Auch die Stadt hofft offenbar, dass die Geräumten wieder einziehen können

dzTöddinghauser Straße

Die Bewohner der geräumten Häuser haben offenbar Chancen, bald in ihre Wohnungen zurückzukehren. Vier im Stadtrat vertretenen Parteien sind aber offen irritiert, wen die Bewohner als Berater engagiert haben.

Bergkamen

, 02.09.2019, 15:28 Uhr / Lesedauer: 2 min

Für die Bewohner der geräumten Häuser an der Töddinghauser Straße besteht die Chance, dass sie bald wieder in ihre Wohnungen einziehen können. Wie die Stadt bereits bekannt gegeben hatte, wollen die zuständigen Behörden die beiden Häuser noch einmal in Augenschein nehmen. Mit dabei ist ein vereidigter, unabhängiger Brandschutzsachverständiger. „Von seiner Stellungnahme wird wesentlich abhängen wie unsere Entscheidung ausfällt“, sagte Bürgermeister Roland Schäfer.

Unabhängiger Gutachter soll Maßnahmen beurteilen

Bei der Begehung geht es darum, zu beurteilen, ob die bisher getroffenen Maßnahmen ausreichen, um den Brandschutz in den Häusern wieder so weit herzustellen, dass die Bewohner zurückziehen können. Die Bewohner selbst und Firmen hatten in den vergangenen Wochen eine ganze Reihe von Maßnahmen getroffen, um unter anderem Löcher in Wänden zu schließen, durch die Rauch und Kohlenmonoxid bei einem Brand hätten verbreiten können. Schäfer machte jetzt deutlich, welches Ergebnis bei der Begehung am liebsten wäre. „Wünschenswert wäre es, wenn die Bewohner wieder zurückziehen könnten – auch wenn möglicherweise die eine oder andere Maßnahme nach dem Wiedereinzug noch getroffen werden muss“, sagte er.

Auch die Stadt hofft offenbar, dass die Geräumten wieder einziehen können

Thomas Albrecht, der die Wohnungseigentümer beraten hat, zeigt Stellen, an denen die Wohnungseigentümer Brandschutzmaßnahmen getroffen haben. Unter anderem haben sie Durchbrüche an Rohrleitungen rauchdicht geschlossen. © Marcel Drawe

Antrag zur Ordnungsverfügung noch nicht entschieden

Der Bürgermeister machte deutlich, dass es bei dem Ortstermin noch immer um den Antrag der Eigentümergemeinschaft geht, die Ordnungsverfügung aufzuheben, die zur Räumung der Häuser geführt hatte. Trotz des Antrags und einer sechseitigen Ergänzung, die bei der Stadt eingegangen ist, sind die Behörden nach Schäfers Angaben nicht in der Lage eine abschließende Beurteilung abzugeben. In der sechsseitigen Ergänzung, die von dem ehemaligen Dortmunder Feuerwehrchef Klaus-Jürgen Schäfer stammt, werde auf Sachverhalte eingegangen, die mit der Ordnungsverfügung nichts zu tun haben. Dafür blieben andere Fragen unbeantwortet. Außerdem fehlten Belege von Fachfirmen und Nachweise, welche Materialien verwendet wurden.

Bürgermeister Roland Schäfer betonte, dass die Stadt darauf geachtet hat, dass die Aussagen des Gutachters „gerichtsfest“ sind. Sie sollen auch bei einer bereits angedrohten Klage gegen die Stadt Bestand haben.

Große Mehrheit im Rat irritiert über Berater der Eigentümer

Unterdessen haben sich auch die Ratsfraktionen von SPD, CDU und Grünen und die FDP-Vertreterin im Stadtrat zu Wort gemeldet. In einer gemeinsamen Erklärung teilen sie mit, dass sie sich bisher bewusst mit Äußerungen zu den geräumten Häuser zurückgehalten hätten. „Eine Politisierung dieses Themas ist nach unseren derzeitigen Beobachtungen nicht im Sinne der Betroffenen“, heißt es.

Sie formulieren in dem Schreiben auch ihr Unbehagen über die jüngste Entwicklung rund um die Häuser. Mitte Juli hätten sie noch den Eindruck gehabt, dass es relativ schnell zu einem Wiedereinzug kommt. Dann aber hätten die Wohnungseigentümer die Berater ausgetauscht.

Verbindung zur rechtsextremen Szene

Sie seien irritiert, dass der nun beauftragte Brandschutzsachverständige – gemeint ist offenbar Klaus-Jürgen Schäfer – und der von den Eigentümern beauftragte Rechtsanwalt André Picker „eindeutig der extrem rechten Szene zuzuordnen sind“. Klaus-Jürgen Schäfer war als Leiter des Dortmunder Instituts für Feuerwehr- und Rettungstechnologie (IFR) wegen Kontakten zu Neonazi-Gruppierungen suspendiert worden. Picker hat mehrfach Neonazis vor Gericht vertreten und wurde der rechtsextremen Szene zugeordnet.

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