Angriff auf Lehrer: Gutachter hält Angeklagten für leicht reizbar und aufbrausend

dzStrafprozess

Der Prozess um den tätlichen Angriff auf einen Lehrer der Willy-Brandt-Gesamtschule in Bergkamen ist auf die Zielgerade eingebogen. Der Angeklagte darf auf eine Strafmilderung hoffen.

Bergkamen

, 14.07.2020, 13:44 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 36-jährigen Mann vor, einen Lehrer der Willy-Brandt-Gesamtschule im April 2018 grundlos mit einem japanischen Würgeholz geschlagen zu haben. Das Opfer erlitt damals Blutergüsse an beiden Armen. Viel schwerer wiegen jedoch die psychischen Folgen der Attacke. Der Lehrer wurde inzwischen sogar in den vorzeitigen Ruhestand versetzt, nachdem die Bezirksregierung den Angriff als Dienstunfall anerkannt hat.

Der Angeklagte behauptet seit Beginn des Prozesses vor dem Dortmunder Landgericht, dass er damals in Notwehr gehandelt habe. Er will sich auf dem Schulgelände aufgehalten haben, um eine Gruppe von Schülern zur Rede zu stellen, die angeblich seiner Tochter das Leben schwer gemacht hätten. Völlig unvermittelt soll der Pädagoge dann auf ihn zugegangen und ihn mit seiner Aktentasche verprügelt haben, so der 36-Jährige.

Angeklagter spricht von Notwehr

Diese Geschichte hat jedoch zwei Haken: Zum einen haben mehrere Augenzeugen den Tathergang genau beobachtet und dabei die Version des Lehrers gestützt. Danach hat der Pädagoge den Mann zum Verlassen des Schulgeländes aufgefordert und ist deshalb mit dem Würgeholz angegriffen worden. Und den zweiten Haken schilderte am Dienstag der psychiatrische Sachverständige Jörg Hahn.

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Der Experte hat den Angeklagten während des gesamten Prozesses beobachtet und ist zu dem Schluss gekommen, dass der Bergkamener dazu neigt, stets seine eigene Sicht der Dinge in den Mittelpunkt zu stellen. Von einer narzisstischen Persönlichkeit könne man zwar noch nicht sprechen. Wohl aber sei das Wesen des 36-Jährigen sehr verändert.

Positive Drogentests

Vor allem unter dem Einfluss von Cannabis beobachtete der Gutachter bei dem Angeklagten „Züge von Verfolgungswahn“. Einsehen will der Bergkamener das aber unter keinen Umständen. Während der Gutachtenerstattung unterbrach er den Sachverständigen, um aus seiner Sicht klarzustellen: „Ich nehme überhaupt keine Drogen.“ Woher dann aber die vielen positiven Drogenscreenings stammen, von denen in den Prozessakten zu lesen ist, kann der Mann auch nicht erklären.

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Fakt ist jedoch, dass der Gutachter nicht ausschließen kann, dass der 36-Jährige zur Tatzeit nur vermindert schuldfähig war. Auch bei dem Angriff auf den Lehrer habe er unter dem Einfluss von Cannabis gestanden. Deshalb sei er leicht reizbar und aufbrausend gewesen.

Üblicherweise wird bei verminderter Schuldfähigkeit die Strafe abgemildert.

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