Raser in der Spielstraße? Anwohner haben Angst um ihre Kinder

dzSchöllerstraße Bergkamen

Anwohner der Schöllerstraße beschweren sich darüber, dass Autos dort zu schnell unterwegs seien. Ob das stimmt, wird nun untersucht. Verwaltung und Ortsvorsteher haben Zweifel.

Bergkamen

, 14.11.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Wenn einer 30 km/h fährt ist das noch gut, die meisten fahren aber 50 km/h und 70 km/h sehen wir auch schon mal.“ Bianca Altemeier wagt sich nur noch vorsichtig auf die Straße vor ihrem Haus.

In der verkehrsberuhigten Straße gibt es keinen Bürgersteig, Autos müssen offiziell Schrittgeschwindigkeit fahren. Die Realität scheint anders auszusehen, wenn man den Schilderungen von Altemeier und anderen Anwohnern Glauben schenkt. Wie Altemeier erzählt, seien die Autos auf der Schöllerstraße zu schnell unterwegs, außerdem würden Schöller- und die Hansemannstraße auch von vielen genutzt, um Ampeln auf der Töddinghauser Straße zu umfahren, obwohl es sich um Anwohnerstraßen handelt.

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„Das stört sogar die Anwohner, die keine Kinder haben. Das geht einfach nicht“, ärgert sich Altemeier. Die 42-Jährige hat einen dreijährigen Sohn, ihre Nachbarin gegenüber zwei Grundschulkinder und auch sonst wohnen dort laut Altemeier mehrere Kinder.

Anwohner der Schöllerstraße in Bergkamen sprechen Politiker an

„Ich lasse meinen Jungen nicht mehr von der Hand und gehe selten auf die Straße“, sagt Altemeier. Die Mutter sorgt sich jedoch nicht nur, sondern kämpft auch dafür, dass sich an der Situation etwas ändert. Die Gelegenheit dazu bot sich zufälligerweise vor der Kommunalwahl im September.

Anwohner der Schöllerstraße beklagen, dass Autofahrer in dem verkehrsberuhigten Bereich zu schnell unterwegs sind und auch Nicht-Anlieger durch Schöllerstraße und Hansemannstraße fahren, um Ampeln auf der Töddinghauser Straße zu umgehen.

Anwohner der Schöllerstraße beklagen, dass Autofahrer in dem verkehrsberuhigten Bereich zu schnell unterwegs sind und auch Nicht-Anlieger durch Schöllerstraße und Hansemannstraße fahren, um Ampeln auf der Töddinghauser Straße zu umgehen. © Grafik: Claudia Pott

Wie Altemeier schildert, seien sowohl der Bürgermeisterkandidat Thomas Heinzel (CDU) als auch der dann gewählte Bürgermeister Bernd Schäfer (SPD) vor Ort gewesen. Die 42-Jährige und ihre Nachbarn hätten die Gelegenheit genutzt, um mit den Politikern über die Verkehrssituation zu sprechen. Bei beiden seien sie auf Verständnis gestoßen, sagt Altemeier.

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Der Stein, den die Anwohner ins Rollen gebracht haben, gerät nun langsam ins Rollen. Nach den Gesprächen vor Ort wurde das Thema an den Ortsvorsteher Franz Herdring (SPD) getragen, der es wiederum im Gespräch mit dem städtischen Baudezernenten Dr. Hans-Joachim Peters zur Sprache brachte.

Peters nimmt Herdrings Ansprache ernst und kündigt an, dass dort demnächst ein Messgerät installiert wird, das für eine Weile sowohl die Anzahl der Fahrzeuge als auch ihre Geschwindigkeit aufzeichnen wird.

Baudezernent hat Zweifel, nimmt das Anliegen aber ernst

Das Gerät werde kaum wahrgenommen und messe rund um die Uhr. Aufgrund der sachliche Datenlage werde dann deutlich, ob die Schöllerstraße wirklich ein Problemschwerpunkt ist, sagt Peters. Der Baudezernent macht jedoch kein Geheimnis daraus, dass er daran zweifelt.

Auf der Schöllerstraße darf man nur Schrittgeschwindigkeit fahren. Laut Anwohnern halten sich daran aber viele Autofahrer nicht.

Auf der Schöllerstraße darf man nur Schrittgeschwindigkeit fahren. Laut Anwohnern halten sich daran aber viele Autofahrer nicht. © Stefan Milk

Vor der eigenen Haustür sei man häufig besonders empfindlich und meist werde das Problem durch die Anlieger selbst verursacht, die vielleicht mal in Eile sind und schneller fahren als erlaubt.

„Wir müssen abwägen, ob es sich hier um subjektives Empfinden handelt“, so Peters. Deshalb werde erst einmal gemessen. Peters betont aber auch, dass er das Anliegen ernst nehme, auch wenn er persönlich bezweifelt, dass es wirklich ein Problem gibt.

„Die verkehrsberuhigte Zone ist eigentlich schon das Ende des Lateins“

Auch Ortsvorsteher Franz Herdring zeigt Verständnis für die Anwohner und begrüßt es, dass die Verwaltung nun Messungen vornimmt. Doch auch er vermutet, dass vor allem Anlieger selbst das Problem sind. Sollte das nicht so sein, dann werde etwas unternommen.

„Wir müssen abwägen, ob es sich hier um subjektives Empfinden handelt.“
Dr. Hans-Joachim Peters, Baudezernent

Viele Möglichkeiten gibt es laut Herding aber nicht. „Die verkehrsberuhigte Zone ist eigentlich schon das Ende des Lateins.“ Man könne dann an die Autofahrer appellieren, vielleicht mit Flugblättern. Auch das Ordnungsamt und die Polizei könnten eingeschaltet werden. „Manchmal wirkt das schon abschreckend“, sagt der pensionierte Polizist.

Eine Sackgasse – übrigens das, was sich mancher Anwohner dort wünscht – kann er sich dort nicht vorstellen. „Dadurch wird grundsätzlich anderen mehr Verkehr aufgebürdet. Ich bin kein Freund von Sackgassen.“ Im Gespräch sei indes ein temporäres Mess-Schild, das Autofahrern direkt anzeigt und vor Augen führt, wie schnell sie unterwegs sind.

Ob es das vermeintliche Problem löst und die Anwohner zufrieden stellt, wird sich zeigen.

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