Auch für umweltfreundliche Planungen muss es einen Ausgleich geben

dzAusgleichsmaßnahmen

Eine Planung kann noch so umweltfreundlich sein. Trotzdem muss ein Ausgleich her – und ein Platz dafür ist meist nicht so leicht zu finden.

Bergkamen

, 04.12.2019, 16:44 Uhr / Lesedauer: 3 min

Wenn die Stadt Bergkamen etwas plant, ganz gleich, ob es sich um ein neues Baugebiet, einen Sportplatz oder sogar einen Radweg handelt, muss sie sich gleich doppelt nach geeigneten Flächen dafür umsehen. Eine Fläche für die geplante Maßnahmen und meist deutlich mehr Flächen, um einen Ausgleich für den sogenannten „Eingriff in Natur und Landschaft“ zu leisten.

Auch für umweltfreundliche Planungen muss es einen Ausgleich geben

Den Ausgleich für den Radweg nimmt die Stadt auf einer Fläche am Schwarzen Weg in Rünthe vor. © Borys Sarad

Ausgleich auch, wenn die Planung umweltfreundlich ist

Das ist alles andere als einfach, und manchmal einfach ungerecht, findet der Bergkamener Baudezernent Dr. Hans-Joachim Peters. Der Ausgleich wird auch dann fällig, wenn die Planung eigentlich der Umwelt nütze, ärgert er sich. Ein Beispiel dafür: Der neue Radweg an der Landwehrstraße in Richtung Hamm. In Peters´ Augen sorgt er dafür, dass der eine oder andere das Auto auch einmal stehen lässt.

Auch für umweltfreundliche Planungen muss es einen Ausgleich geben

Auch für das Baugebit Hof Theiler in Overberge war ein Ausgleich fällig. © Borys Sarad

„Die Landwirte haben mir einen Vogel gezeigt“

Ausgleichsmaßnahmen waren trotzdem fällig und damit begannen für die Planer das Problem. Es sei recht leicht gewesen, Landwirte dazu zu bringen, der Stadt die drei Meter Fläche für den Radweg an der Südseite der Straße zu verlaufen. „Aber als ich auch noch nach Ausgleichsflächen gefragt habe, haben sie mir den Vogel gezeigt“, erinnert sich Peters.

Im dicht besiedelten Bergkamen können Landwirte kaum Flächen entbehren – und deshalb ist es schwer, in der Stadt Ausgleichsflächen für Planungsvorhaben zu finden. Oft weichen Behörden deshalb auf Flächen weit außerhalb der Stadt aus – dort, wo die Bergkamener nichts mehr davon haben.

Auch für umweltfreundliche Planungen muss es einen Ausgleich geben

Ausnahmsweise befindet er sich direkt an dem Baugebiet Hof Theiler. Oft liegen die Ausgleichsflächen für Planungen aber weit entfernt. © Borys Sarad

Ausgleich oft weit entfernt

Straßen NRW plant beispielsweise für den Ausbau der A 1 auf sechs Spuren gleich mit Ausgleichsflächen in Ascheberg und Nottuln. Die PueD GmbH, die für den Bau ihres Gesundheitszentrums auf Grimberg 3/4 neuen Wald pflanzen muss, hat erst nach langen Suchen eine geeignete Fläche gefunden: in Sendenhorst, etwa 40 Kilometer und mehr als eine halbe Stunde mit dem Auto von Bergkamen entfernt.

Auch für umweltfreundliche Planungen muss es einen Ausgleich geben

Als die Stadt die Sportanlagen an der Hansastraße plante, musste sie auch dafür einen Ausgleich schaffen. © Borys Sarad

Flächen werden oft nicht angelegt oder nicht gepflegt

Das Problem teilt sich Bergkamen mit mehr oder weniger allen anderen Kommunen im Kreis Unna. Und selbst, wenn sich in der Stadt oder sogar in der Nähe des Bauvorhabens eine Ausgleichsfläche findet, heißt das nicht, dass die Natur tatsächlich etwas davon hat. „Nach unseren Erfahrungen wird ein Teil dieser Ausgleichsflächen gar nicht erst angelegt und ein Teil wird zwar angelegt, aber nicht gepflegt“, sagt Peter Driesch, der Leiter des Fachbereichs Natur und Umwelt beim Kreis Unna. Das liegt zum einen daran, dass es schwer ist, überhaupt geeignete Flächen zu finden und zum anderen, dass die Pflege Geld kostet und organisiert werden muss.

Auch für umweltfreundliche Planungen muss es einen Ausgleich geben

Ausgleich ist eine Obstwiese ganz in der Nähe. Bei solchen Flächen ist die mangelnde Pflege nachdem sie angelegt sind, aber auch oft ein Problem. © Borys Sarad

Kreis Unna hat Flächenpool

Auch Driesch kennt das Problem, Flächen zu finden. Der Kreis Unna hat sich deshalb schon vor Jahren darauf verlegt, interessante Flächen aufzukaufen, die sich für Ausgleichsmaßnahmen eignen. Der Fachbereich hat dafür ein Budget von einer Million Euro im Jahr hat, damit er schnell zugreifen kann, wenn Flächen auf den Markt kommen. Kommunen, die Flächen benötigen, bekommen sie aus dem Pool. Der Kreis kümmert sich auch um die Pflege der Flächen.

Driesch kann immerhin garantieren, dass sich innerhalb Kreisgebiet eine Ausgleichsfläche findet. Die kann allerdings im Extremfall trotzdem relativ weit weg liegen. Für eine Planung in Selm kann sich Ausgleich theoretisch auch in Fröndenberg befinden.

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Bergkamen beteiligt sich bisher nicht

Mittlerweile haben sieben Städte und Gemeinden aus dem Kreis Unna einen Vertrag mit dem Kreis geschlossen, dass er für sie die erforderlichen Flächen bereitstellt und sie pflegt. 2003 war Unna die erste Kommune, die den Vertrag unterzeichnet hat, 2018 Werne die bisher letzte. Nur drei Städte kümmern sich noch selbst um die Flächen. Neben Lünen und Schwerte gehört auch Bergkamen dazu.

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Für den Radweg an der Landwehrstraße hat die Stadt Bergkamen übrigens doch noch eine Ausgleichsfläche gefunden. Sie liegt zumindest so nah an der Landwehrstraße, dass sie bequem mit dem Fahrrad zu erreichen ist. Für die Genehmigung des Radwegs hat die Stadt Bäume auf einer Fläche am Schwarzen Weg in Rünthe gepflanzt.

Ausgleichsflächen
Ein Ausgleich ist für jedes größere Baugebiet fällig

  • Ausgleichsmaßnahmen können auf unterschiedlichen rechtlichen Gründen fällig sein.
  • Der häufigste Grund ist die Bauleitplanung – wenn eine Kommune einen neuen Siedlungsbereich oder ein Gewerbegebiet plant. Das ist immer dann auf jeden Fall so, wenn Planung mehr als zwei Hektar in Anspruch nimmt – nicht ganz drei Fußballplätze.
  • Was sich dort vorher befand, spielt keine Rolle – auch wenn sich dort vorher ein ökologisch nicht sehr wertvolles Maisfeld befand und ökologisch wertvollere Hausgärten entstehen.
  • Ausgleichsmaßnahmen können auch nach dem Forstrecht fällig sein. Wenn ein Stück Wald gefällt wird, muss auf jeden Fall eine größere Fläche wieder aufgeforstet werden.
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