiums, das sein 50. Jubiläum bereits 2015 feierte. In der Gründungszeit der Schule war Bergkamen eine „musikalische Diaspora“. Der Ausdruck stammt von dem Musiklehrer Horst Römer. Er war es allerdings auch, der diesen Zustand änderte. Römer hob im Februar 1969 den Bachkreis aus der Taufe – er hatte die Vision der vom Bergbau geprägten Stadt ein Jugend-Sinfonie-Orchester zu bescheren. Die Anfänge waren relativ bescheiden: Zunächst musizierten zehn Schüler auf Streichinstrumenten, die Römer aus seinem privaten Fundus zur Verfügung stellte. Doch schon bald gründete sich der Förderverein, der Instrumente anschaffte. Und der Bachkreis ging auf Wachstumskurs: Heute besteht er aus einem A- und einem B-Orchester, die jungen Musiker haben ihr Können auch schon auf diversen Auslandsreisen unter Beweis gestellt.

Bachkreis und Musikschule feiern im nächsten Jahr 50. Jubiläum

Die Bigband und die anderen Ensembles der Musikschule werden im Jubiläumsjahr etliche Auftritts-Gelegenheiten haben. © Stefan Milk

Kooperation von Bachkreis und Musikschule

Horst Römer ergriff auch die Initiative zu einem zweiten Meilenstein der Bergkamener Musikgeschichte: Der Gründung der Musikschule. In der Anfangszeit gaben vor allem nebenamtliche Dozenten für eine kleine Aufwandsentschädigung Unterricht. „Wir haben dafür Orchestermusiker und Studenten nach Bergkamen geholt“, erinnert sich Römer. Zunächst schrieben sich etwa 250 Schüler für die Instrumentalkurse ein.

Zwischen Bachkreis und Musikschule gab es eine enge Zusammenarbeit. Das lag auch an Eckhard Kadenbach, der die Schule zunächst nebenamtlich und dann ab 1981 hauptamtlich leitete. Zwischen dem 2005 verstorbenen Kadenbach und Horst Römer entwickelte sich eine enge Freundschaft: „Wir haben hervorragend zusammengearbeitet“, erinnert sich Römer an das Miteinander von Musikschule und Bachkreis. „Das war ein gegenseitiges Geben und Nehmen.“ Und davon profitierten die jungen Musiker und natürlich auch die Bergkamener Musikfreunde.

Studenten als Dozenten

Unter Kadenbachs Ägide stieg die Zahl der Musikschüler stetig an, bis sie sogar die 1000er-Marke überschritt. Kadenbach blieb aber zunächst der einzige Hauptamtliche, den Unterricht gaben weiter Orchestermusiker und Studenten. Wie zum Beispiel Werner Ottjes, der in den 80er Jahren von Leer in Ostfriesland an die Dortmunder Musikhochschule gekommen war. Er arbeitet zunächst als Honorarkraft für die Bergkamener Musikschule. 1993 war er dann einer der hauptamtlichen Fachbereichskoordinatoren, die die Stadt Bergkamen einstellte. 1997 übernahm er die kommissarische Leitung der Schule, seit 2000 firmiert er ganz offiziell als Musikschul-Chef.

Und plant derzeit mit den Kollegen das Programm für das Jubiläumsjahr: „Wir wollen 2019 insgesamt 50 Veranstaltungen anbieten“, kündigt Ottjes an. Das Heft mit dem Jubiläumsprogramm soll im Januar erscheinen. Darin sind auch die „normalen“ Musikschul-Veranstaltungen wie „Bühne-Frei“-Vorspiele und Fachbereichs-Konzert enthalten, aber zum 50. Geburtstag hat sich die Schule eben doch deutlich mehr vorgenommen, sagt Ottjes: „Wir bieten ungefähr zweieinhalb Mal so viele Termine an wie in gewöhnlichen Jahren.“

Bachkreis und Musikschule feiern im nächsten Jahr 50. Jubiläum

Der renommierte Komponist Stefan Heucke hat in den 80er Jahren als Honorarkraft an der Musikschule gearbeitet.

Komposition von Stefan Heucke

In das Jubiläumsprogramm der Musikschule hat deren Leiter Werner Ottjes auch das Werk eines zeitgenössischen Komponisten aufgenommen. Stefan Heucke, der eine persönliche Beziehung sowohl zur Bergkamener Musikschule hat als auch zu Ottjes selbst. Er lernte den 1959 in Baden-Württemberg geborenen Heucke in den 80er Jahren an der Musikhochschule in Dortmund kennen. Dort studierte Heucke bei Professor Arnulf von Arnim Klavier und bei Professor Gerhart Schäfer Tonsatz und Komposition. Seinen Unterhalt verdiente er sich damals unter anderem als Honorarkraft an der Bergkamener Musikschule – und vermittelte 1988 auch Ottjes einen solchen Job. Ottjes blieb bekanntlich an der Musikschule in Bergkamen. Heucke machte sich einen Namen als freischaffender Komponist, der unter anderem 2007 mit dem nur alle sechs Jahre vergebenen Hans-Werner-Henze-Preis ausgezeichnet wurde. Zu Heuckes Werk zählen zahlreiche Lieder und Orchesterwerke sowie die 2006 uraufgeführte Oper „Das Frauenorchester von Auschwitz“. Zudem hat er 21 Klavierstücke zu dem Märchen „Der glückliche Prinz“ von Oscar Wilde verfasst: „Schüler aus der Klavierklasse von Johannes Wolff werden diesen Zyklus aufführen“, kündigt Ottjes an.

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