Auf der Kurzwelle führen die Funker Gespräche über Gott und die Welt

dzTreffen der Funkamateure

Die Mitglieder des Amateur Radio-Clubs kommunizieren weltweit, ohne große Reisen unternehmen zu müssen. In Bergkamen allerdings treffen sich die Amateurfunker von Angesicht zu Angesicht.

von Klaus-Dieter Hoffmann

14.04.2019 / Lesedauer: 3 min

Eigentlich sind die Mitglieder des Deutschen Amateur Radio-Clubs (DARC)/Distrikt Westfalen-Süd das ganze Jahr über rund um den Globus unterwegs. Doch für ihre Mitgliederversammlung haben sie bereits zum dritten Mal den profanen Koordinatenpunkt 51.606880N/7.653480E ausgesucht.

Distrikt reicht von Siegen bis Hattingen

„Liegt für uns alle am günstigsten“, meinte deren erster Vorsitzender mit der Kennung DK5DC. Natürlich hat DK5DC mit Peter Glasmacher aus Werl auch einen weltlichen Namen. Und auch bei dem Koordinatenpunkt handelt es sich schlichtweg nur um das Restaurant „Schützenheide“ in Bergkamen.

Neben einem regen Gedankenaustausch, gab es bei der Mitgliederversammlung auch Ehrungen für langjährige Mitglieder. Pokale für 40 Jahre Mitgliedschaft gab es für 53 Funker, für 50 Jahre für 11 Funker und für 60 Jahre für 13 Funker. Allerdings verteilen sich diese auf den gesamten Distrikt, der sich von Siegen bis Herne, von Marsberg bis Hattingen erstreckt.

Auf der Kurzwelle führen die Funker Gespräche über Gott und die Welt

Die organisierten Bergkamener Funkamateure wie Achim Wortmann gehören zum Distrikt Südwestfalen. Der kam jetzt in der Schützenheide zusammen. © Borys Sarad


Das Wetter ist wichtig

„Früher hatten wir uns beim Funken tatsächlich noch zuerst nach dem Wetter erkundigt“, beschreibt Peter Glasmacher seine Leidenschaft, die er weltweit mit über vier Millionen Amateurfunkern teilt. „Dabei ging es jedoch nicht darum, ob der Gesprächspartner gerade bei Sonnenschein auf seiner Terrasse sitzt“, erklärt Peter Glasmacher. „Vielmehr sind die Wetterbedingungen enorm wichtig für das störungsfreie Funken.“ Sogar der Mond, die Meteoriten und auch das Nordlicht seien wertvolle Reflektoren, will man mal um die ganze Welt funken.

Hilfe für die chinesische Raumsonde

Längst seien die Zeiten auch vorbei, wo man die Amateurfunker mit ihren Drahtantennen milde belächelt hat. So waren viele Funker in der westlichen Hemisphäre an der erfolgreichen Mondlandung der chinesischen Raumsonde beteiligt, indem sie Funksignale aus dem Mondorbit über Relaisstationen nach China weitergeleitet hatten, wenn sich China gerade auf der mondabgewandten Seite befand. Noch verblüffender ist die Tatsache, dass die Amateurfunker inzwischen sogar exakt 100 Satelliten im Erd-Orbit kreisen haben, den einhundertsten sogar „geostationär“, erzählt Glasmacher zurecht mit ein wenig Stolz.

Ortsverband Bergkamen

Treffen in Sandbochum

Wer im Raum Kamen/Bergkamen einem Funkerclub beitreten möchte, dem empfiehlt sich eine Fahrt zum Kronenstübchen in Sandbochum an der Dortmunder Straße. Dort treffen sich nämlich jeden 1. Mittwoch im Monat um 20 Uhr Achim Wortmann und seine Funkerfreunde vom Ortsverband Bergkamen.

Gespräche über Gott und die Welt

„Trotzdem sind wir Amateurfunker schon ziemlich verrückt“, gesteht der bekennende Technik-Freak Peter Glasmacher. „Oft sitzen wir ganz allein in unserem Funk-Raum und suchen die Kurzwellen-Frequenzen nach menschlichen Stimmen ab.“ Habe man dann aber einen Kontakt hergestellt, kämen immer richtig gute Gespräche zustande, begeisterte sich Glasmacher. „Wir reden dabei über Gott und die Welt, über persönliche, technische und wissenschaftliche Dinge. Nur die Politik muß draußen bleiben.“

Wobei in den Zeiten des Kalten Krieges gerade der Amateurfunk für die Menschen hinter dem Eisernen Vorhang ein wichtiges Tor zur Welt war, weiß Glasmacher zu berichten. „Allein in Russland gibt es derzeit 500000, in China immerhin 20000 Amateurfunker.“

Das Amateurfunken den Kopf jung hält, dafür ist bei der Mitgliederkonferenz der 82-jährige Alfred Schlendermann aus Bochum, Kennung DL9GS, der lebende und überaus rege Beweis. „Für uns ist Alfred Schlendermann zudem eine wahre Ikone des Tastfunkens und des Morsens“, berichtet Achim Wortmann, Rufzeichen DL1DAW, aus dem Ortsverband 47 Bergkamen. „Inzwischen ist sogar das Morsen von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt worden.“

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