Angeklagt wegen Bedrohung – Aussage seiner Ehefrau rettet 58-Jährigen vor Strafe

dzVorfall im Gericht

Er stand wegen angeblich wilder Drohungen vor Gericht, die er gegen eine Bergkamenerin ausgesprochen haben soll. Die Aussage seiner Ehefrau rette einen 58 Jahre alten Werner jedoch.

von Jana Peuckert

Bergkamen

, 28.02.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Ich bringe dich um. Ich bringe deine beiden Söhne, diese Missgeburten, um. Ich habe zwei große Söhne, die erledigen das.“ Mit diesen Worten soll ein Angeklagter, der sich im Amtsgericht Unna verantworten musste, einer Frau aus Bergkamen gedroht haben.

Vorfall im Gerichtsflur

Der Angeklagte und sein mutmaßliches Opfer waren am 2. September vergangenen Jahres schon einmal im Amtsgericht Unna aufeinandergetroffen. Damals stand der Sohn der Bergkamenerin vor Gericht. Er soll der Tochter des Angeklagten etwas angetan haben.

Während die 40-Jährige als Zeugin im Flur warten musste, hatte sich der Angeklagte aus Werne im Sitzungssaal in den Besucherbereich gesetzt, um den Prozess zu verfolgen. Als der Richter Gespräche des Angeklagten mit dessen Schwester als störend befand und ihn rügte, verließ der Werner den Saal.

Frau hört üble Drohung

Draußen soll er dann wutentbrannt auf die Mutter des Angeklagten zugegangen sein und die oben genannten Drohungen ausgesprochen haben. Das stimme nicht, erklärte der Angeklagte nun vor Gericht. Er habe sich zwar aufgeregt, aber lediglich vor sich hin geschimpft. Die Frau habe er aber nicht angesprochen, sagte der 58-Jährige aus.

Die Aussage der Bergkamenerin bestätigte jedoch im Zeugenstand die Anklage: „Er ist sehr aggressiv auf mich zugekommen, hat mich angeschrien. Ich war sprachlos. Damit hatte ich nicht gerechnet.“ Schließlich seien die Wachtmeister eingeschritten und hätten sie ins Foyer gebracht, sagte die Frau aus.

Die Situation sei so bedrohlich gewesen, dass der Richter sie durch ein Hinterzimmer in den Zeugenstand geführt habe, sagte die 40 Jahre alte Bergkamenerin aus.

Ehefrau bestätigt Aussage des Angeklagten

Die Ehefrau des Angeklagten dagegen bestätigte dessen Angaben. „Er war richtig aufgeregt. Sie persönlich hat er aber nicht angesprochen“, erklärte die 48-Jährige. Allerdings habe die Frau die Aussagen des Mannes offenbar auf sich bezogen. Am Ende befand das Gericht beide Frauen für glaubhaft. In diesem Fall konnte nur der Grundsatz: „in dubio pro reo – im Zweifel für den Angeklagten“ greifen. Ergebnis: Freispruch. Hätte das Gericht die Bedrohung als erwiesen angesehen, hätte der Mann gemäß § 241 Strafgesetzbuch mit einer Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder einer Geldstrafe rechnen müssen.

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