Auch die Germanen sind da. Hereinspaziert ins Römerlager!

dzAn der Holz-Erde-Mauer im Römerpark

Nicht nur die Gallier zeigten sich wehrhaft. Widerstand gegen die Römer kam auch von den Germanen. In Oberaden treffen sie nach mehr als 2000 Jahren Sendepause wieder aufeinander.

von Niklas Mallitzky

Oberaden

, 07.07.2019, 13:43 Uhr / Lesedauer: 2 min

Auf der einen Seite das hochzivilisierte Römische Reich. Auf der anderen Seite die Wilden der Germanenstämme. Einigen römischen Chronisten hätte diese Gegenüberstellung bestimmt gefallen, doch die Wahrheit ist wie immer viel komplizierter. Ein Wochenende lang haben rund sieben Germanen und zwölf Römer ihre Zelte an der Holz-Erde-Mauer im Römerpark in Oberaden aufgeschlagen, um dort gemeinsam die Zeit des antiken Römerlagers wieder greifbarer zu machen.

Auch die Germanen sind da. Hereinspaziert ins Römerlager!

Stefan Todtenhausen (l.) und Erwin Hellmanczyk beim Speerwurf mit den selbstgefertigten Wurfgeräten. © Stefan Milk

Der friedliche Austausch steht im Mittelpunkt

Doch während in der Literatur vor allem die Auseinandersetzungen zwischen Römern und Germanen beschrieben wurde, steht hier der friedliche Austausch zwischen den beiden Kulturen im Vordergrund. Ivar, der außerhalb des Lagers Achim Müller heißt, hat zwar einen Speer dabei, den braucht er am Wochenende aber nur für Zielübungen. „Das Szenario hier ist, dass die Germanen auf der einen Seite der Mauer mit den Besuchern auf der anderen Seite Handel treiben wollen“, so Ivar. „So könnte das Leben hier zur Zeit des Römerlagers am ehesten ausgesehen haben.“ Natürlich hat der Historiendarsteller in selbstgenähten und gefärbten Kleidern auch Anhaltspunkte, die diese Theorie stützen. Rund 12 v. Chr. bauten die Römer in Oberaden das größte Kastell nördlich der Alpen, 20.000 Eichen mussten dafür weichen. „Ich vermute, dass die Römer das nicht nur selbst getan haben, sondern dafür Einheimische bezahlt haben“, führt Müller aus. Drei Tage verbringen die Historiendarsteller im Römerpark, dabei wollen die Lagerbewohner möglichst nah am historischen Vorbild bleiben.

Auch die Germanen sind da. Hereinspaziert ins Römerlager!

Ute Kronenberg und Stefan Siehoff aus der Eifel zählen bei der Aktion im Römerpark zu den Germanen. Drei Tage verbringen die Historiendarsteller im Römerpark, dabei wollen die Lagerbewohner möglichst nah am historischen Vorbild bleiben. © Stefan Milk

Die Germanen hatten einen ausgewogenen Speiseplan

So gibt es nur Nahrung, die damals auch schon zumindest den Römern bekannt gewesen sein dürfte. „Die Germanen hatten einen durchaus ausgewogenen Speiseplan“, meint Müller. „Auch hier hat der Handel mit den Römern und der kulturelle Austausch natürlich eine große Rolle gespielt.“

Während Ivar vor der Mauer mit seinem Bogen aus 120 Jahre altem Holunder-Holz die Zielscheibe ins Visier nimmt, arbeiten die römischen Soldaten und die, die es mal waren, im Innern des Römerlagers an ihren Rüstungen. Matthias Enders alias Matteo stellt einen Veteran im Stile der Benefiziarier dar, die im Römischen Reich vor allem für polizeiliche Aufgaben zum Einsatz kamen. Die Werkzeuge, die vor ihm auf dem Tisch liegen, sind zum größten Teil historisch korrekt, mit ihnen arbeitet er an der Lederscheide für sein Messer. Neben seinem Zelt hängt die volle Rüstung eines Centurios. „Den Helm aus Metall habe ich natürlich nicht selbst machen können“, verrät Enders. „Aber der Rest ist komplett selbst zugeschnitten und genäht.“ Wieviel Zeit er da hinein investiert hat, kann er nicht sagen, nur soviel: „Das waren viele, viele Abende und unzählige Anproben.“

Auch die Germanen sind da. Hereinspaziert ins Römerlager!

André von de Bruck lässt den Speer fliegen. Ein Wochenende lang haben rund sieben Germanen und zwölf Römer ihre Zelte an der Holz-Erde-Mauer im Römerpark in Oberaden aufgeschlagen, um dort gemeinsam die Zeit des antiken Römerlagers wieder greifbarer zu machen. © Stefan Milk

Historiendarsteller legen viel Werk auf das Handwerk

Enders gehört zur „Cohors Nervana“, eine Gruppe Historiendarsteller, die viel Wert auf das historische Handwerk legt. Sie ist ebenfalls Teil des Zusammenschlusses der Lipperömer. Die Germanen sind bisher nur ein loser Zusammenschluss aus Geschichtsbegeisterten, so Müller. „Einen eigenen Namen haben wir noch nicht.“ Zweimal im Jahr treffen sich die Gruppen in Oberaden, auch die Einweihung des neu eingerichteten, heiligen Haines steht noch auf dem Programm. Eigentlich müssten nach dem Brauch Tiere geopfert werden. Doch es dürfte dann auch ohne Blutvergießen gehen.

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