Autokran balanciert mit der Riesenröhre aus Beton

dzKanalbaustelle am Friedhof Rünthe

Wie ein rohes Ei setzt der Autokran den achteinhalb Tonnen schweren Lamellenfilter am Friedhof Rünthe ein. Demnächst werden die Autofahrer Auswirkungen der Baustelle zu spüren bekommen.

Rünthe

, 24.06.2019 / Lesedauer: 3 min

Für den Kranfahrer ist es Millimeterarbeit. Fast behutsam hebt er die achteinhalb Tonnen schwere Betonröhre von einem Tieflader, der rückwärts an die Baustelle am Friedhofsparkplatz in Rünthe gefahren ist. Genauso behutsam lässt er sie in den Schacht herunter, den die Märkische Tiefbau in den vergangenen Tagen angelegt hat. Ein Mitarbeiter des Tiefbauunternehmens gibt Anweisungen, wie er sie platzieren soll – erst vom Rand des Schachts aus, dann klettert er nach unten, damit er das Betonbauteil genau im Blick behält. Schließlich setzt die Riesenröhre auf. „Sieht doch ganz gut aus“, ruft der Kranfahrer aus der Kabine seines Autokrans. „Ja, aber ein bisschen besser müssen wir noch werden“, ruft der Mitarbeiter des Tiefbauunternehmens, der in den Schacht heruntergeklettert ist.

Autokran balanciert mit der Riesenröhre aus Beton

Der Filter steht in der Baugrube. Mit einer Wasserwaage wird kontrolliert, ob er richtig steht. © Borys P. Sarad

Prüfen mit der Wasserwaage

Er prüft mit der Wasserwaage, ob sich die Röhre nach allen Seiten in der Waagerechten befindet. Gleichzeitig lassen die Tiefbauer eine Messlatte nach unten. Ein Vermesser prüft über ein optisches Gerät die genaue Höhe der Röhre. Der Einbau des sogenannten „Lamellenfilters“, wie die Röhre heißt, ist Millimeterarbeit, erläutert Polier Lutz Rebbe. Der riesige Filter muss genau so stehen, dass die Tiefbauer den Kanal, der sich unter dem Ostenhellweg befindet, exakt anschließen können. Es wäre fatal, wenn er sich nicht genau auf der Höhe befindet, in der im Lamellenfilter sein Anschluss vorgesehen ist.

Autokran balanciert mit der Riesenröhre aus Beton

Ein Mitarbeiter der Tiefbaufirma dirigiert den Kranfahrer, der viel Fingerspitzengefühl haben muss. © Borys P. Sarad

Filter für Schmutz im Niederschlagswasser

Der Filter funktioniert ähnlich wie ein riesiger Kaffeefilter. Er soll Schmutz aus dem Niederschlagswasser herausfiltern, das auf die Straßenflächen niedergeht. Das so gesäuberte Wasser soll dann in die Lippe geleitet werden.

Autokran balanciert mit der Riesenröhre aus Beton

Mitarbeiter des Tiefbauunternehmen messen genau nach, ob der Kanal und der Einlauf zum Filter exakt die gleiche Höhe haben. © Borys P. Sarad

Wasser soll sauber in die Lippe

Bisher hatte der Stadtbetrieb Entwässerung (SEB) das Niederschlagswasser ungeklärt in die Lippe geleitet. Jetzt soll die Qualität des eingeleiteten Wassers wesentlich niedriger sein. Der Schmutz, den der Lamellenfilter aus dem Wasser filtert, wird regelmäßig abgepumpt und entsorgt. Damit der Lamellenfilter eingebaut werden konnte, waren umfangreiche Vorbereitungsarbeiten notwendig: Die Tiefbauer mussten nicht nur die Grube graben. Sie mussten den Grundwasserspiegel auch mithilfe von Pumpen deutlich absenken, um den Filter zu installieren.

Autokran balanciert mit der Riesenröhre aus Beton

Polier Lutz Rebbe von der Märkischen Tiefbau prüft im Plan, ob alles richtig eingebaut ist. © Borys Sarad

An der Oberfläche sind nur zwei Kanaldeckel zu sehen

Auf den Lamellenfilter setzen die Tiefbauer noch einen Zwischenring auf und zum Schluss eine Bodenplatte, in die zwei Abwasserdeckel eingelassen werden. „Mehr als die beiden Deckel sieht man von oben nicht mehr“, erläutert Rebbe. Das große Filterbauwerk befindet sich künftig komplett unter der Erde.

Warten auf die Genehmigung von Straßen.NRW

Der Einbau des Filters hat zu keinen großen Einschränkungen für den Verkehr geführt. Lediglich einige Parkplätze am Friedhof fielen für die Bauzeit weg. Das wird sich jedoch ändern, wenn das Tiefbauunternehmen demnächst den Kanal unter dem Ostenhellweg anschließt. Bevor die Arbeiten beginnen können, muss Straßen.NRW die Genehmigung erteilen, denn der Ostenhellweg ist eine Landesstraße.

Baustellenampel auf dem Ostenhellweg

Sobald die Genehmigung kommt, will das Tiefbauunternehmen die Straße halbseitig sperren und den Verkehr durch eine Baustellenampel regeln. Um das Rohr an den Filter anzuschließen, muss es unter der Straße durch verlegt werden und dafür muss eine Fahrbahnhälfte aufgerissen werden. Autofahrer müssen sich in dieser Zeit auf der stark befahrenen Straße auf erhebliche Behinderungen einstellen. Der Polier geht von drei bis vier Wochen Bauzeit aus, dann ist die Straße wieder frei.

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