Aufeinandertreffen von Lichtkunst und Stadtbesetzung am Stadtmarkt

dzKunst im öffentlichen Raum

Liegestühle im eisigen Wind, der Fuji an der Stadtmarkt-Fassage: Ungewöhnliches gab es am Samstagabend auf dem Bergkamener Stadtmarkt zu sehen: Lichtkunst traf auf Stadtbesetzung.

von Klaus-Dieter Hoffmann

Bergkamen

, 29.09.2019, 14:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Irgendwie aus der Zeit gefallen schienen die vielen Liegestühle, die am Samstagabend aufgereiht und flatternd unter dem Säulendach am Stadtmarkt standen. Pfiff doch der kalte Wind wie durch einen Windkanal über den Stadtmarkt und mit sonnenhungrigen „Touristen“ war nun wirklich nicht zu rechnen.

Und trotzdem wimmelte es dort plötzlich nur so von Menschen. Kein Wunder. Gerade waren zwei Busse angekommen, die hier in der bereits „4. Nacht der Lichtkunst“ auf ihrer nächtlichen Lichtreise zu den Lichtkunstobjekten im Kreis Unna einen Zwischenstopp eingelegt hatten.

Busfahrten legten Stopp in Bergkamen ein

Während der eine Bus schon eine längere Fahrt aus Lünen hinter sich hatte, war der zweite Bus mit Gästeführer Klaus Holzer an Bord erst am Bergkamener Rathaus gestartet. Bevor es losgehen sollte, gab es dort den poetisch und zugleich sinnlichen „Sand“-Film der Künstlerin Iryna Kister über die Stadtgeschichte Bergkamens, vom Römerlager bis zum heutigen Stadtbild, zu bewundern.

Weiter ging es vorbei an zwei der vier „Maßstäbe“ zum quirligen Bergkamener Flughafen „SubPort“, der sich unter der Präsidentenstraße befindet. Durch besondere Gullydeckel sind im Untergrund beleuchtete Hinweisschilder zu erkennen, wie auch Motorenlärm und Durchsagen zu vernehmen. Klaus Holzer wusste natürlich zu allen Lichtinstallationen die spannenden Hintergrundinformationen zu berichten.

Begrüßung durch die Künstler, die sich „unters Volk“ gemischt hatten

Am Marktplatz angekommen, wurden die Lichtreisenden gleich vom Künstlerduo Simone Prothmann und Siegfried Krüger begrüßt. Beide sind allerdings weniger Lichtkünstler, sondern mehr Stadtbesetzer. In den letzen Wochen haben sich nämlich beide, ausgerüstet mit Videokamera und Mikrofon, einfach mal „unter das Bergkamener Volk gemischt, um ebenfalls ein Teil von Bergkamen zu werden“, so Simone Prothmann.

„Vieles, was die Bergkamener gar nicht mehr wahrnehmen, weil es selbstverständlich geworden ist, haben wir nun aus ihrer Sicht ganz unbefangen mit unseren Augen neu erlebt und festgehalten“, berichtet Siegfried Krüger.

Einblicke in Hinterhöfe und auf scheinbar verschlossene Türen

Über 3000 Bilder, Videosequenzen und O-Töne sind dabei zusammengekommen. Sie gewähren Einblicke in die Hinterhöfe der Bergkamener Kolonie, wo die Wäsche zum Trocknen hängt, zeigen aber auch Hauseingänge, wo jemand den Einkaufswagen vom Supermarkt geparkt hat.

Zugleich waren Gesprächsfetzen vom Bergkamener Wochenmarkt zu hören, während die Kamera sich schwirrend schnell um die eigene Achse dreht. Aus dem Nichts wird das jaulende Geräusch eines Windrades immer deutlicher, auf dem Kanal sind unvermittelt die Zurufe einiger Paddler und auch das Tuckern eines vorbeifahrenden Kanalfrachters deutlich zu vernehmen.

Säulendach wurde zur Leinwand

Gleich auf mehrere Flächen des Säulendaches wurden die unterschiedlichen Video-Impressionen projiziert. Die Gaststätte „Zum Deutschen Eck“ erzählt dabei stumm ihre lebhafte Geschichte, die aber schon Ewigkeiten zurückliegen muss. Und ob es hinter dem Haus wirklich den auf einem Schild versprochenen Biergarten gibt, kann man vorne nicht wirklich nachvollziehen.

Auf der leicht verwitterten westlichen Wand der Säulenhalle verschmolz der Himmel des Fujiyamas auf magische Weise mit dem Himmel über der Halde „Adener Höhe“, die Säulen dazwischen sorgten zusammen mit den realistischen Bildern für abstrakte Wahrnehmungen und Eindrücke.

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