Auch wenn der Kopf die Trauer nicht fassen kann - das Herz wird nicht dement

dzHilfe für demenzkranke Angehörige

An Demenz erkrankte Menschen bedürfen besonderer Betreuung, wenn ein naher Angehöriger stirbt. Zwei Bergkamener Bestatterinnen haben sich für den Umgang mit solchen Situationen fortgebildet.

von Werner Wiggermann

Bergkamen

, 13.09.2019, 16:40 Uhr / Lesedauer: 2 min

Opa kommt nicht mehr nach Hause, nie mehr. Aber Oma fragt immer wieder! Einfach irgendwann aufgeben? Oma in ihrem abgeschotteten Weltbild lassen, in dem ihr Partner immer da war? Es gibt bessere Wege - und Oma die Trauer ganz zu ersparen, das geht sowieso nicht, denn „das Herz wird nicht dement“, wissen Vanessa Gliefe und Jutta Grziwotz-Schäfer.

Die beiden Mitarbeiterinnen des Bestattungshauses Schäfer-Kretschmer & Hünerbein sind die ersten beiden Fachfrauen in Nordrhein-Westfalen, die sich auf den Umgang mit trauernden Demenzkranken durch eine Fortbildung vorbereitet haben. Lernen konnten sie vor allem aus praktischen Erfahrungen aus den Niederlanden. „Die Holländer sind auch hier schon viel weiter“, weiß Jutta Griwotz-Schäfer. Trauerbegleiter absolvierten dort eine Doppelausbildung, die sie auch auf den Umgang mit Demenz und Alzheimer-Erkrankungen vorbereiteten. In vielen Fällen würden dann Hinterbliebene längere Zeit immer wieder im Pflegeheim aufgesucht, um ihnen eine angemessene Hilfestellung zu bieten.

Auch wenn der Kopf die Trauer nicht fassen kann - das Herz wird nicht dement

Bei den Demenzkranken kann der Umgang mit gewohnten Gegenständen Erinnerungen wecken. © Stefan Milk


Grad der Erkrankung feststellen

Aus dem Wissen heraus, dass die Erkrankten den Verlust natürlich doch irgendwann wahrnehmen und spüren - egal ob es nun der langjährige Ehepartner, ein Kind oder sogar ein Enkelkind ist, das nun nicht mehr nach Hause kommt. Wie eine angemessene Hilfestellung aussehen kann, entscheidet sich vor allem durch den Grad der Erkrankung. „In den schlimmsten Fällen scheint der oder die Betroffene gar nicht mehr erreichbar zu sein“, weiß Jutta Griwotz-Schäfer. Da müsse man auch den anderen Angehörigen mit großem Feingefühl entgegenkommen. Indem man sie ermutige, die Situation realistisch zu sehen und zu akzeptieren.

Und auf vielleicht kommende Momente zu setzen, in denen dann doch ein Brückenschlag zwischen dem Leben in der Vergangenheit und der aktuellen Situation möglich ist.

Aufbahrung zuhause? - warum nicht!

Der Brückenschlag kann aber durch die Betreuenden unterstützt werden. „Zum Beispiel, indem man ein altes Foto des oder der Verstorbenen hinstellt und mit einem Trauerflor versieht“, erklärt Jutta Griwotz-Schäfer. Anknüpfungen seien auch möglich, indem man auf bestimmte Rituale zurückgreife, die sonst nicht mehr üblich sind. Das Rosenkranzbeeten zum Beispiel könnte eine Verbindung begünstigen. Oder auch die Aufbahrung des verstorbenen Angehörigen in der häuslichen Umgebung - eine durchaus noch erlaubte, wenn auch unüblich gewordene Alternative zur Aufbahrung in der Trauerhalle.

Musik kann Erinnerung aktivieren

Bei der Trauerfeier könne Musik die Erinnerung aktivieren und in Beziehung zur traurigen Situation setzen. Das Hochzeitslied vielleicht, oder ein Disco-Titel aus den 70er Jahren, das einfach schöne Momente für einen Augenblick die Gegenwart erhellen lässt. Vertraute Gegenstände leisten ähnliche Dienste. Um solche Möglichkeiten auszuloten, sei eine sehr enge Zusammenarbeit mit der Familie unumgänglich, betont die Bestatterin. Sehr hilfreich sei oft auch ein intensiver Kontakt zu den Pflegern oder Pflegerinnen, die die demenzkranken Hinterbliebenen in ihrer aktuellen Situation oft am besten einschätzen können. Allein schon, um herauszubekommen, wann - zu welcher Tageszeit oder an welchen Tagen - diese am ehesten auch klare Momente für die Wahrnehmung der Gegenwart haben. Momente für die unvermeidliche Trauer, Momente für helfende Hände.

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