Autodiebstahl ohne Schlüssel: Angeklagter legt weitreichendes Geständnis ab

dzLandgericht Dortmund

Im Kreis Unna verschwanden 2019 mehrere Fahrzeuge mit Keyless-Go-Technik. Einer der mutmaßlichen Autodiebe hat am Dienstag vor dem Dortmunder Landgericht ein Geständnis abgelegt.

Bergkamen, Kamen, Unna

, 07.01.2020, 16:21 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der 49-Jährige gab über seinen Verteidiger Timo Meyer zu, an mindestens vier Diebstählen beteiligt gewesen zu sein. Zusammen mit einem Komplizen, dessen Namen er vor Gericht aber nicht verraten will, hatte er sich eigenen Angaben zufolge auf Autos spezialisiert, die ohne Schlüssel funktionieren. Im Grunde sei alles ganz einfach gewesen, hieß es vor Gericht.

Hilfsmittel aus dem Internet

Bei seinen Diebstahlstouren nutzte der Angeklagte eigenen Angaben zufolge technische Hilfsmittel, die er zuvor online bestellt hatte. Hatte er am Straßenrand ein Auto ausgemacht, das über die sogenannte Keyless-Go-Technik verfügte, schaltete er vor der nächsten Haustür einen Funkwellenverstärker ein und hoffte darauf, dass die Wellen des in der Wohnung liegenden Schlüssels damit bis nach draußen vor die Tür geleitet werden konnten. Hatte er Erfolg, konnte er unerkannt die Fahrzeugtür öffnen und den Motor starten. „Dem Auto wurde vorgegaukelt, dass sich der Schlüssel in der Nähe befand“, fasste der Vorsitzende Richter Thomas Kelm die Masche zusammen.

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Zeuge bekam Schaden ersetzt

In Unna entwendete der 49-Jährige unter anderem den BMW X4 eines 49-jährigen Mannes. „Ich habe den Wagen ganz normal abends vor dem Haus geparkt“, erinnerte sich der Zeuge am Dienstag. Am nächsten Morgen habe er dann bemerkt, dass das Auto nicht mehr da war. Die Diebe hatten den BMW noch in derselben Nacht bis nach Polen überführt.

40.000 Euro bekam der Halter damals von seiner Versicherung erstattet. „Damit war der Fall für mich erledigt“, sagte er den Dortmunder Richtern. Die Keyless-Go-Technik betrachtet er seit dem Vorfall natürlich deutlich skeptischer. Den Schlüssel jedoch abends in Alufolie zu wickeln, um die Funkwellen zu unterbrechen, hält der Zeuge indes für wenig praktikabel. „Da kann ich ihn auch gleich in den Kühlschrank legen“, sagte er sarkastisch.

Maximal drei Jahre Haft

Für sein umfassendes Geständnis darf der Angeklagte nun mit einer Gegenleistung des Gerichts rechnen. Im Rahmen eines langen Rechtsgesprächs stellten die Richter ihm am Dienstag in Aussicht, eine Haftstrafe von maximal drei Jahren zu verhängen. Damit könnte der Angeklagte auch schon bald wieder in seine Heimat zurückkehren.

Täter lebte in Görlitz

Zuletzt soll der Mann zwar in Görlitz gewohnt haben, tatsächlich stammt er aber aus Polen. Und von dort brach er 2019 auch immer wieder nach Deutschland auf, um Autos zu stehlen.

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