Das Vereinslokal im Sinne von Gaststätte ist eine aussterbende Gattung. Die Stadt Bergkamen soll den Vereinen jetzt helfen, Räume zu finden. Die müssen nicht unbedingt ihr selbst gehören.

Bergkamen

, 18.10.2018, 15:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Als die Nachricht bekannt wurde, dass auch die Gaststätte Haus Heil in Oberaden im kommenden Jahr ihre Türen schließt, war das nur ein weiteres Kapitel um das Gaststätten-Sterben in Bergkamen. Schon in anderen Bergkamener Ortsteilen mussten sich die Vereine nach anderen Treffpunkten und Veranstaltungsorten umschauen, nachdem ihr Vereinslokal aufgegeben hatte.

Das Vereinslokal stirbt – jetzt sucht die Stadt nach Räumen

Veranstaltungen in Gaststätten, wie es noch vor einigen Jahren üblich war, gibt es kaum noch – mangels Gaststätten. © Stefan Milk

Stadt erfasst Räume

Dabei sollen sie jetzt Hilfe bekommen: Der Stadtrat hat die Stadtverwaltung auf Antrag der SPD-Fraktion beauftragt, den Bedarf an Räumen für die Vereine in den einzelnen Stadtteilen zu erfassen und dafür zu sorgen, dass ausreichend Platz zur Verfügung steht.

Nach geeigneten Räumen will sich die Stadtverwaltung allerdings nicht nur in ihren eigenen Gebäude umsehen, wie Baudezernent Dr. Hans-Joachim Peters erläutert, der für die städtischen Liegenschaften zuständig ist. Damit hat die Stadtverwaltung ohnehin schon Erfahrung. In Rünthe beispielsweise ist die Mensa der Regenbogenschule – der ehemaligen Hellweg-Hauptschule – schon seit einigen Jahren der bevorzugte Treffpunkt für Vereine und andere Institutionen, seit die klassischen Lokale mit Saal im Ortsteil fast alle geschlossen haben.

Das Vereinslokal stirbt – jetzt sucht die Stadt nach Räumen

Das Vereinsheim in der Anlage Grüner Winkel ist schon seit einiger Zeit die Heimat einer Reihe anderer Vereine. © Stefan Milk

Wenig öffentliche Räume

In anderen Ortsteilen ist die Situation allerdings noch schwieriger. In Weddinghofen beispielsweise fehlt ein größerer Saal, seit die Gaststätte Lenz an der Schulstraße (Zum schrägen Otto) geschlossen ist. Städtische Ausweichräume sind rar, insbesondere seit die Stadt auch die Heide-Hauptschule schließen musste, die demnächst abgerissen werden soll. Die Weddinghofer Sportvereine weichen bei größeren Veranstaltungen – wie der Verleihung der Sportabzeichen – schon auf das alevitische Zentrum aus, das zurzeit allerdings auch nicht zur Verfügung steht. Es soll aus- und umgebaut werden.

„Wir können sicherlich auch nicht den Anspruch haben, alle Vereine in städtischen Räumen unterzubringen“, sagt der Baudezernent. Grundsätzlich sieht Peters auch in der Inanspruchnahme von vereinseigenen Veranstaltungsräumen eine Lösung, die Raumnot bei den Vereinen zu beheben. Er will deshalb nicht nur die städtischen Räume und ihre Kapazitäten in den Stadtteilen erfassen lassen, sondern auch die Vereinsheime. Dabei soll es auch um die Möglichkeit gehen, ob sie auch von anderen Vereinen mit genutzt werden können.

Das Vereinslokal stirbt – jetzt sucht die Stadt nach Räumen

Das Vereinsheim der Kleingartenanlage Krähenwinkel nutzt die IG BCE Weddinghoen an diesem Wochenende für einen kommunalpolitischen Frühschoppen. © Stefan Milk

Vereinsheim mitgenutzt

Auch dafür gibt es bereits eine ganze Reihe von Beispielen. Das Vereinsheim der Kleingartenanlage „Krähenwinkel“ an der Töddinghauser Straße wird immer häufiger von Vereinen und Institutionen aus dem Ortsteil genutzt. An diesem Wochenende beispielsweise lädt die IG BCE-Ortsgruppe in das Vereinsheim zu einer kommunalpolitischen Diskussion ein. Der SPD-Ortsverein Rünthe nutzte das Vereinsheim des Tennisclubs Blau-Weiß (TVB) erst unlängst für seine Jubilarehrung und der Kleingartenverein „Grüne Insel“ in Bergkamen-Mitte stellt sein Vereinsheim bereits einer ganzen Reihe von Vereinen zur Verfügung. Unter anderem probt dort der MGV Teutonia einmal pro Woche.

Bei der Bestandsaufnahme will der Baudezernent auch Sicherheitsaspekte wie Brandschutz und Fluchtwege überprüfen lassen – und, ob die Räume, die den Vereinen jetzt zur Verfügung stehen, überhaupt angemessen sind. Als Beispiel nennt er die Nutzung des Dachgeschosses in der Schillerschule durch Vereine, die er aus zwei Gründen für problematisch hält. Die Räume sind nicht barrierefrei zu erreichen und unter dem Dach herrscht oft nicht das angenehmste Klima. „Das Raumangebot muss auch Qualitätsansprüchen genügen“, sagt er.

Das Vereinslokal stirbt – jetzt sucht die Stadt nach Räumen

Beim Umbau des Stadtmuseums ist ein neuer Eingang mit Foyer geplant (weißer Teil). Es soll auch für Vereinsveranstaltungen nutzbar sein, fordert die SPD.

Rücksicht auf Vereine bei Bauplänen

Die Belange der Vereine sollen auch bei den Planungen für öffentliche Gebäude künftig stärker berücksichtigt werden. Die SPD fordert in ihrem Antrag beispielsweise, dass das geplanten Foyers am neuen Eingang des Stadtmuseums in Oberaden so gebaut werden soll, dass es nicht nur Schulklassen und andere Besuchergruppen aufnehmen kann. Der Raum soll auch vom Museum abgekoppelt nutzbar sein – zum Beispiel, wenn Vereine ihn für Versammlungen nutzen wollen. Er soll auch als Veranstaltungsraum nutzbar sein – zum Beispiel für Kleinkunstveranstaltungen des Kulturreferats.

Auch bei anderen Umbauten an öffentlichen Gebäuden dürfte sich die Möglichkeit ergeben, dort Räume für Veranstaltungen zu schaffen. Ein Beispiel dafür ist die Mensa der Regenbogenschule. Dort befand sich ursprünglich das Lehrschwimmbecken der ehemaligen Hellweg-Hauptschule. Als sich die Stadt vor Jahren dazu entschloss, aus Kostengründen die Lehrschwimmbecken an den Schulen aufzugeben, baute sie das Gebäude gleich zur Mensa um, die auch als multifunktionaler Raum für Versammlungen und Diskussionen nutzbar ist.

Auch an anderen Schulen gab es solche Beispiele. Das ehemalige Lehrschwimmbecken der Willy-Brandt-Gesamtschule wurde jahrelang in den Wintermonaten auch vom Bogensportclub Bergkamen für das Training genutzt. Mittlerweile sind die Bogensportler in ein anderes städtisches Gebäude umgezogen. Sie nutzen die Turnhalle der ehemaligen Albert-Schweitzer-Schule in Oberaden.

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