Wildschweine gehören zum Wald dazu. Biologen und Jäger befürchten jedoch, dass die Population zu groß wird und die Tiere Schäden auch in Naturschutzgebieten anrichten. © picture alliance / dpa-tmn
Schäden im Wald

Auch die Wildschweine sind eine Gefahr für die Natur

Es gibt zu viel Wild im Wald. Das gilt nicht nur für die Rehe, sondern auch für Wildschweine. Die Tiere dringen zum Teil in Wohngebiete vor und richten in Naturschutzgebieten erhebliche Schäden an.

Als Biologin Kerstin Conrad vor einiger Zeit im Beverseegebiet unterwegs war, stellte sie einen erheblichen Schaden an einer Wildwiese fest. „Die Wiese war fast komplett schwarz gewühlt“, sagt die Mitarbeiterin der Biologischen Station in Heil. Diesmal waren jedoch keine menschlichen, sondern tierische Vandalen verantwortlich: Wildschweine hatten die Wiese auf der Suche nach Nahrung durchwühlt.

Für Conrad ist das eine kleine Katastrophe. Gerade die Wiesen im Beverseegebiet seien so etwas wie „der Porsche unter den wilden Wiesen“ in der Umgebung, schildert sie. Bis die Wiese sich von der Wildschwein-Attacke erholt hat, dauert es lange. Sie fürchtet, dass sich das Problem auch an anderen Stellen wiederholen könnte.

Wildschweine tauchen an neuen Stellen auf

Die Biologen haben ohnehin beobachtet, dass die Wildschweine an Stellen auftauchen, wo es früher keine Probleme gab und dort Schäden anrichten – unter anderem in den Lippeauen, einem der wertvollsten Naturbereiche im Kreis Unna. Es sind aber keineswegs nur Bereiche in der Natur betroffen. Es mehren sich Berichte, dass Wildschweinrotten auch bis in Wohngebiete vordringen und dort Schäden anrichten – bis hin zum umgewühlten Sportplatz.

Conrad geht davon aus, dass die Tiere an der Lippe zum Teil aus dem Cappenberger Wald kommen und sich oft auch dorthin wieder zurückziehen. Reinhard Middendorf, der Vorsitzende der Kreisjägerschaft Unna, geht allerdings davon aus, dass es auch in den Naturschutzgebieten wie am Beversee eine nicht unerhebliche Wildschweinpopulation gibt. Dort finden sie Nahrung und ausreichend Deckung. Sie vermehren sich vermutlich weiter, weil sie wie die Rehe keine natürlichen Feinde haben.

Wildschweine können eine Gefahr für den Straßenverkehr sein – beispielsweise wenn sie die viel befahrene Werner Straße überqueren (Symbolbild). © dpa © dpa

Jäger haben Probleme, die Tiere zu schießen

Eigentlich wäre es Sache der Jäger, die Wildschweinpopulation auf das richtige Maß zu dezimieren. Dabei sieht Middendorf aber aufgrund der Jagdbeschränkungen in den Naturschutzgebieten erhebliche Probleme. Die Jäger sprechen zurzeit mit dem Kreis Unna, ob er dort die Jagd von der Kanzel erlaubt, um mehr Rehe und Wildschweine schießen zu können.

Middendorf geht übrigens davon aus, dass die Wildschweine keine Gefahr für Spaziergänger darstellen, die im Beverseegebiet unterwegs sind. Die Tiere seien scheu und würden sich ins Unterholz zurückziehen. Die größere Gefahr sieht er für den Straßenverkehr – zum Beispiel wenn eine Bache mit ihren Jungen die Werner Straße überquert.

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Redaktion Bergkamen
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