Der Auftakt zum „Sommer in Bergkamen“ verläuft wenig sommerlich. Trotzdem erleben alle, die sich auch bei Regen zum Theater unter freiem Himmel trauen, einen äußerst amüsanten Abend.

Bergkamen

, 06.07.2019 / Lesedauer: 4 min

Stadtmarketing-Chef Karsten Quabeck stand auf dem Platz der Partnerstädte und rang sichtlich um ein gelassenes Gesicht. Er lebt immer noch auf dem elterlichen Bauernhof in Overberge und hatte den Regen eigentlich schon seit Tagen herbeigesehnt. „Aber der musste doch nicht ausgerechnet jetzt kommen“, sagte er mit einer gehörigen Portion Fatalismus in der Stimme und drückte dem nächsten Besucher eine Packung mit einem Regencape in die Hand. Davon hatte das Stadtmarketing trotz gefühlt monatelanger Hitzeperiode genügend bereitgelegt - so viele, dass auch dann genug Capes für alle da gewesen wären, wenn tatsächlich alle Stühle auf dem Platz der Partnerstädte besetzt gewesen wären.

Amüsanter Theaterabend im strömenden Regen

Es war nicht so einfach herauszufinden, wo Arme und Kopf bei den Capes hingehörten. © Stefan Milk

Der Regen und die Besucher tröpfeln

So aber tröpfelten die Besucher beim Theater Open Air, dem Auftakt des „Sommer in Bergkamen“, spärlicher als die Tropfen vom Himmel. So mancher genoss nicht die Zeit vor dem Beginn der Vorstellung um Freunde und Bekannte zu treffen und mit ihnen bei einem kühlen Getränk noch in wenig zu plaudern, sondern kam, wenn überhaupt, in letzter Minute - um dem Regen zu entgehen.

Amüsanter Theaterabend im strömenden Regen

Die SOS Mobilband gab alles, auch wenn sie sich für diesen Abend in eine Standing Band verwandelt hatte. © Stefan Milk

Die Mobilband gibt unter dem Vordach alles

Die „SOS Mobilband“, die eigentlich durch die Besucherreihen ziehen und für das musikalische Vorprogramm sorgen sollten, hatte sich spontan in eine „Standing Band“ verwandelt. Die vier Musiker hatten sich unter das Dach des Getränkewagens verzogen, gaben dort aber alles. Zumindest diejenigen, die einen trockenen Platz unter der eigentlich als Sonnenschutz gedachten Markise neben dem Getränkewagen ergattert hatten, konnten die Gute-Laune-Musik genießen.

Amüsanter Theaterabend im strömenden Regen

Sven Meier (vorne) und Karsten Rockel trocknen die Stühle, damit die Zuschauer zumindest nicht im Nassen sitzen mussten. © Stefan Milk Stefan Milk

Das Stadtmarketing trocknet die Stühle

Quabeck und seine Kollegen trockneten unterdessen immer wieder Stühle, damit das Publikum zumindest auf einem trockenen Sitz Platz nehmen konnte. Kurz vor Beginn der Vorstellung kamen auch noch die Zuschauer, die offenbar bis zum letzten Moment gewartet hatten, bevor sie sich dem Regen aussetzten.

Bitter für das Stadtmarketing: Es hat das „Theater Poetenpack“ aus Potsdam mit seinem Stück „Dinner for One - wie alles begann“ schon vor etwa zwei Jahren verpflichtet.

Amüsanter Theaterabend im strömenden Regen

Gute Stimmung herrschte auf den Plätzen vor der Bühne trotz des ungewohnten Wetters. © Stefan Milk

Amüsanter Abend um den Lieblings-Sketch der Deutschen

Bitter auch für alle, die sich vom Wetter abschrecken ließen: Sie haben einen amüsanten Abend mit echter Schauspielkunst um Deutschlands liebsten Silvestersketch verpasst. Die drei Schauspieler auf der Bühne ließen die Zuschauer in ihren Regencapes und versteckt unter Schirmen immer wieder schmunzeln.

Schon vor Beginn konnten die Zuschauer das eine oder andere Interessante über denen Gegenstand des Stücks und das Stück selbst erfahren. Schauspieler Justus Carriére verriet in seiner Einführung, dass „Dinner for One“ eigentlich schon in den 20er Jahren geschrieben wurde. Als es 1961 für das deutsche Fernsehen aufgezeichnet werden sollte, weigerte sich Butler-Darsteller Freddie Frinton, Deutsch zu sprechen. Er mochte die Deutschen so kurz nach dem Zweiten Weltkrieg nicht. Und so kommt es, dass die Deutschen ihren Lieblingssketch um Miss Sophies 90. Geburtstag und ihren Butler James auf Englisch hören.

Das Stück, das auf der Bühne zu sehen war, ist wesentlich neuer. Es wurde 2005 von Volker Heymann geschrieben.

Amüsanter Theaterabend im strömenden Regen

Es war nicht so einfach herauszufinden, wo Arme und Kopf bei den Capes hingehörten. © Stefan Milk

Die guten Schauspieler sind alle vergeben

In dem Stück geht es darum, dass ein Regisseur (Marin Molitor) Schauspieler sucht, die „Dinner for One“ auf die Bühne bringen Da die guten alle weg sind, absolviert er das Vorsprechen mit Elvira (Iduna Hegen) und Klaus (Justus Carriére) vorlieb nehmen, die seit Jahrzehnten als Komiker durch die Lande tingeln. Die beiden waren ein Paar, haben sich zerstritten und entsprechend erbittert ist ihr Umgang miteinander. Zu den mäßigen schauspielerischen Leistungen der Hauptdarsteller und ihre erbitterte Profilierungs- und Beziehungsschlacht kommt der Regisseur. Er ist trotz der begrenzten Fähigkeiten seiner Schauspieler überaus ambitioniert und denkt sich immer absurdere Biografien für die Personen im Stück aus, um seie Darsteller auf den richtigen Weg zu bringen. Was dabei an meisterhaft gespielter absurder Situationskomik herauskommt, kann es durchaus mit dem „Dinner for One“ aufnehmen.

Amüsanter Theaterabend im strömenden Regen

Der Regisseur versucht, seinen beiden Darstellern zu vermitteln, worauf es ihm ankommt. Das erweist sich als schwieriges Unterfangen. © Michael Dörlemann

Dinner for One mit Beziehungsstress

Das gab es nach einer Pause auch noch zu sehen, wenn auch in einer etwas anderen Variante als das Orginal mit Freddie Frinton und Fay Warden als Miss Sophie - denn so ganz können Elvira und Klaus auch dabei ihren Beziehungsstress nicht hinter sich lassen. Und so dürften die meisten Zuschauer nass aber doch glücklich nach einem gelungenen Theaterabend nach Hause gegangen sein.

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