Auf Facebook sucht der Pfarrer seine Konfirmanden vergeblich

dzKirche und Digitalisierung

Auch die Kirchengemeinden nutzen die Möglichkeit des Internets. Es gibt aber Grenzen, die durch den Datenschutz gezogen werden. Manche Folgen der Digitalisierung sind in der Kirche unerwünscht.

Bergkamen

, 22.02.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Martin-Luther-Kirchengemeinde ist derzeit offline. Wie Pfarrerin Sophie Ihne berichtet, hat das Presbyterium eine professionelle Agentur damit beauftragt, einen zeitgemäßen Online-Auftritt zu entwickeln. „Weil die alte Homepage ziemlich inaktuell war, haben wir beschlossen, sie abzuschalten“, sagt Ihne. Sie hofft, dass es nicht mehr allzu lange dauert, bis die Luther-Gemeinde im Internet wieder präsent ist.

Pfarrer bildet sich in Sachen Digitalisierung fort

Die evangelische Friedenskirchengemeinde ist da bereits ein wenig weiter. Sie hat sich schon vor Jahren ihre Homepage von Profis gestalten lassen. „Das war damals eine Menge Arbeit“, sagt Pfarrer Frank Hielscher. Er kümmert sich darum, dass die Website immer auf einem aktuellen Stand ist. Das sei dank des Internet-Programms nicht mit allzu viel Aufwand verbunden, sagt Hielscher.

Wer wissen will, wann in der Martin-Luther-Kirche in Bergkamen-Oberaden Gottesdienste gefeiert werden, wird auf der Homepage der Gemeinde nicht fündig: Die ist derzeit offline.

Wer wissen will, wann in der Martin-Luther-Kirche in Oberaden Gottesdienste gefeiert werden, wird auf der Homepage der Gemeinde nicht fündig: Die ist derzeit offline. © Stefan Milk

Die Gemeinde verschickt zudem vor jedem Wochenende einen E-Mail-Newsletter. Ein Ausbau der digitalen Angebote hat sie aber vorerst nicht geplant. Dabei hat Hielscher unlängst einer Fortbildung zum Thema „Die digitalisierte Kirche“ teilgenommen. „Da war auch ein Kollege aus den USA dabei“, sagt Hielscher.

Datenschutz spricht gegen Whattsapp

Dort ist die Kirche schon deutlich digitalisierter als hierzulande. „Der Kollege hat die ganze Zeit Fotos mit seinem Handy gemacht und darauf getippt“, sagt Hielscher. Allerdings habe er bei dieser Gelegenheit auch erfahren, dass in den USA der Datenschutz und das Recht am eigenen Bild nicht so streng ausgelegt werden wie in Europa. Zum Beispiel darf Hielscher aus Datenschutzgründen streng genommen nicht mit seinen Konfirmanden auf Whatsapp kommunizieren. Auch Facebook nutzt er für diese Zwecke nicht.

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Das aber hängt damit zusammen, dass dieses soziale Netzwerk für die Jugendlichen von heute völlig out ist. „Die sind alle auf Instagram oder Snapshot unterwegs“, sagt Hielscher.

Im Gottesdienst sind Handys tabu

Der Datenschutz verbietet es auch, dass die Gemeinde einfach Bilder aus dem Gottesdienst veröffentlich, auf denen Besucher zu erkennen sind. Außerdem ist es natürlich absolut tabu, in der Kirche Handy-Fotos zu machen. Das gilt auch und gerade bei den Konfirmationsgottesdiensten. Falls doch ein Elternteil ein Mobiltelefon zückt, können Hielscher und die anderen Pfarrer schon mal sehr deutlich werden. Hielscher nimmt die Konfirmationsgottesdienste aber per Kamera auf. Wer möchte, bekommt eine Kopie des Films.

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