Ausstellungseröffnung unter Corona-Bedingungen: Bergkamener Künstler auf Spurensuche

dzSohle 1

Bergkamener Künstler sind auf Spurensuche gegangen. Welche Spuren sie verfolgt haben, sieht man in der neuen Ausstellung in der Galerie Sohle 1. Es gibt auch ein Werk zum Thema Corona.

von Klaus-Dieter Hoffmann

Bergkamen

, 12.07.2020, 15:40 Uhr / Lesedauer: 2 min

Außergewöhnliche Zeiten erfordern ungewöhnliche Maßnahmen, heißt es ja bekanntlich. Nicht zuletzt gilt dies in Corona-Zeiten nun auch für die Jahresausstellung der Künstlergruppe sohle 1, die am Sonntag im Stadtmuseum eröffnet wurde. Wie in den Jahren zuvor, sind natürlich die „Wegmarken“ wieder das Leitthema, genauer gesagt die Spuren, die die Menschen hinterlassen, verwischen und manchmal sogar nachverfolgen.

Zum Glück spielte nicht nur das Ordnungsamt mit, und gestattete die Ausstellung unter strengen Auflagen, auch das Wetter war auf Seiten der Künstler. So konnte die Eröffnung bei strahlendem Sonnenschein erstmalig vor dem Museumseingang stattfinden, wo die Besucher mit gebührendem Abstand auf den Stühlen platznehmen durften.

Ein Künstler beschäftigte sich auch mit dem Thema Coronavirus.

Ein Künstler beschäftigte sich auch mit dem Thema Coronavirus. © Marcel Drawe

Bürgermeister Roland Schäfer betonte in seiner Begrüßung, dass sich sogar ein wichtiger Bergkamener Spurenleger unter das Publikum gemischt habe. Es war Dieter Treeck, der vor genau fünfzig Jahren die Kunst mit all ihren Facetten und mit Hilfe der Bergkamener Kunstbeflissenen in das Bergkamener Stadt-Bewusstsein brachte.

Kunstwerk in der Sohle 1 nimmt Bezug auf die Corona-Pandemie

Statt eines roten, rollte Silke Kieslich dann zur Feier des Tages einen blauen „Teppich“ die Treppe runter, welcher einmal mehr die Nähe Bergkamens zu seinen Wasserläufen aufzeigen sollte. Wer diesem Blauen Band dann in die Kunstausstellung folgte, konnte anhand der vielen Exponate der Sohle1-Künstler feststellen, dass diesen mit ihren Malereien, Plastiken und Fotografien noch längst nicht die Ideen ausgegangen sind. Allen Kunstwerken ist dabei gemein, dass hier die Details, die manchmal erst entdeckt werden müssen, entscheidende Bedeutungen haben.

Die Jahresausstellung der Kunstwerkstatt Sohle 1 trägt den Titel „Spuren“. Die Künstler haben das ganz unterschiedlich interpretiert.

Die Jahresausstellung der Kunstwerkstatt Sohle 1 trägt den Titel „Spuren“. Die Künstler haben das ganz unterschiedlich interpretiert. © Marcel Drawe

Den direkten Bezug auf Corona nahm Wolfgang Pikulik, der in seinem fiebertraumartigen Triptychon die Ängste der Menschen vor der heimtückischen Pandemie in einem farbenkräftigen Virendialog darstellte. Bilder einer besonderen Spurensuche fügte Thea Holzer in einer von Fäden verbundenen Collage zusammen.

Auf den ersten Blick eher wild zusammengewürfelt, wird bei näherer Betrachtung klar, dass es die ins Gedächtnis fest eingebrannten Stationen des eigenen Lebens sind – inklusive eines flotten Wanderers, der sich seinerzeit zusammen mit ihr auf die Spuren des legendären „Ötzis“ begeben hatte.

Jetzt lesen

Kunstwerke voller Spuren sind in Bergkamen ausgestellt

Sein Faible für großformatige Collagen lebt indes Klaus Scholz in gleich drei spannenden Exponaten aus, wo er neben hiesigen „Spuren“ auch die Spuren der Weltgeschichte dokumentiert. Unvergängliche Spuren in Stein haben Wolfgang Kerak und ebenso Peter Wiesemann mit einem wohlgeschliffenen Torso hinterlassen, Thomas Rassmann zeigt dagegen mit dem Fragment eines Grabsteins, dass auch „in Stein gemeißelt“ nicht ewig halten muss.

Mit ihrer originellen Collage „Weltweite Spuren“ beweist indes Jutta Schürmann, dass auch alte Obstkisten aus aller Welt das Zeug zu einem Kunstwerk besitzen.

In eine ganz besondere Welt tauchen die Ausstellungsbesucher ein, wenn man die Miniaturexponate von Thea Erdmann mit einer Alchemistenküche und einem detailgetreuen Marktstand bewundert.

In eine ganz besondere Welt tauchen die Ausstellungsbesucher ein, wenn man die Miniaturexponate von Thea Erdmann mit einer Alchemistenküche und einem detailgetreuen Marktstand bewundert. © Marcel Drawe

In eine ganz besondere Welt taucht man dagegen ein, wenn man die Miniaturexponate von Thea Erdmann mit einer Alchemistenküche und einem detailgetreuen Marktstand bewundert. Von dort stammen vielleicht auch die Äpfel, das knusprige Baguette und die inzwischen leere Rotweinflasche, die Marij Neumann als die Überreste eines sonntäglichen Picknicks in Öl festgehalten hat.

Jetzt lesen

Und dass man selbst der vernichtenden Arbeit des Borkenkäfers etwas „Kunstvolles“ abgewinnen kann, demonstrierte Heike Behrens, als sie dessen Fress-Gänge in der Rinde künstlerisch bunt einfärbte.

Die weiteste Anfahrt für seine fotografische Spurensuche hatte aber garantiert Marc Oliver Knappmann auf sich genommen. Denn bei einem Urlaub in Südafrika entdeckte er ein riesiges Wandgemälde, wo die Menschen vom Bantustamm unzählige folkloristische Motive hinterlassen haben.

Die Ausstellung der Kunstwerkstatt Sohle 1 in der Galerie Sohle 1 wird bis zum 23. August zu sehen sein. Öffnungszeiten:
  • Dienstag bis Freitag: 11 bis 13 Uhr; 14 bis 17 Uhr
  • Samstag 14 bis 17 Uhr
  • Sonntag 11 bis 17 Uhr
Da sich nur eine bestimmte Anzahl an Besuchern gleichzeitig in den Ausstellungsräumen aufhalten darf, gibt es Wartebereiche. Führungen durch Mitglieder der Kunstwerkstatt können auf Anfrage (im Kulturreferat) angeboten/ durchgeführt werden.
Schlagworte:
Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Islamische Gemeinschaft
Minarett geplant – aber der Umbau der Milli-Görüs-Moschee ist noch nicht genehmigt
Hellweger Anzeiger Coronavirus
Schüler müssen Masken tragen – aber Lüften während des Unterrichts ist verboten
Hellweger Anzeiger Hitze-Tipps für Hundehalter
Radfahrer mit Hund gesichtet: Für die Tiere ist es bei der Hitze die Hölle
Meistgelesen