Mit einem Schlagstock wurde ein Mann während einer Prügelei in Menden angegangen (Symbolbild). © picture alliance / dpa
Begegnung in Bergkamen

Angst, aus dem Haus zu gehen: Teenager und Männer geraten aneinander

Ein Vorwurf – zig Versionen: Ein Bergkamener soll sich am Versuch beteiligt haben, eine Gruppe Jugendlicher auszurauben. Auch ein Schlagstock und ein Messer sollen im Spiel gewesen sein.

Die Teenager waren abends im Bereich der Preinstraße unterwegs, als ihnen die Männer begegneten. Die, so der Vorwurf, präsentierten plötzlich ein Springmesser und einen Schlagstock und forderten: „Stoff raus.“ Die Jugendlichen rannten weg. Später wurde dem 38-jährigen Bergkamener vorgeworfen, derjenige gewesen zu sein, der den Schlagstock hatte. Der Vorfall hat sich am Abend des 2. März 2020 ereignet.

Versuchte räuberische Erpressung wurde dem 38-jährigen Bergkamener nun in einem Prozess vor dem Schöffengericht in Unna vorgeworfen. Er schilderte das Ganze anders. Er sei mit seinem gesondert verfolgten und derzeit abgetauchten Kumpel unterwegs gewesen und habe zwei Männer getroffen, von denen einer einen Joint gehabt habe.

Den habe er gefragt, ob er etwas zu verkaufen habe. Der habe daraufhin telefoniert und gesagt, sie sollten mit ihnen mitkommen. Dann seien sie auf die Gruppe gestoßen und einer der Männer habe „Stoff raus“ gebrüllt. Ob sein Kumpel ein Messer gehabt habe, wisse er nicht. Er selbst habe jedenfalls ganz gewiss keinen Schlagstock in der Hand gehabt. „Ich hatte keinen Bock auf Stress“, betonte er.

Aussagen der Jugendlichen weichen voneinander ab

Nach dieser Einlassung hörte das Gericht an zwei Verhandlungstagen vier der Teenager, wobei nur einer von ihnen freiwillig erschien und nicht von der Polizei vorgeführt werden musste. Sie lieferten unterschiedliche Versionen, was sich an dem Märzabend abgespielt haben sollte.

So variierte die Zahl der Männer, die sie berauben wollten. Mehrere sprachen davon, dass die Fremden zunächst nach einem „Lars“ gefragt hätten. In einigen Punkten waren sie sich jedoch einig: Keiner von ihnen konnte sich erklären, warum es „Stoff raus“ hieß.

Alle bestätigten, Reißaus genommen zu haben. Und, ob der Angeklagte dabei war, konnte keiner von ihnen sagen – noch nicht einmal der Jugendliche, der ihn bei der Polizei auf einem Foto eindeutig erkannt haben wollte. Geschweige denn, dass einer der Zeugen den Vorwurf bestätigen konnte, dass der Angeklagte der Täter mit dem Schlagstock gewesen sein könnte.

Vorfall in Bergkamen hat die jungen Männer eingeschüchtert

Eindruck machte der Vorfall aber offenbar dennoch auf die jungen Männer. Einer von ihnen brachte es auf den Punkt: „Ich hatte danach schon etwas Angst, rauszugehen.“

Eine Beteiligung des 38-jährigen Bergkameners konnte das Gericht nach den Aussagen beim besten Willen nicht feststellen. Für ihn endete das Verfahren dem entsprechend mit einem Freispruch.

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