Die Stadt möchte den Samstagsmarkt am Nordberg aus der Marktsatzung streichen, weil kaum noch Händler kommen. Die letzten drei bleiben – aber auf einer anderen Rechtsgrundlage.

Bergkamen

, 07.12.2018, 16:14 Uhr / Lesedauer: 3 min

In Zukunft soll es samstags auf den Nordberg keinen Markt mehr geben. Die Stadtverwaltung möchte den Samstagsmarkt aus der Marktsatzung streichen lassen und bittet den Stadtrat um seine Zustimmung. Marktstände soll es paradoxerweise aber weiterhin am Samstagmorgen auf dem Nordberg geben. Drei Markthändler möchten gerne bleiben und bekommen auf anderem Wege eine Genehmigung dafür. Künftig soll es sich bei dem Mini-Markt auf dem Nordberg nicht mehr um einen Markt nach Satzung handeln, sondern um einzelne Händler, die von der Straßenverkehrbehörde eine Genehmigung bekommen, gegen ein Entgelt einen Standplatz in der Fußgängerzone zu beziehen.

Aus für den Samstagsmarkt am Nordberg

Ein Wagen mit Hähnchenfleisch kommt noch und findet auch immer seine Kunden. © Borys Sarad

Nur noch drei Händler halten sich

Die Satzungsänderung hat nach Angaben von Heiko Brüggenthies, dem Sachgebietsleiter Ordnungsangelegenheiten in der Stadtverwaltung, vor allem finanzielle Gründe. Nach der Marktsatzung muss die Stadt die gesamte Infrastruktur einschließlich des Personals wie Marktmeister für den Samstagsmarkt zur Verfügung stellen. „Das bedeutet, dass wir knapp 200 laufende Meter Marktstände in der Kostenrechnung haben, obwohl nur noch drei Händler kommen“, erläuterte er. Dabei habe die Stadt zuletzt erhebliche Verluste gemacht. Am Nordberg fehlten schon seit Jahren die Einnahmen um die Kosten für den Aufwand zu decken“, sagte Brüggenthies.

Aus für den Samstagsmarkt am Nordberg

Voll wird es auf dem Markt am Nordberg nur, wenn der Donnerstagsmarkt wegen anderer Veranstaltungen vom Stadtmarkt in die Fußgängerzone ziehen muss. © Stefan Milk

Typische Angebote fehlen schon lange

Bei den drei Ständen, die jetzt immer noch regelmäßig da sind, handelt es sich um eine Imbisswagen mit Reibekuchen und Kaffee und gelegentlich auch Bratwurst vom Grill, einen Anbieter von Hähnchenfleisch, der aus Warendorf anreist und um einen Textilhändler. Ein Gärtner, der bis vor kurzem immer noch aus Werne kam, hat sein Geschäft inzwischen aus Altersgründen aufgegeben. Die eigentlich für einen Wochenmarkt typischen Angebote wie Obst, Gemüse, Milchprodukte, Eier, Fisch, Wurst- und Fleischwaren gibt es schon seit Jahren nicht mehr auf dem Samstagsmarkt am Nordberg.

Ein Problem mit der Reinigung der Stallplätze sieht Brüggenthies nicht, auch wenn der Markt kein Markt mehr ist. Die Händler seine ohnehin verpflichtet, ihren Stellplatz nach Ende des Marktes wieder zu reinigen teilte er mit – außerdem habe die Stadt den Reinigungsaufwand ohnehin angesichts der geringen Einnahmen heruntergeschraubt.

Aus für den Samstagsmarkt am Nordberg

Auch Werbemaßnahmen wie dieses Transparent am Durchgang zum Nordbergcenter – dem „Platz von Gennevilliers“ – schlugen meist fehl.

Maßnahmen schlugen fehl

Die Stadt und vor allem das Ordnungsamt hatte sich zuvor schon jahrelang bemüht, den Samstagsmarkt am Nordberg wiederzubeleben. Noch im Jahr 2011 kamen immerhin im Schnitt elf Händler samstags auf den Nordberg. Danach nahm ihre Zahl Jahr für Jahr kontinuierlich ab, sodass 2017 im Schnitt noch fünf und in diesem Jahr nur noch die letzten drei Händler übrig blieben.

In den Jahren unternahm die Stadtverwaltung nach Brüggenthies´ Angaben mehrere Versuche, neue Händler auf den Nordberg zu holen – unter anderem, indem sie Händler vom großen Donnerstagsmarkt ansprechen. Die waren aber, sofern sie sich überreden ließen, meist nach wenigen Wochen wieder verschwunden, weil Aufwand und Umsatz in keinem Verhältnis standen. Außerdem hätten die Händler meist Märkte gefunden, auf denen sie am Samstag besser verdienen könnten als in Bergkamen.

Auch andere Maßnahmen den Nordberg zu beleben, schlugen fehl. Dazu gehört der Bau des 2006 eröffneten Nordberg-Centers. Die erhoffte Belebung der benachbarten Fußgängerzone durch das Discounter-Center ist ausgeblieben. Kaum ein Kunde, der dort parkt, geht weiter in die Fußgängerzone.

Aus für den Samstagsmarkt am Nordberg

Die Karte zeigt die heutigen und die ehemaligen Marktstandorte. Außer dem großen Markt am Donnerstag konnte sich keiner halten.

Schon zwei Märkte gestrichen

Der Samstagsmarkt ist nicht der einzige Markt, den die Stadt in den vergangenen Jahren aus der Satzung herausgenommen hat und von dem ein Rest übrig blieb. Der Imbisswagen, der regelmäßig mehrmals in der Woche auf dem „Platz der Partnerstädte“ am Rathaus steht, ist der letzte Rest des „Abendmarktes“, den die Stadt vor etwa zehn Jahren gestartet hatte. Auch dort musste sie miterleben, dass die Händler schnell wegblieben, obwohl der Markt, der erst am Nachmittag begann, ein ungewöhnliches Konzept hatte. Auch dort nahm der Rat den Markt nach einiger Zeit mangels Händlern aus der Satzung – und der Imbisswagen hat eine Genehmigung der Straßenverkehrsbehörde, dass er dort stehen darf.

Auch in Oberaden gab es auf dem heutigen Museumsplatz früher einen Wochenmarkt, von dem schließlich nur ein Stand blieb und der aus der Marktsatzung gestrichen wurde.

Erfolgreicher Markt am Donnerstag

  • Die große Erfolgsgeschichte bei den Bergkamener Märkten ist der große Wochenmarkt am Donnerstag auf dem Stadtmarkt/Alfred-Gleisner-Platz.
  • Er ist einer der fünf größten Wochenmärkte in NRW.
  • Oft melden mehr Händler ihr Interesse an einem Standplatz an, als die Marktmeister unterbringen können.
  • Aber auch dieser Markt ist Schwankungen unterworfen. Im Winter, wenn es kalt und nass ist, bleiben auch schon einmal Lücken.
  • Gelegentlich füllt er auch den Nordberg – immer dann, wenn er wegen einer anderen Veranstaltung vom Stadtmarkt wegziehen muss.
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