Ein Instrument in nur wenigen Stunden lernen - das gibt es beim Blues-Harp-Workshop von Dietmar Spatz. Dabei geht es um ein Instrument, das fast jeder als Kind gehabt hat.

von Alexandra Prokofev

Bergkamen

, 26.05.2019 / Lesedauer: 3 min

Eine Hand liegt am kleinen Instrument, die Finger der anderen gleiten entlang des Notenblatts. Sieben Mundharmonikas ertönen und Leiter Dietmar Spatz greift nach der Gitarre. Schon bald klingt es, als würde im Pestalozzihaus eine Szene aus dem Wilden Westen gedreht. Aber es handelt sich um den Blues-Harp-Workshop, bei dem ein erfahrener Musiker sieben Teilnehmern das kleine Instrument näher bringt. „Das ist wie Lego spielen, man braucht die verschiedenen Bausteine um etwas zusammenzubauen“, sagt Spatz und zeigt auf die skizzierten Tonfolgen an der Wand.

Ein Instrument, dass man überall mitnehmen kann

Der Kurs beginnt mit einzelnen Noten und einem „Alle meine Entchen“. Die Teilnehmer und Teilnehmerinnen schauen mit konzentriertem Blick auf die Tonreihen, wippen mit einem Fuß den Takt mit und setzen ein: Scharfe Töne erklingen im Raum. „Ich wollte unbedingt ein Instrument lernen, das ich überall hin mitnehmen kann“, sagt Teilnehmer Armin Hüsing. In seiner Hand ist eine silberne Mundharmoniker mit Holzdetails. Vor ihm ein Notizblock und Stift.

Auf dem Weg zum Blues in nur wenigen Stunden

Es gibt aber auh Theorie im Unterricht. Bei seinen Workshops erklärt Spatz auch den Aufbau der Takte. © Marcel Drawe

Teilnehmer üben das „Handvibrato“

Besonders schwer sei es, den richtigen Ton im kleinen Instrument zu treffen und die Atmung zu kontrollieren. Mal üben die Teilnehmer das „Handvibrato“ und der Ton flattert vom Hohem zum Tiefen. Mal versuchen sie, den letzten Ton „lang zu biegen“ - alles nach den verschiedenen Bausteinen, die der Experte ihnen vorgibt.„Das ist das Tolle an der Musik“, sagt Spatz, „Sie hat immer eine Logik, wie in der Mathematik“. Und diese Logik versucht der Musiklehrer weiterzugeben. Immer wieder werden die Teilnehmer gefordert und erhalten eine Rückmeldung vom Profi. Spatz selbst spielt 12 Instrumente. In die Mundharmoniker hat sich der gebürtige Bergkamener mit 18 Jahren verliebt. Bis heute ist es sein Lieblingsinstrument. „Es ist einfach dieser Sound“, sagt er. Zum vierten Mal gibt der Musiker einen Mundharmonika-Workshop in Bergkamen. Die „Blues-Harp“ sei ein Instrument, das bei den Lernenden schnell zu Erfolgserlebnissen führt. Und tatsächlich können die Anfänger schon nach einigen Stunden eine Melodie anstimmen.

Auf dem Weg zum Blues in nur wenigen Stunden

Die Instrumente gibt es in unterschiedlichen Größen, die auch unterschiedlich klingen. © Marcel Drawe

Improvisation ist wichtig

Aber auch Improvisation sei bei der Mundharmoniker wichtig. Spatz erzählt von seiner Zeit in Shanghai, als er von einer 12-köpfigen Band zum „Mitjammen“ eingeladen wurde. Er greift zur Mundharmonika und beginnt kräftige Töne zu pusten. Mit kleinen und großen „Bausteinen“, also Tonfolgen, probieren sich die Teilnehmer aus. „Wenn man die kennt, dann kann man mit jedem Musiker auf der Welt spielen“, berichtet Spatz. Er verteilt weitere Notenblätter und Stück für Stück proben die Anfänger auch Fortgeschrittenen-Stücke wie „You are my Sunshine“. Begleitet von den Blues-Gitarrenklängen des Profis kommen alle in den Rhythmus des Liedes. Ein lang-gezogener Ton, eine kleine Hechelatmung und schon bald klingt es, als probe eine Blues-Band in dem Hinterraum des Gebäudes. „Der Zug ist noch am Bahnhof, fährt langsam an, nimmt Fahrt auf“, sagt Spatz. Schon bald ertönen Munddharmoniker-Klänge, die an das scharfe Hupen eines Zuges erinnern. Mal ganz markant, mal ganz weich klingen die Töne. „Ich atme durch mein Instrument“, sagt Spatz und zeigt den anderen verschiedene Tonfolgen.

Auf dem Weg zum Blues in nur wenigen Stunden

Die kleinste Blues-Happ ist die „Piccolo“. Sie passt auch in die Jackentasche. © Marcel Drawe

Ton verändert sich, je nachdem ob die Teilnehmer pusten oder ziehen

Je nachdem ob die Teilnehmer pusten oder ziehen, verändert sich der Ton. „Ich wusste nicht, das Blues so schön sein kann“, sagt Armin Hüsing. Bisher war er kein Fan von der Blues-Musik. „Aber die Mundharmoniker klingt schon verdammt gut“. Gegen Ende jeder Melodie sind die Teilnehmer außer Atem und der ganze Körper entspannt sich. „Die Lego-Bausteine habe ich euch mitgegeben“, sagt Spatz zu den Teilnehmern. Und zuhause entscheide jeder selbst, welches Gerüst er daraus baut.“

Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Klage vor dem Verwaltungsgericht

Auch das Eilverfahren um die geräumten Häuser kann länger dauern

Hellweger Anzeiger Ferienprogramm der Friedenskirche

Für die Fahrt zum „Dschungelbuch“ und den Ausflug zum Klettern sind noch Plätze frei