Auf dem als abendlichen Treffpunkt von jungen Autofahrern beliebten Wellenbadparkplatz herrscht relative Ruhe. Ein Teil des Problems, über das Anwohner klagen, hat sich aber nur verlagert.

Weddinghofen

, 26.06.2019 / Lesedauer: 4 min

Die jungen Männer, die an einem heißen Sommerabend mit ihren Autos auf dem Parkplatz des Wellenbades stehen, machen eigentlich einen ganz friedlichen Eindruck. Und man kann mit ihnen reden. Ja, sie kämen alle aus Bergkamen, sagen sie. Sie träfen sich regelmäßig abends auf dem Parkplatz am Häupenweg. Natürlich ist ihnen zu Ohren gekommen, dass es Beschwerden von Anwohnern gibt über Lärmbelästigung durch Musik und lautstarke Autorundfahrten auf dem Parkplatz. „Aber das sind nicht wir!“, versichert einer der jungen Männer.

Ein Golf-Fahrer aus Hagen gibt Gas

Wie zum Beweis gibt in diesem Augenblick ein paar Meter weiter der Fahrer eines Golfs mit Hagener Kennzeichen Vollgas und beschleunigt mit quietschenden Reifen. Die Bergkamener schütteln demonstrativ den Kopf: „Der hat bestimmt keinen Führerschein.“ Den hat der Golf-Fahrer. Sonst wäre er wohl nicht von Hagen nach Weddinghofen gekommen. Die Fahrt unternehme er öfter, um hier Freunde zu treffen, sagt er. Auf seinen rasanten Fahrstil angesprochen, gelobt er Besserung. Ihn hätten schon einige Altersgenossen darauf hingewiesen, dass er sich auf dem Parkplatz benehmen soll.

Auf dem Wellenbadparkplatz entspannt sich die Lage, doch auf dem Häupenweg rasen die Autos

Wie Anwohner berichten, nutzen Autofahrer den Häupenweg abends als Rennstrecke. Vor allem freitags und samstags. © Marcel Drawe


Eine heterogene Szene

Es sind also wohl unterschiedliche Gruppen, die die Fläche vor dem Wellenbad als Treffpunkt nutzen. Hier kommt eine heterogene Szene zusammen. Beschwerden von Anwohnern gibt es seit Jahren, im Herbst 2018 kochte die Diskussion über die „Raserszene“ am Häupenweg wieder einmal hoch. Die städtische Ordnungsdezernentin Christine Busch konstatierte damals eine gewisse Machtlosigkeit der Behörden, schließlich sind Treffen im öffentlichen Raum grundsätzlich nicht verboten. Immerhin stellte die Stadt einige zusätzliche Sperren auf, um den Freunden PS-starker Autos nicht nur den Rundkurs zu verbauen, sondern auch Beschleunigungsrennen zu verhindern.

Auf dem Wellenbadparkplatz entspannt sich die Lage, doch auf dem Häupenweg rasen die Autos

Nachdem sich im vergangenen Jahr Beschwerden häuften, stellt die Stadt zusätzliche Sperrgitter auf. © Stefan Milk


Zuletzt ist es wohl ruhiger geworden

Mit einem gewissen Erfolg, wie es scheint. „Mir ist zu Ohren gekommen, dass auf dem Wellenparkplatz ruhiger geworden ist“, sagt SPD-Ratsmitglied Julian Deuse, zu dessen Wahlbezirk das fragliche Gebiet gehört. Paradiesische Stille ist nicht ausgebrochen; Deuse hört immer mal wieder Anwohner-Klagen, aber insgesamt habe sich die Situation wohl verbessert - auch wegen der städtischen Absperrungen. Das sieht auch Dezernentin Busch so. Jedenfalls hätten ihr weder der städtische Ordnungsdienst noch die Polizei in jüngster Zeit von negativen Vorkommnissen rund um das Wellenbad berichtet. Wer allerdings an einem Sommerabend durch das Wohngebiet auf der anderen Seite des Häupenweges radelt und mit Anwohnern in ihren Gärten oder auf der Straße spricht, der bekommt ein etwas differenziertes Bild von der Lage.


Auf dem Parkplatz liegt viel Müll

Laut sei es abends immer noch auf dem Wellenparkplatz, berichten die Weddinghofer und meist sei der Parkplatz nach den Treffen der jungen Autofahrer mit Müll übersät. Das ist allerdings nicht das Thema, das den Wellenbad-Nachbarn wirklich Sorgen bereitet: Mehrere von ihnen berichten unabhängig voneinander, dass sich die Raserei vom Parkplatz auf den Häupenweg verlagert habe. Insbesondere an Freitag- und Samstagabend ignorierten die jungen Autofahrer auf der Straße vor dem Wellenbad das Tempo-50-Limit vollständig. Das nehme schon die Form einer Verkehrsgefährdung an, meint eine Frau, die in der Nähe wohnt. Geschwindigkeitskontrollen der Polizei habe sie hier bisher noch nie gesehen.

Auf dem Wellenbadparkplatz entspannt sich die Lage, doch auf dem Häupenweg rasen die Autos

Die Sperrgitter erfüllen offenbar ihren Zweck, Rund- und Beschleunigungsrennen sind auf dem Parkplatz nicht mehr möglich. © Marcel Drawe


Kein Einsatzschwerpunkt der Polizei

Die hat es auch nicht gegeben, sagt auf Nachfrage die Pressesprecherin der Kreispolizeibehörde Unna, Vera Howanietz. In diesem Jahr hatte die Polizei nach ihren Angaben erst einen Einsatz auf dem Häupenweg: „Da ging es um eine Verkehrsunfallflucht.“ Gleichwohl wisse die Polizei um die Problematik auf dem Wellenbad-Parkplatz und fahre dort auch immer mal wieder vorbei. Nach dem Eindruck der Bezirksbeamten vor Ort sei es durchaus möglich, sich mit den jungen Erwachsenen, die sich dort treffen, vernünftige Gespräche zu führen. Der Parkplatz und der Häupenweg seien deshalb derzeit keine Einsatzschwerpunkte der Polizei sagt Howanietz. Allzu sicher sollten sich die Raser auf dem Häupenweg allerdings auch nicht fühlen: „Irgendwann wird es auch da Kontrollen geben.“

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