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Kurz nach 6 Uhr am ersten Weihnachtstag war die Ruhe für die Feuerwehr vorbei. Ein gewaltiger Wasserrohrbruch beim Bayer-Werk beschäftigte sie über Stunden. Die Folgen waren lange zu spüren.

von Michael Neumann, Johannes Brüne

Bergkamen

, 25.12.2018 / Lesedauer: 3 min

Als die Feuerwehr am frühen Morgen des ersten Weihnachtstages an der Zufahrt zum Bayer-Werk eintrifft, steht die Unterführung schon unter Wasser. Und der Fahrer eines Transporters braucht dringend Hilfe: Er ist mit seinem Fahrzeug in den Wassermassen steckengeblieben und hat sich auf das Dach gerettet. Um ihn aus dieser Situation zu befreien, ruft Feuerwehrchef Dietmar Luft die Einheit Rünthe zu Hilfe: Die verfügt über ein Schlauchboot, das die Feuerwehrleute in der überschwemmten Unterführung zu Wasser lassen.

Rohrbruch auf dem Werksgelände

Die Wassermassen stammen aus einer Hauptleitung mit einem Durchmesser von 50 Zentimetern, die vor allem das Bayer-Werk versorgt. Gegen 6 Uhr bricht das Rohr auf dem Werksgelände. Bis es dem Bereitsschaftdienst des Versorgungsunternehmens Gelsenwasser gelingt, die Zufuhr zu unterbrechen, strömen rund 4000 Kubikmeter Wasser auf die Ernst-Schering-Straße. Die Flüssigkeit sucht sich ihren zerstörerischen Weg. Der Keller der Milli-Görus-Moschee, in dem die Haustechnik untergebracht ist, wird vollständig überschwemmt. Wie groß der Schaden ist, lässt sich an den Feiertagen noch nicht abschätzen. Kleingärten in dem Waldstück hinter der Moschee laufen ebenfalls voll.

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Wasserrohrbruch in Bergkamen

Nach einem Wasserohrbruch standen die Unterführung am Bayerwerk unter Wasser, auch die Moschee an der Ernst-Schering-Straße wurde überschwemmt.
26.12.2018
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© Michael Neumann
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Hunde und Tauben gerettet

Auch Lebewesen geraten in Gefahr. Etwa zehn Hühner verenden im Wasser. Zwei große Kangal-Hunde in einem Zwinger auf dem Moschee-Gelände können die Feuerwehrleute mit Hilfe der Besitzer retten. „Den Tieren stand das Wasser schon bis zum Bauch“, berichtet Luft. Auch der Eigentümer eines Taubenschlages an den Kleingärten kann sich auf die Hilfe der Retter verlassen, seine Vögel überleben.

Hilfe vom THW

Beim Versuch den Wald und die Kleingärten leer zu pumpen, stößt die Feuerwehr an technische Grenzen: „Das Gras-Wasser-Gemisch hat unsere Pumpen immer wieder verstopft“, erläutert der Feuerwehrchef. Deshalb bittet er das Technische Hilfswerk um Unterstützung. Es rückt mit einer Spezialpumpe an: „Die war dreieinhalb Stunden im Einsatz und hat 4000 Liter in der Minute abgepumpt“, verdeutlicht Luft die Dimension. Und er lobt die Zusammenarbeit mit den Technischen Helfern, die hervorragend funktioniert hat.

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Weitere Einsätze

Die Feuerwehr muss am Weihnachtsmorgen noch weitere Einsätze fahren, darunter auch einen sehr tragischen: Nach einem Schwelbrand in einer Wohnung an der Gute-Hoffnung-Straße finden die Einsatzkräfte die Leiche einer 86-jährigen Frau. Zudem gibt es in Folge des Leitungsschadens bei Bayer weitere Wasserrohrbrüche. Um einen an der Ecke Lindenweg/Pfalzstraße kümmert sich die Löschgruppe Weddinghofen. Auch an der Töddinghauser Straße in der Nähe des Kreisels mit der Erich-Ollenhauer-Straße birst ein Rohr: Das hat Folgen für die Anwohner: Gelsenwasser muss die Wasserversorgung für die Häuser an der Töddinghauser Straße zwischen der Erich-Ollenhauer-Straße und der Luise-Schröder-Straße unterbrechen. Die Menschen müssen sich aus einem Wassertransporter und aus Standrohren versorgen. Erst um 19.30 Uhr kann Gelsenwasser die 650 Meter lange Leitung wieder freigeben, es fließt wieder Wasser aus den Hähnen in den Wohnungen an der Töddinghauser Straße. Im Verlauf des Tages hatten die Techniker bereits eine Ersatzleitung zum Biomasse-Kraftwerk neben dem Bayer-Gelände gelegt: Sonst wäre auch noch die Wärmeversorgung zusammengebrochen.

Reparatur beginnt

Am Vormittag des zweiten Weihnachtstages beginnt die Reparatur des kaputten Rohres an der Ernst-Schering-Straße. Wann die Leitung wieder in Betrieb geht, wisse Gelsenwasser aber noch nicht, teilt dessen Sprecher Bernd Hartung mit: Allerdings hätten die Unternehmen, die durch sie versorgt werden, entweder eine separate Wasserversorgung oder zwischen den Feiertagen Werksferien. Ein wenig Ruhe können auch die Bergkamener Feuerwehrleute gebrauchen. Wegen der diversen Vorfälle waren am ersten Feiertag alle sechs Löschgruppen im Einsatz. Die aus Bergkamen-Mitte musste zwischendurch noch eine Wohnungstür an der Gedächtnisstraße aufbrechen, weil der Bewohner sein Essen auf dem Herd vergessen hatte. Und die Oberadener mussten eine ziemlich lange Ölspur beseitigen. „Da blickt man schon mal in erschöpfte Gesichter“, bilanzierte Feuerwehrchef Dietmarr Luft.

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