Der „Classic Circus ideal“ spricht bei seinem Gastspiel vor allem Familien als Zielgruppe an. Aber die Wandertruppe mit Artisten und Tieren funktioniert auch selbst als Familienunternehmen.

von Niklas Mallitzky

Overberge

, 21.10.2018, 16:11 Uhr / Lesedauer: 3 min

Einer der Höhepunkte der Show im Zirkuszelt am Reckweg entwickelt sich, als Toni Wagner im Cowboy-Dress der jungen Akrobatin Amy gegenüber steht. Wagner lässt die Peitsche knallen, die Zeitung in den Händen der 18-Jährigen hängt in Fetzen. Trotz der waghalsigen Aktion bleibt Amy natürlich unverletzt, alle Mitglieder des „Classic Circus ideal“ sind erfahrene Artisten.

Noch eine Stunde vor dem Beginn der Vorstellung am Samstagnachmittag sind dem Zirkusdirektor die Cowboy-Qualitäten nicht anzusehen. In Alltagskleidung arbeitet er am Zelt, unterstützt von seinen Enkeln. Seit rund 20 Jahren führt er den Zirkus, den er von seinem Vater übernommen hat.

Seit 200 Jahren im Zirkusgeschäft

In den vergangenen Jahren unterstützt in auch Sohn Marino in der Tätigkeit als Chef. „Seit 200 Jahren betreibt unsere Familie den Zirkus“, berichtet Marino beim Gang über das Zirkusgelände. „Angefangen hat alles mit einem Handstand auf einem Feld.“ Mit dieser Nummer habe einer seiner Ur-Ur-Ur-Großväter neugierige Besucher angelockt. „Der Zirkus war geboren.“

Seitdem hat die Familie stetig an ihren Auftritten gearbeitet, ein Prozess, der bis heute andauere, sagt Marino. „In der Winterpause arbeiten wir auch heute noch am Programm, schließlich wollen wir ja nicht jedes Jahr das selbe präsentieren.“ Auch die Tierdressur ist Teil der Show, den Tieren ginge es aber gut, versichert der Direktor. „Wir haben alle nötigen Bescheinigungen und halten uns an die Haltevorschriften. Ein Veterinär begutachtet die Tiere regelmäßig, würden dabei Mängel festgestellt, dürfte die Show gar nicht stattfinden.“ Im Besitz des Zirkusses seien zudem nur Tiere, die sie artgerecht halten könnten. „Das sind zum Beispiel Pferde, Ponys und Ziegen. Wildtiere haben wir nicht.“

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Circus in Bergkamen

Der "Classic Ciircus ideal" hat in Overberger gastiert
21.10.2018
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© Marcel Drawe
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Als die Vorstellung beginnt, hat auch Marino Jeans und T-Shirt abgelegt und ist in das blaue Direktorengewand geschlüpft. Am römischen Ring begeistert Amy das Publikum mit waghalsigen Figuren in luftiger Höhe. Seit drei Jahren ist sie Teil des Zirkusses, Erfahrungen hat sie bereits in der Kindheit gesammelt: „Ich stamme auch aus einer Schaustellerfamilie, da fängt man früh an.“ In den vergangenen Jahren seien die Wagners für sie wie die eigene Familie geworden. „Der Zusammenhalt ist groß und das spürt man hier.“

Auch die jüngste Generation der Wagner-Familie übt schon fleißig. Die jüngste Akrobatin sei gerade einmal vier Jahre alt, berichtet Marino. „Das ist meine Nichte Angali.“ Germaine ist neun Jahre alt und trainiert hinter den Kulissen ebenfalls fleißig für die Show.

Platzsuche wird schwieriger

Neben der Rolle des Direktors zeigt sich auch Marino in der Manege von seiner akrobatischen Seite. Als „Latino de Sanchez“ balanciert er auf einem Brett, das auf einer Walze liegt. Sogar Sprünge gelingen ihm auf dem wackeligen Brett, einen Sturz fängt er gekonnt ab. Und sogar der Abgang ist Teil der Show, mit einem Rückwärtssalto springt der Artist von der hohen Plattform.

Einfacher ist das Geschäft in den vergangenen Jahren nicht für die Familie geworden, im Gegenteil. „Es wird immer schwieriger, Festplätze von Städten zur Verfügung gestellt zu bekommen“, so Wagner, „da gibt es viele Vorbehalte im Bezug auf unsere Arbeit.“ Der Platz am Reckweg ist in Privatbesitz, immer öfter müssen die Wagners auf solche Möglichkeiten hoffen.

In der Manege sind derweil die Pferde los. Toni Wagner treibt die Tiere im Kreis, auf Kommando stellen sich die Tiere auch auf zwei Beine. Nach jedem Kunststück gibt es eine kleine Belohnung für die Tiere. Angelo Sanchez beeindruckt mit seinem starken Kinn. Das sieht nicht nur markant aus, sondern kann bis zu fünf Stühle tragen, die balanciert Sanchez auf der Kinnspitze. Auch der große Holztisch ist vor ihm nicht sicher, bis zu 75 Kilogramm kann er nach eigenen Angaben auf dem Kinn balancieren.

Nach der Vorstellung gibt es viel Applaus, leider sind einige Plätze leer geblieben. „Das ist immer tagesabhängig“, meint Marino. „Manchmal ist es ausverkauft, an anderen Tagen bleibt der Ansturm aus.“

Für die Winterpause sucht der Zirkus noch ein Quartier mit einem festen Untergrund, wo sie mit den Tieren unterkommen können. „Natürlich würden wir dafür auch bezahlen.“ Wer Platz für den Zirkus hat, kann sich direkt bei Marino Wagner melden, Tel. 0179/ 4952953.

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