Der Bergkamener Andreas Klockenhoff verbringt einen großen Teil seiner Freizeit auf der Halde. Dort kümmert er sich um die Waldameisen und hat schon große Erfolge erzielt.

Bergkamen

, 30.08.2019, 16:34 Uhr / Lesedauer: 3 min

Andreas Klockenhoff geht mit einem fast liebevollen Lächeln um den großen Ameisenhaufen direkt neben einem Spazierweg auf halber Höhe der Halde Großes Holz herum. Er schneidet einige Brombergranken mit der Sense weg, prüft ob der Haufen ein wenig Sonne bekommt und ob er trotzdem ausreichend Schatten von den umliegenden Bäumen bekommt.

Zahl der Völker in zehn Jahren verdoppelt

„Das ist einer der größten Ameisenbauten auf der Halde“, sagt er stolz – und einer seiner größten Ansiedlungserfolge. Der ehemalige Bergmann kümmert sich ehrenamtlich um die Ameisenvölker auf der Halde großes Holz und er versucht sie zu vermehren. Dabei hat er sichtbar Erfolg. Als er die Völker im Jahr 2010 zum ersten Mal zählte, waren es 14. Mittlerweile, nach knapp zehn Jahren, sind es etwa 30. „Das bedeutet eine Verdoppelung in etwa zehn Jahren“, freut sich der ehrenamtliche Ameisenbetreuer.

Andreas Klockenhoff ist Wächter und Helfer der Ameisen auf der Halde

Bei den Ameisen handelt es sich um „Kahlrückige Waldameisen“. © Stefan Milk

Ehrgeiziges Ziel

Der 55-Jährige hat ein ehrgeiziges Ziel: In zehn Jahren will er die Anzahl der Völker erneut verdoppelt haben. Dann sollen es rund 60 sein, die auf der Halde leben. Bei einer bis drei Millionen Ameisen pro Haufen bedeutet das eine beträchtliche Population. In den 60 Haufen würden zwischen 60 und 180 Millionen Ameisen leben.

Plätze für die Ansiedlung vorbereitet

Dafür, dass sich die Ameisen auf der Halde ausbreiten, wendet Klockenhoff einen großen Teil seiner Freizeit auf. Er bereitet immer neue Stellen auf der Halde vor, auf der sich ein neuer Ameisenstaat ansiedeln könnte. Dazu sucht er Stellen, die von den Lichtverhältnissen passen und stellt oder legt dort einen Gegenstand hin, der den Ameisen als Basis für ihren neuen Haufen dienen kann. Basis für den großen Haufen war beispielsweise eine die Stütze einer Bank, die früher in der Nähe stand. Klockenhoff streut in der Umgebung Material aus, das die Ameisen gut zum Bauen benutzen können – zum Beispiel Rindenmulch.

Andreas Klockenhoff ist Wächter und Helfer der Ameisen auf der Halde

Die Ameisen versuchen, um einen Birkenstumpf herum einen neuen Haufen zu bauen. Eine Basis, die richtigen Lichtverhältnisse und geeignetes Baumaterial locken sie an. Solche Plätze versucht Andreas Klockenhoff vorzubereiten. © Stefan Milk

Neues Volk am Birkenstumpf

Kahlrückige Waldameise

Bis zu 5000 Königinnen pro Ameisenvolk

Die „Kahlrückige Waldameise“ ist wesentlich überlebensfähiger als ihre Verwandte, die „Rote Waldameise“. In den Haufen der Kahlrückigen Waldameise gibt es bis zu 5000 Königinnen. Deshalb sind die Ameisen, die immerhin ein Alter von bis zu sieben Jahren erreichen, wesentlich überlebensfähiger. Bei den Roten Waldameisen hat ein Volk nur eine Königin. Bei einem Verlust steht das ganze Volk vor dem Aussterben.
An einem Birkenstumpf in der Nähe zeigt er, dass dort Ameisen aktiv sind. Sie versuchen um den Stumpf herum einen neuen Haufen aufzubauen. Ob sich dort tatsächlich ein neues Volk ansiedelt, wird sich erst im Laufe der nächsten Jahre zeigen. „Erst nach etwa sieben Jahren weiß ich, das sich ein neues Volk dauerhaft angesiedelt hat“, sagt der 55-Jährige. Sonst kann es immer noch sein, dass die Ameisen den Standort wieder aufgeben und „zurück zu Mama gehen“, wie Klockenhoff es nennt. Sie gehen zurück zu dem Volk aus dem sie stammen.

Das Ansiedeln eines Volks ist auch sonst eine mühsame Angelegenheit. Nur an einem von zehn Plätzen, die Klockenhoff vorbereitet, kommt es tatsächlich zu einer Neuansiedlung schätzt er. „Da sind Ameisen schon recht launisch und unberechenbar“, sagt er.

Regelmäßige Pflege

Kein Wunder, dass der ehrenamtliche Naturschützer die Ameisenhaufen hegt und pflegt. Er legt zum Beispiel regelmäßig Äste und Zweige auf die Haufen, um Spechte vom Plündern abzuhalten. Wenn Spechte nicht schnell wegfliegen können, lassen sie den Haufen eher in Ruhe. Bei den größeren Ameisenvölkern am Fuß der Halde sei es nicht so schlimm, wenn der Specht sich bediene, sagt Klockenhoff. Bei den neueren, kleineren weiter oben könne das dagegen fatal sein. Vor einiger Zeit erlebte der Ameisenschützer, das Wildschweine einen Haufen fast völlig zerlegten. Sie waren durch Raupen und anderen Insekten angelockt worden, die von den Ameisen in den Bau geschleppt worden waren. Mittlerweile haben Klockenhoff und die Ameisen den Schaden wieder in Ordnung gebracht.

Interesse schon seit der Schulzeit

Um die Insekten kümmert sich der 55-Jährige schon seit seiner Schulzeit, als er in der sechsten Klasse der früheren Harkortschule in die Biologie-AG des Lehrers und in Bergkamen bekannten Umweltschützers Helmut July kam. Schon damals nahm July seine Schüler mit, um Ameisenvölker von der Südlichen Salzstraße in Heil an den Beversee oder auf die Halde umzusiedeln. An eine Aktion kann er sich noch genau erinnern. Während July sich um die Ameisen kümmerte, turnten die Schüler über die Halde. Klockenhoff landete in enem stinkenden, grünen Tümpel, den er für eine grüne Wiese gehalten hatte.

Wegen seines strengen Geruchs musste er auf die Ladefläche zu den Ameisen. „Dabei ist wohl eine Verbindung entstanden, die bis heute hält“, sagt der 55-Jährige und lacht.

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