Aus versuchtem Kiosk-Raub wird wohl mehrfacher Ladendiebstahl

dzProzess in Dortmund

Wollte die Frau aus Bergkamen einen Kiosk überfallen oder hat sie sich mit dem Pfefferspray nur gegen den Betreiber gewehrt? Im Prozess in Dortmund scheint in dieser Frage eine Vorentscheidung gefallen.

Bergkamen

, 18.11.2020, 09:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Während die Staatsanwaltschaft in ihrer Anklageschrift davon ausgeht, dass die 27-Jährige den Kiosk in Weddinghofen ausrauben wollte, um an Geld für Drogen zu gelangen, erzählte die Angeklagte von Anfang an eine andere Geschichte.

Danach hatte sie schon häufiger in dem Kiosk Diebesgut verkauft. Und auch an diesem Abend im Jahr 2018 habe sie den Laden eigentlich nur aufgesucht, um mit dem Betreiber schmutzige Geschäfte zu machen.

Betreiber soll zudringlich geworden sein, sagt die Angeklagte

Diesmal sei jedoch alles ganz anders gewesen. Der Mann hinter dem Tresen habe sie lüstern angeschaut und ihr Bargeld in Aussicht gestellt. Sozusagen als Gegenleistung habe er gesagt: „Komm doch mal mit ins Nebenzimmer.“

In diesem Moment will die Bergkamenerin ausgerastet sein und das Pfefferspray eingesetzt haben. „Ich dachte, wenn er mich jetzt packt, komme ich da nicht mehr raus“, sagte sie den Richtern im Prozess.

Zeuge kann nicht kommen

Zu gern hätten die Richter der 31. Strafkammer dazu natürlich auch den Betreiber des Kiosks als Zeugen gehört. Doch als der Mann das erste Mal geladen war, blieb sein Platz leer. Die Richter reagierten mit dem Erlass eines Ordnungsgelds und der Entscheidung, dass der Zeuge dann eben zum nächsten Termin mit der Polizei gebracht werden solle.

Dazu kam es dann aber nicht mehr. Denn wie sich herausstellte, hatte der Kiosk-Betreiber einen nachvollziehbaren Grund, warum er nicht zur Gerichtsverhandlung nach Dortmund kommen konnte. Er sitzt nämlich in Bosnien selbst im Gefängnis und wartet derzeit auf seine Auslieferung in seine Heimat.

Plädoyers im Dezember

Ohne den Zeugen ist eine Verurteilung wegen eines versuchten Raubes natürlich so gut wie unmöglich. Es steht also zu erwarten, dass dieser Vorwurf fallengelassen wird, wenn Anfang Dezember die Plädoyers gehalten werden.

Übrig bleiben dann allerdings noch eine Reihe von ebenfalls angeklagten Ladendiebstählen. Diese hatte die 27-Jährige auf Rat ihres Verteidigers Martin Urbaniak auch sofort zugegeben.

Jetzt lesen

Zur Tatzeit sei sie schwer drogenabhängig und deshalb immer auf der Suche nach Geld gewesen.

Bewährung scheint ausgeschlossen

Trotz der nun nur noch vergleichsweise geringen Vorwürfe darf die Angeklagte aber wohl nicht mit einer Bewährungsstrafe rechnen. Dafür hat sie in den vergangenen Monaten einfach zu viele Straftaten verübt und bisherige Bewährungschancen auch nie genutzt.

Jetzt lesen

Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Neue Kindergärten
Kindergartenplätze: Im nächsten Jahr steigen die Chancen, einen zu bekommen
Meistgelesen