Auch für die „Knolle 82“ am Rathaus ist die Corona-Krise eine harte Zeit

dzImbisswagen

Die Zeiten sind nicht leicht für Selbstständige mit einem kleinen Unternehmen. Auch der Imbisswagen „Knolle 82“ am Rathaus kämpft ums Überleben - und die Kundschaft kämpft mit.

Bergkamen

, 27.03.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

André Kattner steht an der Fritteuse in seinem Imbisswagen „Knolle 82“ und die Kunden halten respektvoll Abstand. Rechts steht ein Kunde, drei vier Meter vom Imbisswagen entfernt und mindestens doppelt so weit von dem Kunden rechts. Der eine wartet auf seine Bestellung und der andere ist gerade vorbeigekommen und will nur mal schnell „Hallo“ sagen, wenn auch aus der Entfernung.

In den Vor-Corona-Zeiten sah es ganz anders aus an der Knolle. Da saßen oder standen immer einige Kunden um den Wagen herum, tranken Kaffee und unterhielten sich über Gott und die Welt - ein kleiner sozialer Treffpunkt auf dem Platz der Partnerstädte.

Das Essen können die Kunden nur noch verpackt mitnehmen. Nachdem André Kattner es ihnen überreicht hat, müssen sie mindestens 50 Meter weit weg gehen.

Das Essen können die Kunden nur noch verpackt mitnehmen. Nachdem André Kattner es ihnen überreicht hat, müssen sie mindestens 50 Meter weit weggehen. © Stefan Milk

Der Tisch über der Deichsel ist hochgeklappt

Jetzt hat er den Deichseltisch eingeklappt und die Stehtische ganz zu Hause gelassen, berichtet Kattner. Wegen der Kontaktsperre darf sich dort ohnehin niemand mehr aufhalten. Rund um seinen Wagen hat er mit lila Kreide markiert, wie nahe Kunden seinem Wagen kommen dürfen. Nur um das Essen in Empfang zu nehmen und zu bezahlen, dürfen sie an den Wagen kommen.

Der Kunde links, der auf Pommes und Currywurst wartet, hat die Markierung noch gar nicht bemerkt und macht schnell einen Schritt zurück. Wenn ihm Kattner das verpackte Essen herausreicht, muss er sich mindestens 50 Mater weit entfernen, falls er sofort essen möchte.

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Ob es reicht, sich in den Randbereich des Platzes zu begeben, weiß Kattner auch nicht. „Ich mache meine Kunden darauf aufmerksam und dann sind sie selbst dafür verantwortlich, weit genug wegzugehen“, sagt er.

Der Imbisswagen öffnet jeden Tag gegen 11 Uhr und ist dann bis 14 Uhr geöffnet. Auch auf dem selbst gemalten Schild bittet der Betreiber seine Kunden, möglichst Anstand zu halten.

Der Imbisswagen öffnet jeden Tag gegen 11 Uhr und ist dann bis 14 Uhr geöffnet. Auch auf dem selbst gemalten Schild bittet der Betreiber seine Kunden, möglichst Anstand zu halten. © Stefan Milk

Nur noch etwa 30 Prozent vom Umsatz ist geblieben

Auch wenn der eine oder andere immer noch kommt, um sich sein Mittagessen von der Knolle mitzunehmen, verzeichnet der Imbiss erhebliche Umsatzeinbußen. André Kattner bietet nicht nur Pommes, Frikadellen und Currywurst an, sondern meist auch Eintöpfe. Sonst kommen viele Rathaus-Mitarbeiter und holen sich bei ihm in der Mittagspause etwas zu essen.

Jetzt aber hat der Bürgermeister im Rathaus den Schichtdienst eingerichtet, um das Infektionsrisiko zu senken. Das führt dazu, dass die städtischen Mitarbeiter entweder von morgens früh bis mittags oder von mittags bis zum frühen Abend arbeiten. Um die Mittagszeit sind sie entweder schon oder noch zu Hause. Die meisten essen mittags auch zu Hause, hat Kattner festgestellt.

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Das sind nicht die einzigen Probleme, die der Kleinunternehmer hat. An einem Tag in dieser Woche musste er den Wagen ganz schließen, weil er mit der jüngsten Tochter zu einer Untersuchung musste. Die Kinder werden jetzt zu Hause betreut, denn Schule und Kita sind geschlossen. Zu den Großeltern bringt das Ehepaar Kattner die Kinder nicht, wegen der Infektionsgefahr.

Der Imbissbudenbetreiber schätzt, dass er zurzeit nur noch etwa 30 Prozent der üblichen Einnahmen hat. Er hat den Imbiss zusammen mit seiner Frau vor etwa acht Jahren eröffnet. Seitdem lebt die Familie davon. Zwei Monate etwa kann er unter diesen Umständen durchhalten, schätzt der Kleinunternehmer, dann kommt er in ernsthafte finanzielle Probleme.

Die treuen Kunden kommen noch

Immerhin kommen seine treuen Kunden auch jetzt noch, um sich an der Knolle etwas zu essen zu holen. Der eine oder andere unterstützt ihn sogar hin und wieder mit etwas Trinkgeld. „Zumindest wenn ich vorher genug stöhne“, sagt Kattner lachend.

Wie auf Bestellung kommt ein Mann vorbei, wirft etwas Geld auf die Theke. „Für die Spendenkasse“, ruft er noch, dann ist er schon wieder weg. Zumindest auf ihre treuen Kunden kann sich die „Knolle 82“ verlassen.

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